Toni Huber: Ein Nachruf

Rastatt (fk/dm/uj) – Zum Tod von Landrat Toni Huber: Ein Blick auf ein Leben in der Politik.

Kompetent, vertrauensvoll, verlässlich, bodenständig: Toni Huber genoss unter seinen Weggefährten einen hervorragenden Ruf. Foto: Frank Vetter/Archiv

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Kompetent, vertrauensvoll, verlässlich, bodenständig: Toni Huber genoss unter seinen Weggefährten einen hervorragenden Ruf. Foto: Frank Vetter/Archiv

Wenn ein Menschenleben zu Ende geht, fällt oft die Frage: Was bleibt? Besonders bei Politikern. Was bleibt aus den Jahrzehnten der Arbeit, der Absprachen, Entscheidungen und ja, Diskussionen und politischen Grabenkämpfen. Was bleibt? Die vielleicht größtmögliche Anerkennung ist, wenn die Antwort auf diese Frage menschelt, sich nicht auf politische Errungenschaften und Gegebenheiten versteift. Und so hätte es sicherlich auch Toni Huber als Zeichen der Ehrerbietung empfunden, mit welch großer Trauer und auf welch menschlicher Ebene seine politischen und beruflichen Weggefährten auf den mit 56 Jahren viel zu frühen Tod des Rastatter Landrats reagieren.

Ein Mensch, der sich selbst nie so wichtig genommen hat


Er war ein Mann, den viele Zeitgenossen als bodenständig charakterisieren, als Menschen, der sich selbst nie so wichtig genommen habe. „Ein Kommunaler vom Scheitel bis zur Sohle“ sei er gewesen, sagt sein Vorgänger als Landrat und langjähriger politischer Freund, Jürgen Bäuerle. Kompetent, vertrauensvoll, verlässlich. „Ein Mensch mit einem guten Herz und einer sozialen Ader“, ergänzt Gisela Merklinger. Als ehemalige Landkreis-Pressechefin und Landratsreferentin kann sie auf viele gemeinsame Jahre mit Huber – schon vor dessen Zeit als Landrat – zurückblicken. Sie hat den Anfang seiner Amtszeit als direkte Mitarbeiterin erlebt. Er habe stets viel Energie gezeigt und auch Mut bei schwierigen Entscheidungen, so Merklinger. Ein immenses Wissen über alle Vorgänge und die richtige Spielweise im politischen Tagesgeschäft habe ebenso zu seinen Stärken gehört.

Viel Erfahrung

Er habe seinerzeit nicht einmal eine große Einarbeitungsphase als Landrat benötigt, habe sofort losgelegt. Erfahrung hatte Huber schließlich genug. Seit 1993 war der studierte Verwaltungswirt Bürgermeister von Weisenbach gewesen, saß seit 1994 im Kreistag und war ab 2005 Fraktionsvorsitzender der Kreis-CDU, ehe er im März 2019 zum Landrat gewählt wurde. Für Huber war mit dieser Wahl ein „Traum in Erfüllung gegangen“, wie der damalige erste stellvertretende Kreistagsvorsitzende Hans Striebel bei dessen Vereidigung im Mai 2019 feststellte. Huber, der auch im Kreistag schon immer das konstruktive Ringen um die beste Lösung genoss, wie er betonte, war angekommen. Mit seiner „Politik des fairen Interessenausgleichs“, die er versprach, schien er genau der Richtige zu sein für den Job, den Landkreis weiter voranzubringen. Wichtige strukturelle Weichenstellungen sah er beim Amtsantritt bereits getroffen, doch ebenso sah er die großen Aufgaben, die noch bevorstanden beziehungsweise bevorstehen. Der Ausbau der Breitbandversorgung, die Digitalisierung, die Weiterentwicklung der Schulen, die Herausforderungen einer klimaschonenden und funktionierenden Mobilität und die Weiterentwicklung des Klinikums waren stets unter den Top-Themen, die er benannte. Als „verlässlicher Partner“ sah er sich selbst – und so sahen ihn auch andere, als „Möglichmacher“ hätte er sich zudem weiter gerne gesehen. Doch: Seine Visionen auch umsetzen zu können, dafür war seine Zeit im Amt nun zu kurz.

Zukunftsprogramm Landkreis 2030 in Gang gebracht

Akzente sind gesetzt – so ist zum Beispiel die Klinikentscheidung gefallen –, und das Zukunftsprogramm Landkreis 2030 ist in Gang gebracht, das mit größeren strukturellen Veränderungen die Zukunftsfähigkeit sichern soll. „Ehrgeizige Ziele“ stecken, Kommune, Verbände und Bürger einbeziehen, so die Marschroute. Für diesen Sommer wäre eigentlich ein erster Entwurf erwartet worden. Es muss nun unter anderer Führung vollendet werden – es wäre das politische Erbe seiner Zeit als Landrat, von der Huber nur rund 15 Monate gesund erleben durfte.

Was bleibt, ist die Erinnerung

Das, was bleibt, ist aber freilich viel mehr. Was bleibt, ist auch die Erinnerung an den Politiker, der mit viel Geschick Sitzungen leitete und Absprachen traf, aber auch eine klare Meinung hatte, die er vertrat. Was bleibt, ist die schon erwähnte Klinikfusion. Für sie hatte sich Huber immer vehement eingesetzt, hatte sie angestoßen und noch aus dem Krankenbett maßgeblich vorangetrieben und zusammen mit dem Kreistag schließlich unter Dach und Fach gebracht. Den Erfolg dieses Projekts wird er nun nicht mehr zu Gesicht bekommen, es wird aber für immer mit seiner Politik, mit Landrat Toni Huber verbunden bleiben.

Gleiches gilt für die Zeit vor seiner Wahl zum Landrat. In Weisenbach habe er viel bewerkstelligt, sagen Zeitgenossen wie Walter Wörner, der einer der engsten Mitarbeiter und langjähriger Wegbegleiter von Toni Huber in dessen Amtszeit als Bürgermeister war. Wörner zeigte sich am Montag traurig und bestürzt über den plötzlichen Tod von Huber. Er sei für ihn immer „ein kompetenter und menschlicher Chef“ gewesen. „Toni Huber ist viel zu jung gestorben.“

„Der Kämpfer“ (Merklinger) hat letztlich den Kampf verloren – diverse gesundheitliche Komplikationen nach einer OP im vergangenen Sommer und einer weiteren OP im März haben seinen Körper zu viel Kraft gekostet. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen menschlichen, kompetenten und bodenständigen Menschen und Politiker, an „einen Kommunalen vom Scheitel bis zur Sohle“.

Zum Thema: Beisetzung in Forst, neue Wahl erforderlich

Rastatt (fk) – Nach dem Tod von Landrat Toni Huber führt bis auf Weiteres der Erste Landesbeamte Jörg Peter die Amtsgeschäfte weiter. Den Vorsitz des Kreistages übernimmt Hubers erster Stellvertreter Hartwig Rihm, ehemaliger Bürgermeister von Au am Rhein. Das teilte das Rastatter Landratsamt am Montag auf BT-Nachfrage mit. Morgen stehe darüber hinaus eine Sitzung mit den Fraktionsvorsitzenden an, bei der der weitere Zeitplan besprochen werden soll. Für die Nachfolge Hubers ist eine erneute Wahl durch den Kreistag samt Bewerbungen und entsprechender Fristen vonnöten.
Im Landratsamt selbst und auch im politischen Umfeld reagierten viele am Montag immer noch geschockt und betroffen. Für viele kam die Todesnachricht völlig überraschend – über Hubers Gesundheitszustand war in der Vergangenheit kaum etwas nach außen gedrungen. Viele in Mittelbaden hatten auf eine baldige Genesung des Rastatter Kreischefs gehofft. Auch in den Reihen der baden-württembergischen CDU war die Trauer groß: „Die Nachricht vom Tod von Toni Huber bestürzt uns. Viel zu früh ist er nach langer Krankheit von uns gegangen. Er war ein leidenschaftlicher Kommunaler, der noch viel für seinen Landkreis vorhatte. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten. Unser tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen“, so der Landesvorsitzende der CDU Baden-Württemberg, Minister Thomas Strobl. Als Zeichen der Anteilnahme hat die Stadt Rastatt am Montag Trauerbeflaggung an den öffentlichen Gebäuden veranlasst. Der gebürtige Karlsruher Huber wird nach Auskunft des Landratsamtes in Forst beigesetzt – die Trauerfeier ist für den 10. Juni, 14 Uhr angesetzt.


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