Tödliche Geisterfahrt: Wie konnte das passieren?

Bühl/Achern (BNN) – Der Geisterfahrer-Unfall in der Nacht zum Montag auf der A5 bei Ottersweier war schrecklich. Es gab zwei Tote und sieben überwiegend schwer Verletzte. Wie konnte das passieren?

Bei dem schweren Zusammenstoß auf der A5 sterben zwei Menschen. Foto: Einsatz-Report24/dpa

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Bei dem schweren Zusammenstoß auf der A5 sterben zwei Menschen. Foto: Einsatz-Report24/dpa

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Autofahrer auf diesem viel befahrenen Streckenabschnitt gegen den Verkehrsstrom fährt. Das wirft Fragen auf. „Wir untersuchen den aktuellen Unfallvorhergang momentan genau“, erklärt eine Sprecherin der Polizeidirektion Offenburg. Abschließende Erkenntnisse gibt es deshalb noch nicht.

Die Frage nach dem Warum bei solchen katastrophalen Unfällen birgt viele Facetten: Gibt es an den Anschlussstellen zur Autobahn Sicherheitslücken? Nach den dramatischen Ereignissen in Lahr, als im November 2012 sechs Menschen durch einen Falschfahrer starben, ist im gesamten Südwesten die Sicherheit der Anschlussstellen überprüft worden. Einige wurden mit auffallenden Stop-Hinweis-Schildern mit einer großen Hand und großen Pfeilen auf der Fahrbahn ausgestattet.

Die zentrale Frage ist: Wo fuhr das Auto in der Nacht zum Montag auf die A5 auf? Oder wendete der Fahrer, obwohl er in die richtige Richtung fuhr? Grundsätzlich liegt eine falsche Auffahrt an der Anschlussstelle Achern nahe. Dort ist es aber sehr schwer, aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen überhaupt falsch abzubiegen. Es steht also die weitere Frage im Raum, ob der Autofahrer auf der dreispurigen Autobahn etwa in Suizid-Absichten gewendet oder falsch aus einem Parkplatz herausgefahren ist.

Geschehnisse werden akribisch rekonstruiert

Bei der Polizei liegen diesbezüglich am Tag eins nach dem Geisterfahrer-Unfall noch keine abschließenden Erkenntnisse vor. „Wir können uns zu den Geschehnissen zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich noch nicht äußern, weil die Ermittlungen gerade erst begonnen haben“, stellt die Polizei-Sprecherin fest. Auch ob Alkohol oder sonstige Rauschmittel im Spiel waren, ist zum momentanen Stand der Untersuchungen noch nicht klar. Nun versucht die Polizei, die Geschehnisse in der Nacht zu Montag akribisch zu rekonstruieren. Dabei werden die Personalien aller neun am Unfall beteiligten Männer festgestellt.

Unmittelbar nach der frontalen Kollision befreiten die angerückten Rettungskräfte den später verstorbenen Unfallverursacher aus seinem Auto sowie zwei eingeklemmte Mitfahrer aus einem Kleinbus. Es wird geprüft, ob der tödlich verletzte Mitfahrer des Kleinbusses möglicherweise nicht angeschnallt war.

Die Verletzten wurden in der Nacht in die Krankenhäuser nach Baden-Baden, Achern, Lahr, Rastatt und Karlsruhe gebracht. Der Unfallverursacher erlag seinen schweren Verletzungen kurze Zeit nach dem Zusammenstoß in der Offenburger Klinik.

Sachverständiger unterstützt Ermittler

Die Helfer fanden ein weitläufiges Trümmerfeld vor. Wegen der vielen Rettungskräfte war die Fahrbahn Richtung Süden für die Bergung der Fahrzeuge, Reinigung und detaillierte Unfallaufnahme für rund sieben Stunden voll gesperrt. Der Sachschaden liegt nach vorläufigen Schätzungen bei rund 50.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden hat einen Sachverständigen beauftragt, die Rekonstruktion des Unfallgeschehens zu unterstützen.

Der ADAC rät Autofahrern in der Nähe von Falschfahrern, langsam zu fahren und die Warnblinkanlage einzuschalten. Außerdem rät der Automobilclub: „Auf dem äußeren rechten Streifen fahren und nicht überholen.“ Wer selbst bemerkt, dass er in falscher Fahrtrichtung unterwegs ist, solle sein Licht und seine Warnblinkanlage anschalten, den Fahrbahnrand ansteuern und die Polizei anrufen.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Andreas Bühler

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Erstellt:
8. März 2022, 08:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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