Trotz steiler Karriere stets auf dem Boden geblieben

Baden-Baden (kkö) – Beate Böhlen aus Baden-Baden, die zuvor für die Grünen im Stuttgarter Landtag saß, ist seit 2019 Bürgerbeauftragte des Landes.

Bea Böhlen ist beruflich sehr erfolgreich, hat sich aber stets auch auf den Rückhalt ihrer Familie verlassen können. Foto: Jan Potente/pr

© Jan Potente

Bea Böhlen ist beruflich sehr erfolgreich, hat sich aber stets auch auf den Rückhalt ihrer Familie verlassen können. Foto: Jan Potente/pr

Der klare und auch mutige Weg Böhlens, Grünen-Politikerin und seit 2019 Bürgerbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, ließ sich im Grunde schon erahnen, als sie während ihrer Schulzeit als Klassen- und Schülersprecherin aktiv war. Sie habe, sagt sie, nie Probleme gehabt, den Mund aufzumachen, auch später nicht als Mitglied im Gemeinderat Baden-Baden oder im Landtag in Stuttgart. „Da ich eine Frau bin, hieß es zwar schnell, mit mir sei nicht gut Kirschen essen; bei Männern hätte man wohl einfach auf eine starke Persönlichkeit geschlossen. Aber ich behauptete mich, wurde respektiert und hatte nie den Eindruck von Ausgrenzung.“ Und den Spruch, sie müsse sich zwischen Familie und Karriere entscheiden, hört sie schon lange nicht mehr.

Seit der Jugend politisch engagiert

Ja, Böhlen ist auch Ehefrau und Mutter. Ihr stabiles familiäres Umfeld, ist sie überzeugt, habe sie geerdet und zugleich in ihrem Tun bestärkt. „Wenn ich mich einer Aufgabe nicht gewachsen fühlte, sagten mein Mann und meine Kinder: Du kannst das! Wenn ich Gefahr lief, abzuheben, holten sie mich ganz schnell zurück auf den Boden.“ Das sei gut und wichtig, denn natürlich berge eine Laufbahn dieser Art stets die Gefahr, einem übersteigerten Selbstbewusstsein anheimzufallen. „Ich glaube allerdings, dass Arroganz nicht in meiner Natur liegt.“ Elementar ist für Böhlen offensichtlich nicht, ob man sie hofiert, beneidet oder bewundert. Vielmehr sind es ihre Ideale und Ziele, die sie motivieren. Politisch engagierte sie sich schon als Jugendliche, setzte sich etwa gegen Atomkraft ein. „Wenn man dann über ein politisches Mandat die Möglichkeit hat, Dinge wirklich zu bewegen, bereitet das schon Freude.“ Auch zur Bürgerbeauftragten sei sie vom Parlament gewählt worden, unterstreicht sie. Sprich: „Ich bin weisungsungebunden, stehe in keinerlei Abhängigkeit.“

„Mache den Job unwahrscheinlich gern“

Das Ombudsmann-Wesen beschäftigte Böhlen schon während ihrer langjährigen Tätigkeit als Petitionsausschussvorsitzende des Landtags, wie sie erzählt. „Es ist in Deutschland lange im Hintertreffen gewesen. Mir war und ist es ein großes Anliegen, diesen Bereich voranzutreiben. Als die Stelle des Bürgerbeauftragten 2019 frei wurde, entschloss ich mich aus ganzem Herzen für diesen Weg.“ Sie mache den Job unwahrscheinlich gern, weil er Nähe zu den Bürgern impliziere. „Und ich kann für diese etwas bewirken.“ Zusätzlich sei sie für die Belange der Landespolizei zuständig. Exemplarisch für ihre Aufgabengebiete nennt sie staatliches oder behördliches Versagen, dem sie auf Hinweise der Bürger hin nachgeht, oder auch Missstände innerhalb der Polizei, die die Führungskräfte nicht angehen möchten. „Ich lege den Finger in die Wunde“, sagt sie. Für die Verantwortlichen nicht unbedingt angenehm, aber für eine funktionierende Demokratie aus ihrer Sicht unverzichtbar. Natürlich führe nicht jeder Einsatz zum Erfolg, räumt sie ein. Aber viele eben doch. „Und wenn ich etwas erreiche, ist das Bestätigung und Ansporn zugleich.“

Und dann ist da noch jenes Privatleben, auf das sie bei allem beruflichen Erfolg nie verzichten wollte. Mit ihrem Mann lebe sie in einer ebenbürtigen Partnerschaft, betont sie: „Anders wäre meine Laufbahn gar nicht möglich gewesen. Er hat mich immer unterstützt, wie auch mein ganzer Familien- und Freundeskreis.“ Sohn und Tochter studierten derzeit. Und wenn Böhlen Zeit hat, liest oder hört sie Bücher, außerdem ist sie passionierte Pilzsammlerin und Skatspielerin. „Und ich backe und koche gern“, ruft sie, und lacht. „Da entspreche ich doch mal ganz und gar dem Klischee!“

Zur Person

Beate „Bea“ Böhlen, Jahrgang 1966, wuchs in Baden-Baden auf und lebt dort bis heute. Nach dem Schulabschluss, einer Ausbildung zur Erzieherin an der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Bühl und einigen Jahren der Berufstätigkeit schloss sie ein Studium der Sozialarbeit an der Katholischen Fachhochschule Freiburg an. Von 1999 bis 2004 war sie Ortsverbandssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen in Baden-Baden, von 2000 bis 2002 zudem Kreisverbandsvorsitzende. 2004 wurde sie erstmals in den Gemeinderat der Kurstadt gewählt, 2011 in den Landtag in Stuttgart, dem sie bis 2019 angehörte. Seither ist sie Bürgerbeauftragte des Landes Baden-Württemberg. Böhlen ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Ihr Autor

unserer Mitarbeiterin Katrin König

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Erstellt:
15. Februar 2022, 15:30 Uhr
Lesedauer:
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