Todes-Parolen gegen Biker auf der B500

Baden-Baden (hol) – Auf der B500 prangen Hass-Botschaften gegen Motorradfahrer – und die Stadt Baden-Baden schafft es bisher nicht, die Schmierereien zu entfernen.

Hetze und Hass gegen Motorradfahrer: Auf der B500 prangen seit Samstag hässliche Botschaften. Foto: Bernhard Margull

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Hetze und Hass gegen Motorradfahrer: Auf der B500 prangen seit Samstag hässliche Botschaften. Foto: Bernhard Margull

Die Polizei ermittelt wegen Hass-Botschaften gegen Motorradfahrer, die ein Unbekannter wohl in der Nacht zum vergangenen Samstag auf die Fahrbahn der Schwarzwaldhochstraße und auf Schilder entlang der B500 zwischen Geroldsau und Plättig gesprüht hat. Darin wird Bikern in unterschiedlichen Formulierungen der Tod gewünscht.

„Leg Dich in Dein Sarg!“ Das ist noch eine der harmlosen Varianten. Dieser Satz prangt seit Samstagnachmittag in großen gelben Lettern auf der Fahrbahn der B500 kurz nach dem Schwanenwasen talwärts. Wenig später dann die Botschaft „Biker stirb!“ Auf den folgenden gut 1.000 Metern bis zum Zimmerplatz immer deutlichere und geschmacklosere Formulierungen. Genau an der Stelle unterhalb des Helbingfelsens schließlich, wo kürzlich ein 22-jähriger Motorradfahrer verunglückte und schwer verletzt wurde: ätzende Häme und Schimpfworte, die Genugtuung über den Unfall ausdrücken. Quer über die noch schwach sichtbaren Markierungen, die die Polizei bei der Unfallaufnahme gemacht hatte, verläuft die Schrift. Die Hetzbotschaft hat dadurch einen besonders makaberen Charakter.

Die Polizei sucht nun nach dem Urheber der Parolen. Dabei geht es allerdings weniger um den Inhalt. Es sei Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet worden, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums am Mittwoch auf Nachfrage des BT. Zeugenhinweise werden gesucht, (0 72 21) 68 00. Man habe aber bisher noch keine weiteren Erkenntnisse.

Farbe lässt sich nicht entfernen

Fest steht lediglich, dass die Schmierereien, die am Samstagnachmittag für Auto- und Motorradfahrer auf der B500 deutlich zu sehen waren, schnell Folgen hatten. Vermutlich in der Nacht zum Sonntag sind einige der Parolen nämlich von einem anderen Farbschmierer wieder unkenntlich gemacht worden, indem Bilder und Symbole darüber gesprüht wurden. Dieser zweite Täter hat damit zwar offensichtlich versucht, inhaltlich Wiedergutmachung zu betreiben – doch die Sachbeschädigung hat er noch schlimmer gemacht. Das städtische Fachgebiet Tiefbau und eine Spezialfirma sind nämlich am Montag und Dienstag daran gescheitert, die Farbe wieder zu entfernen. Man habe es mit Wasser im Hochdruckverfahren versucht – erfolglos. Und ein Versuch mit chemischen Reinigungsmitteln sei nach kurzer Zeit abgebrochen worden, weil man bemerkt habe, dass dabei die Asphaltdeckschicht der Bundesstraße beschädigt worden sei, lässt Daniel Wöhrle, der Leiter des städtischen Baubetriebshofs, wissen. „Derzeit werden alternative Methoden zur Entfernung der Farbschmierereien geprüft“, teilte die Stadtverwaltung mit. Bisher habe man allerdings noch keine Lösung für das Problem gefunden. Der Schaden gehe in den fünfstelligen Bereich. „Solche Leute wissen ja nicht, was sie da anrichten. Das ist kein Kavaliersdelikt“, hieß es von der Stadt-Pressestelle.

Auerhahn-Wirt Hans Schindler aus Geroldsau, selbst passionierter Motorradfahrer, stört sich vor allem an dem Inhalt der Hetzereien. „Man kann ja schon eine Abneigung gegen Biker haben und die auch äußern. Aber diese Sprüche gehen einfach zu weit“, meint der FDP-Stadtrat. Die Menschenwürde werde nicht eingehalten – es sei ein Niveau erreicht, das der Sache nicht gerecht werde. Deshalb hat Schindler 300 Euro Belohnung ausgesetzt. Zeugen, die Hinweise zur Ergreifung des Schmierers geben wollen, können sich bei ihm per Whatsapp unter (01 51) 25 08 88 88 melden, teilte er am Mittwoch mit.

BT-Redakteur Harald Holzmann kommentiert

Ein schriller Warnton

Zweifellos ist es eine Qual, an der Schwarzwaldhochstraße zu wohnen. Der Motorradlärm ist gerade an Wochenenden unerträglich. Mit gewagten Überholmanövern, hoher Geschwindigkeit und unverantwortlichen Fahrmanövern sorgen zudem einige Biker dafür, dass die normal tickenden Verkehrsteilnehmer – ob auf vier oder zwei Rädern unterwegs – ein mulmiges Gefühl haben, wenn sie auf der B500 unterwegs sein müssen. Das alles taugt aber nicht als Entschuldigung für die geschmacklosen Entgleisungen und hasserfüllten Parolen, die seit einigen Tagen auf der Fahrbahn und auf Plakaten am Straßenrand prangen. Der Urheber der Hetze disqualifiziert sich selbst und tut der Sache einen Bärendienst. So geht man nicht miteinander um. Die Hassparolen zeigen aber auch auf, wie tief die Gräben mittlerweile sind bei dem Thema. Häme, Hass und widerliche Hetze bestimmen den Ton. In Zeiten, in denen jeder mal schnell per Internet tief unter der Gürtellinie und bar jeglicher Intelligenz zulangen und alle Welt die schnell dahingerotzten Worte lesen kann, hat es inhaltliche Auseinandersetzung eben schwer. Für die Politik muss die unsägliche Aktion an der B500 aber ein Alarmsignal sein. Ein schriller Warnton, der dazu auffordert, das Thema endlich nicht mehr auf die leichte Schulter zu nehmen. Nicht die Verantwortlichen vor Ort müssen aufwachen. Die haben es nämlich schon längst verstanden, dass es so nicht weitergehen kann. Nein, gefragt sind die Gesetzgeber in Berlin. Sie müssen endlich begreifen, dass es bei dem Thema um den Frieden in unserer Gesellschaft geht. Bundestag und Bundesrat müssen es endlich schaffen, dass Motorradfahrer, die sich nicht an Recht und Gesetz halten, tatsächlich empfindlich bestraft werden und nicht – wie bislang – unter dem Polizeiradar durchtauchen können, weil die Gesetze nicht ausreichen und das Bundesverfassungsgericht die Haftung von Haltern in Deutschland ausschließt. Von einem solchen Durchgreifen würden nicht nur Anwohner der Rennstrecken profitieren, sondern auch diejenigen Biker, die vernünftig unterwegs sind. Und das ist mit Sicherheit die Mehrheit.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
18. August 2021, 18:51 Uhr
Lesedauer:
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