Trotz Einkaufssonntag: Sonntags-Demo darf stattfinden

Baden-Baden (hol) – Coronaprotest zeitgleich mit Geschäftsöffnung: Dass am verkaufsoffenen Sonntag eine Demo stattfindet, ärgert viele. Die Stadtverwaltung sieht jedoch keinen Grund für ein Verbot.

Der Zustrom wird kleiner: Kommenden Sonntag sind 600 Teilnehmer bei der Demo der Impfkritiker angesagt. Auch am Wahlsonntag, als unser Foto entstand, waren deutlich weniger als 1.000 Menschen am Augustaplatz. Foto: Bernd Kamleitmer

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Der Zustrom wird kleiner: Kommenden Sonntag sind 600 Teilnehmer bei der Demo der Impfkritiker angesagt. Auch am Wahlsonntag, als unser Foto entstand, waren deutlich weniger als 1.000 Menschen am Augustaplatz. Foto: Bernd Kamleitmer

Am kommenden Sonntag, 10. April, demonstrieren sie wieder: Die Aktivisten der Bürgerinitiative „Aufrecht Freidenken“ und die Partei „Die Basis“ rufen ein weiteres Mal zu einer Kundgebung auf. Zeitgleich ist verkaufsoffener Sonntag in der Kurstadt. Diese Parallelität der Ereignisse sorgt im Baden-Badener Einzelhandel nicht gerade für Begeisterung.

„Die ersten Osterfestspiele nach der Pandemie. Der erste Einkaufssonntag ohne Maske“, schreibt Alfred Ludwig, der das Geschäft Belle Vie in der Sophienstraße betreibt, in einer Mail an die Stadtverwaltung, die auch der Redaktion vorliegt. „Da hätte man doch gut auf die unsägliche Sonntagsdemonstration der Impfgegner verzichten können.“ Doch die Verwaltung lehnt dieses Ansinnen ab. Das Demonstrationsrecht sei ein hohes Gut in Deutschland. Die Veranstalter der Kundgebung hätten ein Recht auf Genehmigung. Für eine Ablehnung der Demonstration gebe es keinen Grund. Der Einkaufssonntag reiche als Begründung nicht aus, heißt es von der Stadtpressestelle.

Ludwig findet das ärgerlich. Mittlerweile werde die Innenstadt sonntags von vielen Menschen wegen der allwöchentlich stattfindenden Demonstration gemieden, hat er beobachtet. In der Tat ärgern sich auch Bürger über das zum Teil sehr lautstarke Auftreten der Impfgegner. Seit einigen Wochen werden die Protestzüge mit lautem Trommelschlag begleitet. Zudem finden es viele Baden-Badener ärgerlich, dass der Busverkehr in der Innenstadt durch die Proteste an jedem Sonntag für einige Zeit lahmgelegt wird.

Besucheranzahl der Demos nimmt ab

Doch das wird auch kommenden Sonntag so sein. Die Kundgebung ist um 14 Uhr auf dem Augustaplatz angemeldet. Mit dem Ex-Oberst Maximilian Eder soll ein Mann auftreten, der bei der Flutkatastrophe an der Ahr im Auftrag der Querdenker in einer Schule einen eigenen Katastrophenstab eingerichtet hatte. Zudem wird der pensionierte Familienrichter Hans-Christian Prestien sprechen, der für Aufsehen gesorgt hat, weil er im Internet Musterklagen gegen die Maskenpflicht an Schulen verbreitet hat. Thema laut Ankündigung: „Grund- und Kinderrechte: Spielball der Politik?“ Ab 15 Uhr folgt der Demozug durch die Stadt – um 17.30 Uhr ist Schluss. 600 Teilnehmer sind laut Stadtverwaltung angemeldet. Ob tatsächlich so viele kommen, ist aber die Frage. Vergangenen Sonntag waren laut Verwaltung gerade mal 350 Menschen bei der Kundgebung – deutlich weniger als bei den Demos im Januar und Februar, als bis zu 1.500 Menschen in der Kurstadt unterwegs waren.

Deutlich mehr Besucher werden beim Einkaufssonntag erwartet, der anlässlich der Osterfestspiele angesetzt ist und in dessen Rahmen die kurstädtischen Einzelhändler von 13 bis 17 Uhr ihre Geschäfte öffnen dürfen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
7. April 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 16sec

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