Trotz Extrem-Job noch Zeit für Rock’n’Roll-Krimi

Baden-Baden (fde) – Von Beruf ist Ingo Bott Strafverteidiger, seine Leidenschaft ist das Schreiben. Jetzt ist der zweite Krimi des gebürtigen Durmersheimers erschienen: „Pirlo – Gegen alle Regeln“.

„Kunst zu schaffen, macht mich einfach glücklich“, sagt Strafverteidiger Ingo Bott. Foto: Gaby Gerster

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„Kunst zu schaffen, macht mich einfach glücklich“, sagt Strafverteidiger Ingo Bott. Foto: Gaby Gerster

Als einer der laut Wirtschaftswoche renommiertesten Anwälte im Wirtschaftsstrafrecht hat Ingo Bott schon viele große Unternehmen und Privatpersonen verteidigt. Sein Beruf ist ein extremer, die Fälle nehmen teilweise viel von seiner Zeit in Anspruch. Manchmal arbeitet er tagelang bis tief in die Nacht hinein. Trotzdem findet er bei all dem beruflichen Stress noch Zeit fürs Bücherschreiben. Er selbst empfindet das weniger als Ausgleich, für ihn ist es mehr – seine Leidenschaft. „Schreiben empfinde ich als Freude“, sagt der 38-Jährige und ergänzt: „Kunst zu schaffen, macht mich einfach glücklich.“

Protagonist ist wie Bott Strafverteidiger

Im Jahr 2017 erschien sein erster Thriller mit dem Titel „Das Recht zu strafen“. Damals noch im Grafit-Verlag. Der Protagonist im Buch ist wie Bott Strafverteidiger. Die Reaktionen auf das Erstlingswerk waren positiv. „Die Agentur kam dann auf mich zu und gemeinsam haben wir uns Gedanken gemacht, wie man das vielleicht anders aufziehen könnte.“ Aus diesen Überlegungen ist „Pirlo“ entstanden. Das zweite Buch des gebürtigen Durmersheimers, das gerade erschienen ist, bildet zugleich den Auftakt einer Reihe rund um Anton Pirlo und seine Partnerin Sophie Mahler. Der Strafverteidiger hat gerade seinen Job in einer renommierten Kanzlei verloren. Pirlo bleibt nur ein Fall, den er unbedingt gewinnen muss, um seine Reputation zu retten. Außerdem holt ihn die eigene Vergangenheit ein. Seine Clanfamilie, von der er sich einst losgesagt hat, hat Probleme, die er lösen muss – teilweise mit unkonventionellen Mitteln. „Gegen alle Regeln“ lautet der vielsagende Titel des ersten Falls.

Es sei kein Kriminalroman, in dem hinter jeder Ecke ein Kettensägenmörder lauert, erklärt Bott. „Das Buch zieht sein großes Tempo auch daraus, dass Pirlo in Schwierigkeiten steckt, weil seine Familie Ansprüche an ihn stellt, er gleichzeitig als Shootingstar aus einer Kanzlei geflogen ist und jetzt noch einen Fall hat, den er gewinnen muss.“

Direkte Sprache mit viel Wortwitz

Dass gleich eine ganze Reihe daraus wird, empfindet Bott als großes Glück. „Figuren zu erfinden und sie dauerhaft zu begleiten. Das ist großartig und ein Privileg.“ Reinreden lässt er sich im kreativen Prozess von niemandem. „Ich schreibe und gestalte das so, wie es mir einfällt. Da gibt es niemand, der das in irgendeiner Form eingrenzt.“

Seine Agentur hat Pirlo beim renommierten Fischer-Verlag untergebracht. „Das ist jetzt alles eine Nummer größer, als würden man zum FC Bayern wechseln“, zieht er einen Vergleich zur Arbeit an seinem Erstling. „Fischer hatte sofort viel Freude an dem Text. Sie fanden das rockig – quasi Rock ’n’ Roll zum Lesen“, berichtet Bott von den Reaktionen des Verlags. Vor allem sein außergewöhnlicher Schreibstil sei bei den Lektoren gut angekommen. Die Aussage war: „Das ist so eigen, das hat so eine eigene, starke, coole, direkte, aber auch schlaue Sprache – das wird funktionieren.“ Wer selbst erstmals ins Buch eintaucht, kann dem nur beipflichten. Die Sprache ist äußert direkt, mitunter vulgär, und mit viel Wortwitz versehen. Die Sätze sind öfters kurz und knackig, der Lesefluss wird dadurch aber nicht gestört – es entwickelt sich vielmehr eine ganz eigene Dynamik daraus. Daher verwundert es nicht, dass der Verlag an den Erfolg einer Reihe glaubt. Dass er nun einmal pro Jahr abliefern muss, empfindet Bott aber nicht als Belastung. „Druck empfinde ich beim Schreiben ohnehin nicht. Ich bin Strafverteidiger von Beruf. Ich begleite Menschen und Unternehmen in Krisensituationen, wenn es wirklich um viel geht – teilweise um ganze Existenzen. Das ist Druck.“

Eigene Mandanten und Fälle als Quelle tabu

Sein Vorteil beim Schreiben sei, dass er sich in einer Welt bewegt, die er aus dem Effeff kennt. „So wie es im Buch steht, findet es auch im wahren Leben statt“, versichert Bott, der eine eigene Kanzlei in Düsseldorf führt. Teilweise orientiert er sich für seine Bücher an Fällen aus dem wahren Leben. Im selben Atemzug versichert er aber: „Meine eigenen Fälle und Mandanten finden sich darin nicht wieder. Das trenne ich natürlich.“

Der Autor und sein Protagonist teilen neben optischer Ähnlichkeit einige weitere Gemeinsamkeiten: Beide leben in Düsseldorf und haben dort eine Wohnzimmerkanzlei gegründet. Im Klappentext heißt es dennoch: „Dr. Ingo Bott ist nicht Dr. Anton Pirlo.“ Trotz gewisser Parallelen stellt auch Bott klar: „Es ist keine Autobiografie unter fremder Flagge, sondern nur eine Figur.“ Gewisse Schattierungen blieben dabei nun mal nicht aus, da Pirlo sich in einem ähnlichen beruflichen Umfeld bewegt. Ob Pirlos Eigenschaften charismatisch und chaotisch auch auf ihn persönlich zutreffen, will Bott nicht selbst beurteilen, wie er schmunzelnd verrät. „Pirlo ist nicht nur in seinem Job genial, sondern gleichzeitig ein hoffentlich einigermaßen sympathischer Chaot“, charakterisiert er seine Schöpfung. Einer, der auch zu Mitteln greife, die schnell nachvollziehbar nicht denen eines normalen Rechtsanwalts entsprechen.

Zweiter „Pirlo“-Band erscheint im August 2022

So wie andere Zeit finden für Sport oder Freunde treffen verhält es sich beim leidenschaftlichen KSC-Fan mit dem Schreiben. „Es finden sich immer Gelegenheiten.“ Das kann mal auf einer längeren Zugfahrt sein oder abends zum Abschalten nach einem anstrengenden Arbeitstag. „Ich schreibe, wenn sich die Gelegenheit ergibt – und dann immer gerne.“

Den zweiten Teil der Reihe, der im August 2022 erscheinen soll, hat Bott bereits zur Hälfte fertig. Wie viele Bücher insgesamt geplant sind, will er nicht verraten, nur so viel: „Ich werde so viele Bücher machen, wie es Menschen Freude macht. Aber natürlich habe ich eine Zahl im Kopf.“

Ingo Bott: „Pirlo – Gegen alle Regeln. Der erste Fall für Strafverteidiger Pirlo“, Fischer-Verlag, 385 Seiten, 15 Euro.

Ihr Autor

BT-Redakteur Dennis Schmidt

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Erstellt:
29. August 2021, 11:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 53sec

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