Todesfalle für Wasservögel wird entschärft

Iffezheim (mak) – Ein spezielles Bauwerk leitet den Rheinniederungskanal unter den Sandbach. Doch im Einlaufbereich herrscht eine starke Strömung, die zur tödlichen Falle für junge Wasservögel wird.

Johannes Godbarsen und Susanne Wisniewski vom INI-Vorstand kritisieren schon seit vielen Jahren die Situation vor dem Rechen im Einlaufbereich, in dem junge Wasservögel zu Tode kommen. Foto: Markus Koch

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Johannes Godbarsen und Susanne Wisniewski vom INI-Vorstand kritisieren schon seit vielen Jahren die Situation vor dem Rechen im Einlaufbereich, in dem junge Wasservögel zu Tode kommen. Foto: Markus Koch

Es ist ein idyllisches Fleckchen, an dem der Rheinniederungskanal den Sandbach in der Nähe der Goldbrücke bei Iffezheim unterquert. Doch direkt vor dem Bauwerk, in dem der Kanal unter den Bach geleitet wird, spielen sich im Frühjahr mitunter dramatische Szenen ab: Vor dem Rechen des Einlaufbereichs, der Äste und Zweige abfängt, stürzt der Kanal ab und erzeugt eine starke Strömung. Junge Wasservögel, die nicht fliegen können und dort hineingezogen werden, schaffen es nicht mehr heraus und ertrinken oder verhungern. Tierärztin Dr. Susanne Wisniewski vom Kleintierzentrum Iffezheim hat das Regierungspräsidium bereits 2005 über diese Todesfalle informiert. Zunächst habe es seitens der Karlsruher Behörde geheißen, dass sich jemand um die Angelegenheit kümmern werde, berichtet sie im BT-Gespräch. Es passierte nichts, doch Wisniewski blieb hartnäckig und rief jedes Jahr erneut bei der Behörde in Karlsruhe an oder schickte E-Mails, um die tödliche Falle in Erinnerung zu rufen. „Ich habe auch immer wieder neue Ansprechpartner am Telefon gehabt, jedes Mal wurde mir zugesagt, dass man das Problem löst.“

Erste Abhilfe im Herbst 2018

Nun hat sie sich zusammen mit Johannes Godbarsen, mit dem sie gemeinsam dem Vorstand der Initiative Naturschutz Iffezheim (INI) angehört, mit dem Problem an das Badische Tagblatt gewandt. Im Zeitraum von sechs bis acht Wochen, nämlich in der Brut- und Setzzeit ab Ende April, kommt es zu den tödlichen Unfällen von jungen Wasservögeln. Zwar war den Initiatoren im Herbst 2018 bei einem Vor-Ort-Termin mit Vertretern des Regierungspräsidiums und des Landratsamts Gehör geschenkt worden. Und rund zwei Wochen später waren an der Seite des Einlaufbereichs auch dicke Bretter angebracht, die nun als Ausstiegshilfen für Nutrias dienen. „Doch die jungen Wasservögel kommen nicht auf diesen rutschigen Brettern wieder raus, weil sie sich nicht festkrallen können. Deshalb sterben sie weiterhin“, beklagt Godbarsen den anhaltenden Missstand. Neben jungen Enten und Blesshühnern kämen auch Zwergtaucher zu Tode. Er hat im vergangenen Frühjahr zwei Anrufe von Spaziergängern bekommen, die ein totes Tier entdeckt hatten, im Iffezheimer Tierzentrum von Wisniewski gingen diesbezüglich zehn Anrufe ein. Es kommt aber auch hin und wieder vor, dass junge Wasservögel durch den Rechen in ein Becken vor dem Unterlauf gezogen werden, das mit verankerten Gittern gesichert ist, von oben jedoch eingesehen werden kann. Godbarsen hat an einem Wochenende eine verzweifelte Familie mit kleinen Kindern gesehen, die den schreienden Tieren helfen wollten, es aber nicht konnten: „Das war vor allem für die Kinder besonders schlimm“, berichtet er.

Problem soll im Herbst gelöst werden

Irene Feilhauer, Pressesprecherin im Regierungspräsidium, kann die Frage, ob erste Hinweise das RP bereits im Jahr 2005 erreicht haben, „weder bestätigen noch abschließend widerlegen. Aktuell liegen uns hierzu keine Informationen vor“, teilt sie auf BT-Anfrage mit. Der Landesbetrieb Gewässer habe eine Planung erarbeitet, um den Bauwerkseinlauf im Zusammenhang mit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie zu optimieren. Dieser Planung habe die untere Wasserbehörde im Landratsamt im Vorjahr zugestimmt. Um die gefährliche Situation zu entschärfen, sollen die in den Betonwänden befindlichen Staubalken bis auf eine Höhe von 20 Zentimetern entnommen werden, erläutert Armin Stelzer, leitender technischer Direktor des Landesbetriebs Gewässer beim Regierungspräsidium. Dadurch fällt der Rheinniederungskanal nicht mehr so stark ab, die Strömung wird abgeschwächt und die jungen Wasservögel müssten den Bereich wieder verlassen können: „Wir hoffen, dass wir damit das Problem lösen können“, urteilt Stelzer. Unter Berücksichtigung einzuhaltender Schonfristen sei die Umsetzung für September oder Oktober vorgesehen.

Ein Schild neben dem Einlaufbereich des Bauwerks weist Spaziergänger auf die gefährliche Strömung hin. Foto: Markus Koch

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Ein Schild neben dem Einlaufbereich des Bauwerks weist Spaziergänger auf die gefährliche Strömung hin. Foto: Markus Koch

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Erstellt:
19. Mai 2021, 14:00 Uhr
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