Mittelbaden: Der Trend geht zum Zentralklinikum

Rastatt (fk) – Gremientagungen, Bürgerveranstaltungen im November, Kreistags- und Stadtratsentscheid im Dezember: So liest sich der Fahrplan auf dem Weg zum zentralen Großklinikum in Mittelbaden.

Soll wie alle anderen Krankenhäuser in Mittelbaden durch einen zentralen Bau ersetzt werden: Die Klinik in Balg.  Foto: Florian Krekel

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Soll wie alle anderen Krankenhäuser in Mittelbaden durch einen zentralen Bau ersetzt werden: Die Klinik in Balg. Foto: Florian Krekel

Noch in diesem Jahr sollte die Entscheidung fallen, ob ein Zentralklinikum in Mittelbaden gebaut wird, oder nicht. Ob daraus etwas wird, ist auch angesichts der längerfristigen Erkrankung vom Rastatter Landrat Toni Huber noch nicht ganz ausgemacht. Die Gremien arbeiteten im Hintergrund jedenfalls weiter, sowohl der Baden-Badener Stadtrat als auch der Rastatter Kreistag haben das Thema noch im Dezember auf der Agenda. Im November sind Bürgerinformationsveranstaltungen geplant.

Am 22. Dezember will sich der Rastatter Kreistag ausschließlich mit dem Thema Zentralklinikum befassen. „Dann muss man sehen, ob eine Entscheidung getroffen wird“, sagt Landkreispressesprecher Michael Janke. Für den Baden-Badener Stadtrat geht Oberbürgermeisterin Margret Mergen fest von einer Entscheidungsfindung im Dezember aus.

Infoveranstaltungen im November

Die Notwendigkeit für den Bau, da sind sich die Verantwortlichen von Klinikum sowie Land- und Stadtkreis Baden-Baden einig, bleibt. Ein Strukturgutachten der Aktiva Beratung im Gesundheitswesen GmbH mit Sitz in Köln hatte Anfang Juli entsprechendes vorgeschlagen. Es soll Mergen zufolge im kommenden Monat an allen aktuellen KMB-Standorten den Bürgern vorgestellt werden, um mit ihnen in den Dialog zu treten.
Erst vorvergangene Woche hatte der zu Beginn des Monats aus dem Amt geschiedene Klinik-Geschäftsführer Jürgen Jung gegenüber dem BT zentrale Beweggründe genannt: Allein 2019 hätte es 1.500 Verlegungen von Patienten innerhalb des Klinikums Mittelbaden (KMB) gegeben, weil die medizinische Expertise am jeweiligen Standort nicht vorhanden war. „So etwas ist nicht sinnvoll und das kann heute auch keiner mehr wollen“, so Jung. Ein Kulminieren des Wissens, ein Haus, in dem alle Abteilungen und alle Spezialisten rund um die Uhr vertreten seien, erhöhe die Behandlungsgeschwindigkeit deutlich.

Das sei für eine erfolgreiche Genesung das Wesentlichste und gleiche auch die möglicherweise etwas längere Anfahrt zu einem zentralen Standort aus. „Solange man das Klinikum in 30 Minuten erreicht, ist alles gut“, sagt Jung.

Damit steht er weder regional noch landesweit alleine da. In Baden-Württemberg sind nach Auskunft des Sozialministeriums in den vergangenen zehn Jahren 30 Krankenhäuser geschlossen worden. Von ehemals 236 (2011) gab es zum Stichtag 1. Januar 2020 noch 206 Kliniken. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Landtags-AfD an das Ministerium hervor.

Lucha: Konzentration und Schwerpunktbildung hat sich bewährt

Die Corona-Krise habe laut Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) gezeigt, dass sich der Weg der Konzentration und Schwerpunktbildung bewährt hat. „Benötigt wurden aufgrund der Erfahrungen in anderen Ländern zum einen hoch spezialisierte Intensiv- und Beatmungsplätze. Diese wurden überwiegend an den großen medizinischen und mittelgroßen Krankenhausstandorten vorgehalten und ausgebaut“, erklärte Lucha.

Durch Kompetenz und Professionalisierung an den spezialisierten Zentren habe man sich schnell auf die individuellen Bedürfnisse der intensivbehandlungsbedürftigen Patienten einstellen und schnelle Rückschlüsse für weitere Therapieempfehlungen geben können.

Die Konzentration wird sich nach Einschätzung des Sozialministeriums fortsetzen. So werden die Krankenhausstandorte in Lörrach, Rheinfelden, Schopfheim und das St. Elisabethen-Krankenhaus Lörrach mit der Fertigstellung eines Zentralklinikums nicht mehr weiterbetrieben. Und das ist nur ein Beispiel von mehreren. Auch im Ortenaukreis finden derzeit weitreichende Umstrukturierungsprozesse statt. Die Kliniken in Ettenheim, Kehl, Gengenbach und Oberkirch sollen bis 2030 geschlossen werden; der Standort Ebertplatz in Offenburg fällt ebenfalls weg. Dafür sind große Klinikneubauten in Offenburg und Achern geplant und der Klinikstandort Lahr wird in größerem Umfang saniert und erweitert.

„Zentraler Klinikneubau entscheidend, um qualifiziertes Personal werben zu können“

Jung sieht einen zentralen Klinikneubau auch als entscheidend dafür an, qualifiziertes Personal werben zu können: „Man muss auch so ehrlich sein, zu erkennen, dass ein zentraler Standort qualifiziertem Personal einen größeren Anreiz bietet. Es ist schwer, einen jungen Arzt für einen kleinen Standort zu gewinnen, bei dem er nur begrenzt etwas lernen kann, dafür aber viele Dienste schieben muss.“

Wo ein solcher Neubau entstehen könnte, ist indes noch offen. Die Stadt Baden-Baden hat noch keinen Standort vorgeschlagen, Rastatt hingegen gleich zwei. Das Merzeau-Gelände am südlichen Stadteingang sowie das Areal des Rastatter SC/DJK.


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