Trotz Regens: Grundwasserstände zu niedrig

Karlsruhe (vn) – Das viel zu trockene Jahr 2018 wirkt im Boden immer noch nach: Laut LUBW haben die Niederschläge zwischen November und April das Defizit nicht ausgleichen können.

Unscheinbar am Wegesrand, aber sehr wichtig: Eine Grundwasser-Messstelle der LUBW. Foto: Michel Wingering/LUBW

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Unscheinbar am Wegesrand, aber sehr wichtig: Eine Grundwasser-Messstelle der LUBW. Foto: Michel Wingering/LUBW

„Schnee-Horror an Pfingsten“ prophezeit eine Nachrichtenseite im Internet, „Deutschland sitzt im Kälteloch“ dichtet eine andere. Der „Mai-Monsun“ verhagele den letzten Frühlingsmonat, barmt eine dritte. Wer es etwas nüchterner mag und beispielsweise wissen möchte, ob 2021 schon genug Regen gefallen ist, um die Trockenperioden der vergangenen Jahre auszugleichen, der sollte sich mit der Bilanz des hydrologischen Winterhalbjahrs von November bis April beschäftigen. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) stellt sie auf ihrer Homepage gut aufbereitet zur Verfügung.

„Die Grundwasserstände in Baden-Württemberg bewegen sich weiterhin auf unterdurchschnittlichem Niveau“, fasst LUBW-Präsidentin Eva Bell die Datenreihen zusammen. Grund seien die extremen Niedrigwasserstände von 2018, die bis heute nachwirken. Die im Schnitt ausreichenden, aber sehr wechselhaften Niederschlagsmengen der letzten drei Winterhalbjahre hätten die extreme Trockenheit des Jahres 2018 bislang nicht ausgleichen können. „Das zeigt: Extremereignisse lassen sich auch Jahre danach im Grundwasser nachweisen“, so Bell.

Größere Niederschläge seien im November und Dezember 2020 zunächst ausgeblieben, bilanziert die LUBW. „Erst mit den überdurchschnittlichen Niederschlägen im Januar wurden die Böden wieder ausreichend mit Wasser gesättigt, sodass der Regen im Februar zu einem deutlichen Anstieg der Grundwasserstände führte. An manchen Messstellen wurden sogar überdurchschnittliche Werte erreicht.“ Auch abtauender Schnee ließ die Grundwasservorräte wachsen. Doch im März und April regnete es bereits wieder zu wenig, um das weitere Auffüllen der Vorräte zu sichern. Ob der gefühlt relativ nasse Mai den Trend umkehren wird, darf bezweifelt werden. Dazu müsste es dann doch noch sehr ergiebig schütten.

Lysimeter in Büchig liefert Daten

Wie kommen die Fachleute an ihre Daten? Sie beobachten mithilfe eines wägbaren Lysimeters in Büchig bei Karlsruhe die Entwicklung der Wassermenge im Boden. „In diesem Winter benötigte der Bodenwasserspeicher drei regenreiche Monate in Folge, ehe er ausreichend gefüllt Sickerwasser an das Grundwasser abgab“, so die Beobachtung. Dieser Prozess begann Ende Januar 2021, also zu einem späten Zeitpunkt im Winterhalbjahr. Im April waren die Niederschläge mit 30 Millimetern am Lysimeterstandort Büchig im dritten Monat in Folge unterdurchschnittlich.

Dass dem Boden viel Wasser fehlt, verrät auch ein Blick auf den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig: Bundesweit sind tiefere Bodenschichten aktuell immer noch deutlich zu trocken, vor allem im Osten und Süden Deutschlands, aber selbst im Oberrheingraben. Kurz vor dem Frühsommer sind das also eher schlechte Ausgangsbedingungen für die Natur. Ein bisschen „Schnee-Horror an Pfingsten“ ist da gar nicht schlimm.

www.lubw.de

www.ufz.de

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
20. Mai 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 15sec

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