Tourismus hofft auf zarten Aufschwung

Baden-Baden/Freiburg (tas) – Die Corona-Pandemie hat das Geschäft von Hotels, Pensionen und Campingplätzen im Schwarzwald verdorben. Ein guter Herbst könnte das Schlimmste noch verhindern.

Schwarzwaldblick: Die Beherbergungsbetriebe in der Region freuen sich über jeden zusätzlichen Gast. Foto: Patrick Seeger/dpa

© picture alliance / Patrick Seeger/dpa

Schwarzwaldblick: Die Beherbergungsbetriebe in der Region freuen sich über jeden zusätzlichen Gast. Foto: Patrick Seeger/dpa

Die Ziele sind bescheidener geworden. Viele Jahre erlebte die Ferienregion Schwarzwald einen anhaltenden Aufschwung. Wandern ist wieder modern, und auch junge Menschen nutzen die Region für ihre Freizeitaktivitäten. Doch dann kam Corona – und mit der Pandemie ein nie da gewesener Einbruch.

„Ich hoffe, dass wir bei den Übernachtungen das Ergebnis des letzten Jahres etwas überschreiten können“, sagt der Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus GmbH in Freiburg, Hansjörg Mair, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Etwas überschreiten“ bedeutet beispielsweise für den Landkreis Rastatt: die 2020er-Zahl von etwa 316.000 Übernachtungen in den Beherbergungsbetrieben zu überbieten. Zum Vergleich: 2019 zählte der Kreis mehr als 600.000 Übernachtungen, ein Jahr zuvor fast 615.000. Bis Ende Juni 2021 stehen zwar erst 91.000 Übernachtungen zu Buche, die klassischen Sommermonate Juli und August dürften jedoch gut gelaufen sein.

Das Jahresziel scheint also erreichbar, dafür benötigen die Betreiber von Hotels, Pensionen und Campingplätzen allerdings noch die Hilfe von oben. „Wir hoffen auf einen guten September und einen guten Oktober“, sagt Mair. „Wenn wir gutes Wetter haben, dann kann man sicher einiges an Ausfällen gutmachen.“ Was ihn zuversichtlich macht: „Mehr Menschen verbringen ihren Haupturlaub im Schwarzwald. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer geht nach oben. Das sind sehr positive Tendenzen.“

Im Stadtkreis Baden-Baden dürfte das schwieriger werden. Die Kurstadt profitiert traditionell von den vielen Veranstaltungen, die sich in „normalen“ Zeiten über das ganze Jahr hinweg verteilen. Doch im Vergleich zum klassischen Tourismus ist das Tagungs- und Veranstaltungswesen derzeit nur mit angezogener Handbremse unterwegs. 2019 verzeichnete Baden-Baden mit mehr als 1,014 Millionen Übernachtungen ein Rekordergebnis, das sich im Folgejahr annähernd halbierte. Bis Ende Juni 2021 waren es rund 130.000 Übernachtungen.

Positionspapier für die Politik


Corona hatte dem boomenden Schwarzwald-Tourismus im vergangenen Jahr insgesamt einen herben Nackenschlag verpasst, der sich mit einem harten Lockdown bis ins Frühjahr 2021 hinein auf die Gästezahlen auswirkte. Laut dem Statistischen Landesamt gab es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fast 31 Prozent weniger Übernachtungen im Nördlichen Schwarzwald, zu dem auch das mittelbadische Gebiet zählt. Damit liegt die Region in etwa auf Landesschnitt. In der Bodenseeregion dagegen war das Minus nur etwa halb so groß.

Wann der Tourismus in altbekannte Höhenlagen zurückkehrt, ist ungewiss. Denn die vierte Corona-Welle steht vor der Tür und bringt weitere Einschränkungen mit sich. „Klar ist: Es wird noch eine Weile dauern, bis die Tourismusbranche an das Vorkrisenniveau anknüpfen kann“, sagt Patrick Rapp, der Staatssekretär im baden-württembergischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus. Mittelfristig müsse sich der Tourismus im Südwesten in fast allen Bereichen auf veränderte Nachfragestrukturen einstellen und Betriebskonzepte entsprechend anpassen.

Was das kommende Winter-Geschäft anbelangt, sagte Tourismus-Manager Mair der dpa: Es komme nun darauf an, „dass es nicht wieder zu einem Winter-Lockdown kommt wie im vergangenen Jahr. Wir arbeiten an einem Positionspapier, das wir der Politik im Herbst zur Verfügung stellen wollen.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.