Tourismus in Bühl leidet unter Pandemie

Bühl/Bühlertal (sre) – Die Gästestatistik für die Ferienregion Bühl/Bühlertal ist vorgestellt worden. Dabei zeigen sich die Auswirkungen der Pandemie: Die Übernachtungszahlen sind eingebrochen.

Schöne Ausflugsziele wie den Wiedenfelsen gibt es bereits, ein Wanderkonzept für die Region soll folgen. Foto: Sarah Reith

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Schöne Ausflugsziele wie den Wiedenfelsen gibt es bereits, ein Wanderkonzept für die Region soll folgen. Foto: Sarah Reith

Schon 2019 war kein gutes Jahr für den Tourismus in der Ferienregion Bühl/Bühlertal. Dann kam die Pandemie – und alles wurde noch sehr viel schlimmer. Wenig Positives ist denn auch der Gäste- und Übernachtungsstatistik für das Jahr 2020 zu entnehmen. Dennoch gibt man in der Region nicht auf – und will neue Schwerpunkte setzen.

Um fast 50 Prozent sind die Übernachtungszahlen 2020 eingebrochen: Waren es 2019 noch fast 184.000 Übernachtungen in der gesamten Region, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf knapp 95.000. Dabei war schon 2019 ein spürbares Minus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet worden.

Damit steht die Region nun noch schlechter da als der Landesschnitt: In Baden-Württemberg sind die Übernachtungen im Pandemie-Jahr 2020 um 40,2 Prozent zurückgegangen, im Schwarzwald wurde ein Minus von 37 Prozent festgestellt. „Spürbar negativ“ wirke sich für die Region Bühl/Bühlertal der deutlich höhere Anteil der beruflich bedingten Übernachtungen aus, erläutert Tino Rettig, Leiter der Tourist-Info Bühl und Bühlertal. Genau werde dies statistisch nicht erfasst, aber grob geschätzt seien in Bühlertal gut 50 Prozent der Übernachtungen geschäftsbedingt, in Bühl entfielen sogar mehr als zwei Drittel der Übernachtungen auf Geschäftsleute. Und gerade dieser Bereich fiel im vergangenen Jahr zu einem großen Teil weg – während man bei den Urlaubsreisen zumindest im Sommer und Herbst ein wenig von dem Trend profitieren konnte, dass mehr Deutsche im eigenen Land Ferien machten als sonst.

Viele Gäste aus Baden-Württemberg

Die meisten Gäste der Region stammen nach wie vor aus Baden-Württemberg, aus den benachbarten Bundesländern Rheinland-Pfalz und Hessen sowie aus dem Saarland. „Mit der Zunahme der Entfernung nimmt die Anzahl der Gäste ab, dafür die durchschnittliche Aufenthaltsdauer zu“, fasst Rettig zusammen.

Aufgrund der Pandemie ist der Anteil internationaler Gäste im vergangenen Jahr dagegen deutlich zurückgegangen: Auf Besucher aus dem Ausland entfielen 2020 nur noch 13,3 Prozent der Übernachtungen – 2019 waren es immerhin 20,5 Prozent gewesen. „Die meisten ausländischen Übernachtungen waren aus den Niederlanden, der Schweiz, Ungarn, Frankreich und Russland zu verzeichnen“, führt Rettig aus. Mit Ausnahme von Russland, das China abgelöst hat, seien damit die gleichen Herkunftsländer wie in den Jahren zuvor auf den ersten fünf Positionen zu finden.

Insgesamt standen in der Ferienregion im vergangenen Jahr rund 2.100 Betten zur Verfügung. Positiv für die gesamte Ferienregion ist ein Trend hin zu längeren Aufenthalten: Im Schnitt blieben Besucher nun immerhin 2,8 Tage (2019: 2,5 Tage). Die längere Verweildauer ist allerdings auf Zuwächse im Bereich Bühl zurückzuführen: In Bühlertal (auf den Ort entfallen knapp 14.000 der rund 95.000 Übernachtungen) verkürzte sich die Aufenthaltsdauer im Schnitt sogar leicht von 2,9 auf 2,7 Tage. Rettig führt auch die kürzere Verweildauer in Bühlertal auf den Bereich Geschäftsreisen zurück: Normalerweise gebe es viele Trainee-Übernachtungen, Mitarbeiter großer Unternehmen blieben über Tage oder Wochen vor Ort – das sei coronabedingt weggefallen.

Bemühung um Urlaubsreisende

Dass in der gesamten Region Bühl/Bühlertal seit Jahrzehnten schwerpunktmäßig Geschäftsreisen stattfinden, soll sich nach dem Willen der Akteure aber ändern: Vor diesem Hintergrund sei im vergangenen Jahr auch die Wirtegemeinschaft der Genussgeber in Bühl gegründet worden, erinnert Rettig. Auch Hotels gingen derzeit mit Umbauten in diese Richtung, zum Beispiel mit dem Ausbau von Wellness-Bereichen. „Man hat erkannt, dass man sich etwas unabhängiger machen muss von Geschäftsreisen.“

Auch über die Infrastruktur wolle man mehr Touristen für die Region interessieren: „Wir sind an einem Wanderkonzept dran, werden Radwege ausschildern“, kündigt Rettig an. Die Projekte werde man in absehbarer Zukunft vorstellen. Klar sei aber auch, dass eine solche Neuorientierung nicht von heute auf morgen erfolgen könne: „Das ist ein Prozess, der über längere Zeit gehen wird.“ Zunächst einmal hoffe man aber auf eine Öffnung, oder zumindest eine gewisse Planungssicherheit: „Die Betriebe warten dringend auf eine Perspektive“, betont Rettig. Und auch die Gäste seien verunsichert. Man könne nur hoffen, dass es mit den Impfungen schneller vorangehe als befürchtet, sagt er auch mit Blick auf vorgesehene Veranstaltungen in der Region: „Man hängt mit allem völlig in der Luft.“

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Erstellt:
13. April 2021, 19:00 Uhr
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