TuS Greffern wird 100 Jahre alt

Rheinmünster (iru) – Der Turn- und Sportverein (TuS) Greffern blickt auf 100 Jahre wechselvolle Geschichte. Am 9. Oktober dieses Jahres will der Jubiläumsverein mit einem großen Festbankett feiern.

Mitglieder des Turnvereins Greffern im Jahr 1921 bei einem Schauturnen.  Foto: Ingbert Ruschmann

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Mitglieder des Turnvereins Greffern im Jahr 1921 bei einem Schauturnen. Foto: Ingbert Ruschmann

Der „Turn- und Sportverein 1921 Greffern“ feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Gegründet wurde der Traditionsverein aus dem Schifferdorf von 34 turnbegeisterten jungen Männer am 6. Oktober 1920 im Gasthaus Zum Schiff. Weshalb im Vereinsnamen dennoch das Jahr „1921“ erscheint, ist in den Annalen des TuS nicht hinterlegt. Am 9. Oktober will der Jubiläumsverein mit einem großen Festbankett kräftig feiern.

Als Turnverein gegründet, erlebte der Club im Laufe seiner langen lebhaften Geschichte zahlreiche Umbrüche, Angliederungen und Auflösungen von Abteilungen. Bereits 1922 gesellte sich zu den Turnern dann eine Handballabteilung. Noch vor dem Krieg kam eine sehr aktive Theaterabteilung hinzu, ehe 1967 eine Fußball-, 1976 eine Damenhandball- sowie 1983 eine Tennisabteilung das Angebotsportfolio des Turn- und Sportvereins erweiterten.

Seit jeher wird beim Grefferner Traditionsverein Wert auf Disziplin gelegt. Nach einem Beschluss in der Gründungsversammlung mussten beispielsweise Turner, die einmal eine Übungsstunde versäumten, drei Mark als Strafe zahlen. Dreimaliges Fehlen konnte bereits zum Vereinsausschluss führen. Einige Jahre später mussten gar Mitglieder mit dem Rauswurf rechnen, wenn sie eine öffentliche Tanzveranstaltung besuchten, während der Verein gleichzeitig eine eigene Veranstaltung abhielt.

Wie bei allen jungen Vereinen in den Nachkriegsjahren boten die Rahmenbedingungen für sportliche Aktivitäten nach heutigen Maßstäben nur wenig Komfort. Als Turnplatz dienten beispielsweise Arbeitsräume in Grefferner Fabrikanlagen, der sogenannte Eiskeller oder die Kinderschule. Die Euphorie um die Turnerei flachte schon bald nach der Vereinsgründung ein wenig ab, zumal die neue Handballabteilung zusehends an Bedeutung gewann. Es gab sogar eine Rüge des Gauturnwarts für den Vorsitzenden, Alfred Gempler: Der TuS sei ein Turnverein, in dem nur Handball gespielt werde, rüffelte er.

Theaterabteilung wird in den 30er-Jahren gegründet

Eine echte Blütezeit erlebten die Grefferner Sportler Anfang der 30er-Jahre, als die Handballmannschaft Meister der A-Klasse wurde, ein Turnier in Großweier für sich entschied und die Turner je einen ersten Preis bei Gauturnfesten in Steinbach und Sandweier errangen. Die Gründung einer Theaterabteilung sowie ein eigenes Turnfest rundeten die positiven Nachrichten aus dem Schifferdorf ab.

Die sportlichen Aktivitäten kamen in den Jahren vor Ausbruch des Krieges zusehends zum Erliegen. Vor allem junge Handballspieler und Turner mussten Wehrdienst leisten, außerdem machte die Einquartierung von Arbeitern für die Erstellung der Westbefestigung einen geregelten Turnbetrieb nahezu unmöglich, heißt es in den Geschichtsbüchern des TuS.

Wie sehr nach dem Ende des Krieges die Sehnsucht nach einer Rückkehr zur Normalität war, zeigte der schon im November 1945 erfolgte Start von Punkt- und Freundschaftsspielen des Handballteams in der näheren Umgebung. Der 24. August 1946 markierte mit der Wiedergründung einen Meilenstein in der 100-jährigen Geschichte des TuS Greffern. Noch lange erzählten die damaligen Protagonisten ihren Nachfahren von den Fahrten zu Begegnungen nach Freiburg, Gottmadingen oder Karlsruhe-Bulach in einem offenen Lkw. Einige Male – so die Überlieferungen – stand ein Transporter voll beladen mit der Mannschaft und Zuschauern beim Anwesen des Vorsitzenden, Josef Riebold, und setzte sich erst in Bewegung, als der Fahrer einen Korb Kartoffeln oder sonst etwas Essbares zugesteckt bekam.

Mit den wirtschaftlichen Problemen Anfang der Fünfzigerjahre geriet auch das TuS-Vereinsschiff in arge Seenot. Arbeitsplätze waren rar und so wanderten viele Sportler zur Rheinschifffahrt ab. „Der Verein bekommt diese Flucht an der empfindlichsten Stelle zu spüren“, ist in der Historik zu lesen. Im Oktober 1952 erfolgte die endgültige Abmeldung der ersten und zweiten Handball-Mannschaft vom Spielbetrieb.

Fußballabteilung wächst

Die zweite Wiedergeburt erlebte der Verein am 12. April 1967. Zwar hatten die Abwanderungen zur Schifffahrt erheblich abgenommen, doch die Jugend im Ort favorisierte das Fußballspielen. Mit einem vierten Platz in der Premierensaison 1967/1968 ließ die neugegründete Abteilung Fußball zunächst aufhorchen, um dann 1976 mit der Meisterschaft in der C-Klasse den großen Coup zu landen.

Weitere Meilensteine der TuS-Geschichte waren 1985 und 2000 die Einweihung neuer Rasenplätze, im Jahr 1986 der Bezug des neuen Clubhauses, 2006 der Aufstieg der ersten Mannschaft in die Kreisliga A sowie im Jahr 2013 die Gründung einer Mädchenmannschaft.

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16. Juli 2021, 14:00 Uhr
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