Tudor Costin: „Effiziente Klimapolitik muss sozial sein“

Gernsbach (naf) – Tudor Costin kandidiert bei der Bundestagswahl als Direktkandidat für die Linke. Er will die soziale Gerechtigkeit in der Region fördern.

Tudor Costin spaziert gerne an der Murg entlang, um abzuschalten und Flora wie Fauna zu genießen. Die Natur gelte es zu schützen, sagt er mit Blick auf die Klimakrise. Foto: Nadine Fissl

© naf

Tudor Costin spaziert gerne an der Murg entlang, um abzuschalten und Flora wie Fauna zu genießen. Die Natur gelte es zu schützen, sagt er mit Blick auf die Klimakrise. Foto: Nadine Fissl

„Wenn etwas nicht erfolgversprechend ist, darf es einen nicht davon abhalten, sich dafür einzusetzen.“ Mit diesem Satz beschreibt Tudor Costin nicht nur den Willen seiner Partei, bei scheinbar aussichtslosen Themen standhaft zu bleiben. Er zeigt auch seinen eigenen Antrieb: Der Kandidat der Linken im Wahlkreis Rastatt tritt nicht mit einem sicheren Ticket für den Bundestag an, dafür aber mit einer Überzeugung.

„Es braucht eine starke linke Kraft im Land, um die sozialen Themen in den Vordergrund zu rücken“, sagt Costin während er am Rande der Weinau, zwischen plätscherndem Wasser und wilden Gräsern spaziert. Den Pfad an der Murg ist der 37-Jährige früher oft mit Hund entlanggelaufen, heute kommt er her, um abzuschalten und die Natur zu genießen.

Warnung vor sozialer Spaltung

Genau diese zu schützen, sich auf die Klimakrise vorzubereiten und „alles zu tun, um möglichst viel davon abzuwenden“ sieht Costin als wichtigste Aufgabe für die neue Bundesregierung – in Kombination mit dem Angehen sozialer Probleme. „Das muss zusammen gehen“, sagt Costin. „Für eine effiziente Klimapolitik ist es auch fundamental, dass sie sozial ist.“ Vor allem nach der Corona-Krise, die immer mehr Menschen dazu zwinge, jeden Euro zweimal umzudrehen. „Gleichzeitig gibt es 70.000 neue Millionäre in Deutschland. Das ist eine Entwicklung, die sehr gefährlich ist, im sozialen Zusammenhalt, aber auch im tagtäglichen Leben der Betroffenen“, sagt Costin. Die soziale Spaltung werde vorangetrieben, finanziell und kulturell. „Wenn Leute nach rechts abdriften, weil sie mit der Politik unzufrieden sind, ist es schwieriger, zueinanderzufinden.“

Alle ernst zu nehmenden Parteien hätten sich Klimaschutz auf die Fahne geschrieben, wie effizient und wie sozial die Maßnahmen dafür sein werden, darin läge der bedeutende Unterschied. Für die sozialen Themen, „die untergehen“, will sich der Wirtschaftswissenschaftler starkmachen. Steuerliche Entlastungen der Mittel- und Geringverdiener verbunden mit großen Investitionen im Sozialen gehören zu seinen Plänen.

Kein persönliches Wahlziel

Ein persönliches Wahlziel hat Costin nicht. Der Fokus liegt auf den Zweitstimmen. „Ein Direktmandat scheint mir eher unwahrscheinlich hier in der Region“, sagt er. Gerade im ländlichen Raum sei eine Akzeptanz für linke Politik eher schwierig.

Dazu komme, dass seine Partei kommunalpolitisch noch nicht richtig verankert ist. Das wolle man ändern, auch wenn dafür Geduld nötig ist. „Es ist eine Frage der Ausdauer“, sagt Costin. Damit die Menschen Vorbehalte überwinden und merken, wofür linke Politik steht, sei es vonnöten über Jahre hinweg in der Region politisch aktiv zu sein. Aus Personalmangel war das bisher schwierig, „aber jetzt kommen wir voran“.

Gegen Zentralisierung des Klinikums

Costin selbst lebt mit Unterbrechungen seit 1992 in Gernsbach, geboren ist er in Rumänien. „Mein Herz schlug schon immer links“, sagt er. 2018 trat der Selbstständige in der Medienbranche schließlich in die Partei ein, mit der er sich unter anderem gegen die geplante Zentralisierung des Klinikum Mittelbaden und die Schließung der Handelslehranstalt in Gernsbach einsetzte. „Natürlich gibt es Rückschläge, gerade wenn man noch so eine leise Stimme hat“, sagt er, „nichtsdestotrotz werden Menschen wahrnehmen wofür wir uns einsetzen, und dass wir uns für sie einsetzen“. Soziale Politik sei für viele zugänglich.

Entscheidungen, die auf Bundesebene getroffen werden – „zum Beispiel beim Thema Mindestlohn“ – wirken sich auch auf Menschen der Region aus, betont er. Die Linke plant eine Offensive in der Pflege und Bildung, auch Mittelbaden würde davon profitieren. Trotzdem fordere der ländliche Raum auch andere Aufgaben. „Den ÖPNV hier auszubauen, ist wesentlich schwerer als in der Stadt.“ Diese Herausforderungen will Costin taktisch genau so angehen, wie er das seit Jahren schon in seiner Freizeit beim Schachspiel macht. „Thematisch kenne ich mich recht breit aus, und das möchte ich auch zeigen.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nadine Fissl

Zum Artikel

Erstellt:
16. September 2021, 15:07 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.