Toni streift mit Sender durch das Murgtal

Murgtal (stj) – Als „kleine Sensation“ bezeichnen Fachleute das Auftauchen eines Luchses im Murgtal. Im April 2020 gelingt es, das seltene Tier einzufangen und mit einem Sender auszustatten.

Nachtschicht in der Tierklinik: Charlotte Willuhn legt dem betäubten Luchs einen Venenzugang. Foto: Sabine Zoller/Archiv

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Nachtschicht in der Tierklinik: Charlotte Willuhn legt dem betäubten Luchs einen Venenzugang. Foto: Sabine Zoller/Archiv

Ein in freier Wildbahn lebender Luchs kann gefangen, mit einem Halsbandsender ausgestattet und wieder laufen gelassen werden. Das Tier bekommt den Namen „Toni“. Er ist ein alter Bekannter für die Jäger, Wildtierbeauftragten und die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg: Schon seit Oktober 2019 gibt es Nachweise auf ihn in der Region. Wissenschaftlich wird er mit der Bezeichnung B3001 versehen. Nach Angaben des Ministeriums wird das Halsband nun bis zu zwei Jahre über den Aufenthaltsort von „Toni“ informieren. Aus den Daten können Fachleute Details zu Lebensraumansprüchen, dem Wanderverhalten und über das Beutespektrum des Tieres ableiten.

Der letzte Luchs wurde 1770 auf dem Kaltenbronn geschossen

Der letzte Luchs wurde 1770 auf dem Kaltenbronn geschossen. Heimisch wurden die Tiere seitdem nie mehr – obwohl Dr. Micha Herdtfelder, der Luchs- und Wolf-Experte von der FVA in Freiburg, den Schwarzwald als ein „sehr gutes Siedlungsgebiet“ für die Wildkatze ansieht. „Es gibt aber nur vereinzelte Männchen, die zuwandern und in der Regel nach ein bis zwei Jahren wieder verschwinden, da sie keine weiblichen Tiere antreffen“, erläutert Herdtfelder. Die Männchen ziehen daher immer weiter.

Für Gaggenauer Tierklinik „wie ein Sechser im Lotto“

Wie über einen Sechser im Lotto freut sich Tierärztin Charlotte Willuhn im September, als sie „Toni“ in ihrer Tierklinik am Scheibenberg in Hörden untersuchen kann. Das Erlebnis mit dem Luchs berührt die Akademikerin, die sich auf Klein- und Heimtiere spezialisiert hat, um in Zukunft die Klinik am Scheibenberg zu übernehmen. Als der am Tier angebrachte Transponder eine Überholung benötigt, begleitet Willuhn die nächtliche Aktion im Wald zur medizinischen Versorgung des jungen Kuders (so die offizielle Bezeichnung eines männlichen Luchses). Um den Transport für das Tier so stressfrei wie möglich zu gestalten, wird der Luchs zunächst vor Ort mit einem Beruhigungsmittel betäubt und dann in die Klinik gebracht.

Der komplette Jahresrückblick ist in der Silvesterausgabe sowie im E-Paper erschienen

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Erstellt:
31. Dezember 2020, 19:30 Uhr
Lesedauer:
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