„Truck-Bereich ist kein Sanierungsfall“

Gaggenau (tom) – In einem Brief an alle Beschäftigten im Nutzfahrzeugbereich von Daimler mahnt Betriebsratschef Michael Brecht zur Besonnenheit.

Michael Brecht aus Gernsbach ist Vorsitzender des Daimler-Gesamtbetriebsrats. Foto: Oswald-Fotodesign

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Michael Brecht aus Gernsbach ist Vorsitzender des Daimler-Gesamtbetriebsrats. Foto: Oswald-Fotodesign

Dabei geht Brecht auch auf die Ängste ein, die durch die bevorstehende Abspaltung der Truck-Sparte geweckt wurden. „Der Truck-Bereich ist kein Sanierungsfall, den man abstoßen muss oder will“, versichert Brecht in dem Schreiben, das am 27. Februar in den Briefkästen der Mitarbeiter liegen soll.

Anlass zu Sorgen gibt es durchaus: Eine drastische, wenn auch etwas diffuse Ansage machte der Chef der Daimler-Nutzfahrzeugsparte, Martin Daum, erst am Donnerstag: Zwischen 20 bis 50 Prozent werde wegen der Hinwendung zur Elektromobilität der Stellenabbau in den Aggregatewerken betragen (wir berichteten).

Für Michael Brecht sind das „extrem hohe Zahlen“, wie er im BT-Gespräch betont: Derlei Szenarien für den Zeitraum bis 2035 seien mit vielen Unschärfen behaftet. Dass es zu Arbeitsplatzverlusten auch am Standort Gaggenau kommen werden, will auch Brecht nicht abstreiten. Aber, so gibt er zu bedenken: Wichtige Fragen seien noch zu klären, zum Beispiel: Wie lange werde man noch mit den bislang erfolgreichen Produkten erfolgreich sein? Wie entwickelt sich die Produktivität?

Bislang rechnet man mit einer jährlichen Steigerung von rund zwei Prozent mit entsprechenden Folgen für die Personalplanung. Aber es werde ja auch neue Produkte geben, und auch diese müssen hergestellt werden; sagt Brecht. In der nächsten Woche werde der Daimler-Betriebsrat mit der Konzernleitung über alle Standorte hinweg erste Gespräche führen, also nicht nur für Gaggenau, sondern auch für Kassel, Mannheim und Wörth – wo auch in Zukunft die Lastwagen zusammengebaut werden sollen. An deren Ende, nach rund zwei Monaten, sollen die künftigen „Identitäten“ und „Kompetenzfelder“ der Standorte definiert sein, sprich: Wo und wie werden neue Themen wie elektrifizierte Achse, Brennstoffzelle, Inverter oder Batteriefertigung angegangen?

„Der Betriebsrat wird kämpfen“

„Auch in den nächsten zehn oder fünfzehn Jahren werden sich Dinge entwickeln und der Betriebsrat wird kämpfen“, sagt Brecht. Gleichwohl: „Die Standorte werden anders aussehen, und es werden weniger Mitarbeiter sein. Wie viele, das werden die neuen Themen bestimmen.“Mit dem bereits ausgehandelten Innovationsfonds von 1,5 Milliarden Euro habe man bereits ein gutes Instrument, um Zukunftsprojekte an den Standorten zu verwirklichen.“ „Denn was wir nicht entwickeln, das werden wir später nicht an den Standorten produzieren.“

Brecht rät zu gesundem Optimismus: Ähnliche Szenarien habe es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, „und wir haben immer wieder neue Ideen aufbauen können; das wird zukünftig auch nicht anders sein. Wer hätte gedacht, dass wir in Gaggenau der erste Standort der Daimler AG sind an dem wir Batterie-Recycling beginnen?“ Wie diese Woche berichtet, gibt es Überlegungen, auf dem Gelände des Daimler-Presswerks in Kuppenheim eine Forschungsanlage zum Recycling von Altbatterien aufzubauen.

Falls es zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen werde, „braucht sich niemand Gedanken um seinen Job machen“, versichert Brecht: „Wir haben mit der Altersteilzeit ein Instrument, um sozialverträglich Anpassungsprozesse machen können.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
26. Februar 2021, 18:31 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 26sec

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