Tourismus: Gästezahlen im Südwesten brechen ein

Stuttgart (ela) – Die Corona-Pandemie hat dem Tourismusgewerbe in Baden-Württemberg einen heftigen Einbruch beschert: 2020 wurde rund ein Drittel weniger Übernachtungen gezählt.

Das Schwarzwald-Projekt „Dorfurlaub“ soll auf ganz Baden-Württemberg erweitert werden. Foto: TMBW/Oliver Raatz

© TMBW/Oliver Raatz

Das Schwarzwald-Projekt „Dorfurlaub“ soll auf ganz Baden-Württemberg erweitert werden. Foto: TMBW/Oliver Raatz

Trotz der derzeit schwierigen Situation – der Schwarzwald als Tourismusdestination wird letztlich als Gewinner aus der Corona-Pandemie kommen, ist Hansjörg Mair, Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG), überzeugt.

Der Schwarzwald sei eine starke Marke, Natur sowie Erlebnisse in vertrauter Umgebung immer gefragt. Er forderte auf der Reisemesse „CMTdigital2021“ von der Politik aber auch „mehr Klarheit“ für die Betriebe. „Deutschland war für mich immer ein Ausdruck für Qualität. Dann passieren Dinge, die nicht in unserem Ermessen liegen,“ erklärte der gebürtige Südtiroler und kritisierte die Umsetzung der Novemberhilfen, der Corona-App und des Impfprogramms. „Gerade das Impfen ist ein psychischer Anker für Reisende“.

Die aktuelle Hochrechnung weist für den Schwarzwald im vergangenen Jahr 4,9 Millionen Ankünfte aus, rund 45 Prozent weniger als 2019. Die Zahl der Übernachtungen sank um 36,5 Prozent auf 14,47 Millionen. „Bis Corona kam, waren wir jedes Jahr Rekorde gewohnt. Es ist eine katastrophale Situation“, erklärte Mair und hofft, dass „so viele Betriebe wie möglich mit Hilfen überleben“.

37,8 Prozent weniger Übernachtungen

Für Baden-Württemberg geben die aktuellen Zahlen der amtlichen Statistik für den Zeitraum Januar bis November 2020 knapp 11,7 Millionen Ankünfte (minus 46,1 Prozent) und rund 33,3 Millionen Übernachtungen (minus 37,8 Prozent) an. Das gab die Tourismus Marketing GmbH des Landes am Dienstag bekannt. Bis einschließlich November gab es 32,4 Prozent Inlandsübernachtungen weniger. Bei den Übernachtungen aus dem Ausland beträgt das Minus im selben Zeitraum 57,9 Prozent. Um rund die Hälfte gingen die Übernachtungen bei den wichtigsten europäischen Quellmärkten zurück.

Nach der „Reiseanalyse 2021“ der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen haben die Menschen die Lust aufs Reisen nicht verloren, es gibt aber viel Unsicherheit und Bedenken. Ein klares Ziel und feste Reiseabsichten haben nur 22 Prozent, 46 Prozent wollen die weitere Entwicklung abwarten und kurzfristig buchen. Besonders wichtig sind den Kunden eine Geld-zurück-Garantie und großzügige Stornogebühren der Veranstalter. Nach der Analyse bleibt Deutschland Reiseland Nummer eins.

„Kuck-Kuck-Kampagne“ im Schwarzwald

Im Schwarzwald will man sich laut Mair sich nun mit einer Erweiterung der erfolgreichen „Kuck-Kuck-Kampagne“ gegen die Folgen des anhaltenden zweiten Lockdowns stemmen und neue Gästegruppen noch intensiver umwerben. Dies werde vom Land mit zusätzlichen 300.000 Euro gefördert.

Zudem wurde die „Schwarzwald Card“ um eine „Schwarzwald Card 365“ erweitert. Von ihren Angeboten können laut Mair auch Einheimische profitieren. Darüber hinaus gibt es einen neuen „Schwarzwald-Gutschein“, der bei mehr als 40 Partnern einlösbar und online zu erwerben ist. Und die Konuskarte für den Nahverkehr in rund 150 Schwarzwald-Kommunen wird es künftig digital geben. Neu ist die Drei-Welten-Card für die Regionen vom Schwarzwald-Baar-Kreis im Süden über den Landkreis Waldshut grenzübergreifend bis zum Kanton Schaffhausen in der Schweiz.

Camping auf dem Bauernhof

Die STG hält daran fest, auch in diesem Jahr die Kuckuck-Awards auszuloben. Vom 1. Februar bis 31. März kann jeder Genießer in der Finalrunde seinen „Genusshelden“ wählen. Stolz zeigte sich Mair darüber, dass es aktuell gleich drei Schwarzwälder Wanderwege in die Finalrunde der Publikumswahl des „Wandermagazins“ geschafft haben: Die „Murgleiter“, der Albtal-Track“ und der „Schwarzwälder Genießerpfad Alde Gott“ in Sasbachwalden. Auch das Projekt „Dorfurlaub Schwarzwald“ ist laut Mair ein Erfolgsmodell. Es soll nun für ganz Baden-Württemberg weiterentwickelt werden. „Camping auf dem Bauernhof“ ist nach Ansicht von Thomas Schröder, Inhaber der Firma Schröder Stellplatzplanung, ein zukunftsträchtiges Thema für Baden-Württemberg. Es verknüpfe die beliebten Themen Camping und Landurlaub, erklärte er am Dienstag beim „Stellplatzgipfel“ auf der CMT.

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Erstellt:
26. Januar 2021, 18:00 Uhr
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