Traum vom Dorfladen lebt wieder

Gernsbach (ham) – Der Traum vom Dorfladen in Staufenberg schien geplatzt. Seit September 2019 war von der Initiative nichts mehr zu hören. Jetzt kommt jedoch wieder Fahrt in das Projekt.

Die roten Holzklötze (rechts) standen für je 1.000 Euro, die für den Dorfladen zugesagt wurden. Rund ein Drittel der benötigten 80.000 Euro fehlte jedoch. Das Projekt schien daher vor dem Aus. Foto: Stephan Juch/BT-Archiv

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Die roten Holzklötze (rechts) standen für je 1.000 Euro, die für den Dorfladen zugesagt wurden. Rund ein Drittel der benötigten 80.000 Euro fehlte jedoch. Das Projekt schien daher vor dem Aus. Foto: Stephan Juch/BT-Archiv

Ende September 2019 sah es nicht gut aus für den geplanten Dorfladen in Staufenberg: Während Bürger erstmals in Reichental in ihrem neuen Dorfladen einkaufen konnten, drang aus dem größeren Gernsbacher Stadtteil die Kunde, dass das Projekt auf dem alten Markthallen-Areal vor dem Aus stünde. 20 Monate danach schürt jetzt das Dorfladen-Team um Udo Kathan neue Hoffnung.

„Wir sind dran an mehreren Varianten“, berichtet Kathan, der die Initiative Dorfladen seit rund sechs Jahren leitet. Die überraschende Wende dürfte mit dem Gebäude zusammenhängen, das die Initiative Dorfleben Staufenberg (IDS) für den Laden nutzen möchte. Kathan hält sich zwar wie die Stadtverwaltung bedeckt, um welche Immobilie es sich handelt, sagt aber: „Es geht um ein Bestandsgebäude der Stadt“, will der IDS-Leiter nur verraten und ergänzt, „wir eruieren gerade die Umbaukosten.“

2019 hatte die Dorfladen-Initiative noch einen Neubau auf dem ehemaligen Markthallen-Areal in der Ortsmitte von Staufenberg geplant (das BT berichtete). Bei einem Arbeitsgespräch mit Bürgermeister Julian Christ und Gemeinderäten wurde die unklare Finanzierung des Dorfladens mit Kathan und Nina Haller aus dem Marketing-Team der IDS thematisiert. Zwar hatte die Initiative einen fünfstelligen Betrag aus Staufenberg eingesammelt. Doch die angedachten weiteren zwei Säulen der Finanzierung stürzten in sich zusammen: Ein Zuschuss eines Investors konnte nicht gesichert werden, zudem gab es keine Zusage für einen Leader-Zuschuss.

Dr. Antje Wurz, Regionalmanagerin der Leader-Kulisse Mittelbaden-Schwarzwaldhochstraße, hatte bereits im April 2019 dargelegt, dass die Dorfladen UG einen Leader-Zuschuss nur dann erhalten könne, wenn sie selbst Bauherrin des Dorfladens sei und ihr entsprechende Baukosten auch direkt entstünden. Nun ist die Sachlage eine gänzlich andere, wenn doch ein Bestandsgebäude der Stadt genutzt wird: „Frau Dr. Wurz gewährt uns definitiv einen Leader-Zuschuss“, freut sich Kathan und kündigt an, „den Antrag für einen 40-prozentigen Zuschuss schon im Sommer abzugeben.“ Der Umbau des Geländes ist seiner Meinung nach ebenfalls „förderfähig“.

80.000 Euro für Ladeneinrichtung

Um das einst anvisierte Startkapital von 80.000 Euro scheint es nun auch besser bestellt, wenn Kathan gegenüber dem BT hervorhebt, dass diese Summe für die „Ladeneinrichtung“ verwendet werde. Bei der Sammlung der 80.000 Euro durch Anteilsscheine an dem Dorfladen war der Initiative auf der Zielgeraden die Luft ausgegangen. Zwar kamen rund 150 Interessierte zur Bürgerversammlung in die Staufenberghalle, um mehr über die Vision zu erfahren, einen neuen Mittelpunkt des Dorflebens zu installieren. Doch der Geldfluss stockte beim Erreichen des letzten Drittels der nötigen Summen.

So schien das vorgestellte Modell der „Markthalle Staufenberg“ im neuen Gebäude mit Apothekenservice, einer Poststelle und einem Geldautomaten ein Traum zu bleiben. Die Vision hatte auch die Entstehung von sechs Arbeitsplätzen vorgesehen und sollte mit einem vielfältigen Kulturangebot die Attraktivität des Dorfzentrums steigern.

Dass sich der Traum der Staufenberger nun doch erfüllt mit einer Einkaufsmöglichkeit im Ort, dafür engagiert sich aktuell ein 22-köpfiges ehrenamtliches Team, berichtet Kathan. Die Führungscrew besteht neben ihm aus einem Trio mit Nina Haller und Florian Dernbach, der für die Finanzen zuständig ist; mit im Boot ist außerdem weiterhin Volker Hahn. Der geschäftsführende Gesellschafter des Instituts für Nahversorgung-Services aus dem fränkischen Seßlach hatte in Reichental dafür gesorgt, dass der Dorfgenossenschaftsladen erfolgreich anlief. Dem Beispiel aus dem kleineren Stadtteil wollen die Staufenberger nun endlich folgen.


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