Trotz negativem Test in Quarantäne

Gaggenau (stj) – Zwei befreundete Familien aus Ottenau und Obertsrot müssen nach ihrer Urlaubsreise in Quarantäne bleiben, obwohl ihr Corona-Test negativ ist.

Ein Passagier wird am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden auf Corona getestet. Symbolfoto: Frank Vetter/Archiv

© fuv

Ein Passagier wird am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden auf Corona getestet. Symbolfoto: Frank Vetter/Archiv

So leer und entspannt wie dieses Jahr sind die Balearen schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Entsprechend erholt kehrten zwei befreundete Familien aus Ottenau und Obertsrot am Samstag aus Mallorca zurück. Doch die Erholung fand ein jähes Ende, als sie am Baden-Airpark gelandet waren.

Nachdem auch die beliebteste Ferieninsel der Deutschen am vergangenen Freitag zum Corona-Risikogebiet erklärt worden war, haben die Urlauber aus dem Murgtal entsprechend vorgesorgt und drei Autos nach Söllingen beordert: Je eins für die beiden vierköpfigen Familien und eins, mit dem die „Abholer“ wieder zurückfahren – es galt schließlich, Abstand zu wahren.

Zuvor mussten die Reiserückkehrer auf Corona getestet werden. Eine einzige Teststation stand am Flughafen zur Verfügung, knapp zwei Stunden mussten die Eltern mit ihren jeweils zwei kleinen Kindern auf ihren Test warten; Abstand halten sei dabei kaum möglich gewesen. „Draußen interessiert Corona offenbar kaum noch jemanden“, wunderte sich Sylvia Buttermilch über die vielen innigen Wiedersehensszenen, die sich nach dem Auschecken abgespielt haben: „Küsschen hier, Umarmungen dort – unglaublich!“

Auf dem Weg zurück nach Ottenau plante das Ehepaar die anstehende Quarantäne – und hoffte natürlich auf einen schnellstmöglichen Testbescheid über die Corona-Warn-App. Das Formular, das sie am Flughafen bekommen haben, enthält einen QR-Code, mit dem die jeweiligen Ergebnisse online eingesehen werden können. Am Dienstag um die Mittagszeit kam die beruhigende Nachricht: negativ. Per Screenshot wurde die Bestätigung an das Gaggenauer Ordnungsamt geschickt, das die Quarantäne umgehend aufhob. „Das lief reibungslos“, dachten Manuel und Sylvia Buttermilch und informierten ihre Freunde in Obertsrot. Auch sie hatten inzwischen den negativen Testbescheid bekommen. Doch aus dem Gernsbacher Rathaus hieß es, das alleine reiche nicht, man brauche eine schriftliche Bescheinigung vom Labor.

Nachricht auf Corona-Warn-App reicht nicht aus

Es dauerte nicht lange, da meldete sich das Ordnungsamt Gaggenau per Telefon bei Familie Buttermilch, entschuldigte sich und ruderte zurück: Man sei da etwas voreilig gewesen, die Quarantäne könne doch nicht aufgehoben werden. „Für was habe ich diese App eigentlich?“, fragen sich die Buttermilchs, zumal diese auf dem Corona-Test-Formular auch noch beworben werde.

Bis zuletzt hatten auch die Behörden noch die Info, dass die App reicht, berichtet Rolf Anselm, der stellvertretende Ordnungsamtsleiter in Gaggenau. Diese Woche sei dann die Anweisung vom Gesundheitsamt gekommen, dass die App kein gangbarer Weg sei, dass nun ein labortechnischer Befund vorliegen müsse, um die Quarantäne aufzuheben. Das bestätigt Dr. Eva Schultz. Die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts im Landratsamt Rastatt erklärt, dass die Corona-Warn-App zum Warnen da sei, aber nicht, um ein offizielles Dokument zu ersetzen. Der QR-Code sei konstruiert worden, um Menschen zu warnen, die Kontakt zu einem Unbekannten hatten, der sich später als Infizierter herausstellt. Schultz nennt die App „eine sehr gute Sache“. Um eine Quarantäne zu beenden, brauche es aber die schriftliche Bestätigung des Labors, in dem man getestet wurde. Bis diese da ist, dauere es in der Regel drei bis vier Tage.

Die sind im Fall der Buttermilchs schon vorbei. Sie können die Zeit mit ihren Kindern zwar im heimischen Garten verbringen, hätten bei dem schönen Wetter aber auch andere Pläne. Ihnen seien die Probleme der Ordnungsämter bewusst, die letztlich fast im Tagesrhythmus wechselnden Corona-Vorgaben „von oben“ umsetzen zu müssen. Bei der Reiserückkehr habe sich nun aber der Eindruck verfestigt: „Das Chaos beginnt, sobald du deutschen Boden betrittst.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.