Tourismus in Baden-Baden eingebrochen

Baden-Baden (sre) – Um den Einbruch bei der touristischen Entwicklung in Baden-Baden ging es am Dienstag bei einem Pressegespräch. Tourismus-Chefin Nora Waggershauser stellte die Zahlen für 2020 vor.

Touristenmassen vor der Trinkhalle: Solche Szenen konnte man 2020 nicht mehr beobachten. Foto: Monika Zeindler-Efler/Archiv

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Touristenmassen vor der Trinkhalle: Solche Szenen konnte man 2020 nicht mehr beobachten. Foto: Monika Zeindler-Efler/Archiv

Die Folgen des Corona-Jahrs für die touristische Entwicklung in der Kurstadt waren absehbar, nun ist es auch statistisch belegt: Die Übernachtungszahlen in Baden-Baden sind 2020 um gut die Hälfte eingebrochen. Insbesondere bei den ausländischen Gästen war der Rückgang dramatisch. Und laut Tourismus-Chefin Nora Waggershauser dürfte es Jahre dauern, bis wieder ein Niveau wie vor der Krise erreicht werden kann.

Die Zahlen seien „weltweit katastrophal“, betonte Waggershauser bei der Vorstellung der Gästestatistik. Der Tourismus sei international um 72 Prozent eingebrochen und liege nun auf dem Niveau von 1989. Baden-Baden füge sich in dieses Bild ein: Während im Rekordjahr 2019 in den kurstädtischen Beherbergungsbetrieben stolze 1.146.836 Übernachtungen gezählt wurden, waren es 2020 noch 563.013. Das entspricht einem Minus 50,9 Prozent.

Dabei hätte 2020 „ein gutes Jahr werden können“, berichtete die Tourismuschefin weiter. Im Januar und Februar seien die Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund zwölf Prozent gestiegen. Doch dann kam der Lockdown. „Unser tiefstes Tief war im April“, so Waggershauser: 96,8 Prozent weniger Gäste seien in diesem Monat im Vergleich zu 2019 gekommen. Die wenigen Verbliebenen seien auf die Aufenthalte in Kurkliniken und vereinzelte Geschäftsreisen zurückzuführen. Dass Baden-Baden als Gesundheitsstandort so wichtig sei, habe sich insgesamt positiv ausgewirkt: Die Übernachtungszahlen im Klinikbereich, die in der Statistik stets mit eingerechnet werden, seien 2020 nur um 17 Prozent gesunken.

Erholungsphase im Sommer

Mit den Lockerungen zum Sommer habe es eine leichte Erholungsphase gegeben: In der Haupturlaubszeit gingen die Übernachtungen mit Minus 37,2 Prozent im Juli und Minus 29 Prozent im August moderater zurück. Mit dem zweiten Lockdown brachen die Zahlen aber erneut ein, bis hin zu einem dramatischen Bild im Dezember, wo nur 18.000 Übernachtungen gezählt wurden: Das sind 100.000 weniger als 2019.

Insgesamt fiel das Minus bei inländischen Gästen geringer aus als bei ausländischen: Knapp 463.500 Übernachtungen steuerten Besucher aus dem Bundesgebiet bei, das sind 36,9 Prozent weniger als 2019. Im August gab es sogar ein leichtes Plus: In diesem Monat schliefen 2,3 Prozent mehr Gäste aus dem Inland in der Stadt als im Vorjahr. Auch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer deutscher Touristen stieg: 2020 waren es im Schnitt knapp 3,1 Tage (2019: 2,4 Tage).

Dagegen sank der Anteil an ausländischen Gästen um 75,9 Prozent. 99.520 Übernachtungen gingen auf ihr Konto. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es noch 412.170 Übernachtungen. Einige besonders drastische Beispiele zählte Waggershauser auf. So stellten Gäste aus Russland 2019 mit rund 49.000 Übernachtungen die größte Gruppe aus dem Ausland. 2020 waren es nur 9.200 Übernachtungen. Fast komplett fern blieben Besucher aus den Arabischen Golfstaaten: Die ehemals zweitwichtigste Gästegruppe fiel von knapp 46.000 auf nicht einmal 700 Übernachtungen. Und bei Urlaubern aus den USA bleiben von 27.800 Übernachtungen noch 2.500 übrig.

Weit entfernte Märkte fallen weg

„Je weiter weg die Märkte, desto größer die Einbrüche“, erklärte Waggershauser. Die wenigsten Rückgänge (minus 14,4 Prozent) verzeichneten 2020 die Niederlande, die mit 15.380 Übernachtungen nun die größte Gruppe aus dem Ausland stellen. Es folgen Frankreich mit 14.100 Übernachtungen (minus 65,7 Prozent) und die Schweiz mit 10.000 (minus 69,9 Prozent).

Und die Krise ist längst nicht ausgestanden. 2021 könne ein „ähnlich schwieriges Jahr“ werden wie 2020, prognostizierte die Tourismus-Chefin. Mittlerweile sei ja nicht einmal mehr sicher, ob man an Ostern wieder Gäste begrüßen dürfe.

Zumindest im Sommer hoffe man aber darauf, einige Veranstaltungen Open Air anbieten zu können. Außerdem sei eine Tendenz hin zu ganzheitlicher Gesundheit und naturnahem Genuss festzustellen. Die Menschen wollten sich etwas Gutes tun. Diese Trends könne Baden-Baden sehr gut bedienen. Daran werde sich auch die Kampagne zum Neustart orientieren. Laut einer Studie der Deutschen Zentrale für Tourismus werde es aber bis Ende 2024 dauern, bis die Zahlen von 2019 wieder erreicht werden können. Dieser Zeithorizont sei auch für Baden-Baden realistisch.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
16. Februar 2021, 19:03 Uhr
Lesedauer:
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