Turboladen in der Relaxposition

Baden-Baden (fde) – Komfortabler als im Hyundai Ioniq 5 lässt sich die Ladezeit kaum überbrücken. Dank 800-Volt-Technik geht es aber ohnehin nicht lange. Und das Elektroauto teilt sogar seine Energie

Abseits der Norm: Der Hyundai Ioniq 5 ist designmäßig auf eigenen Pfaden unterwegs. Foto: Hyundai

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Abseits der Norm: Der Hyundai Ioniq 5 ist designmäßig auf eigenen Pfaden unterwegs. Foto: Hyundai

Mit verschränkten Händen im Nacken, geschlossenen Augen und ausgestreckten Beinen entspannt im umgelegten Sitz liegen und vor sich hin dösen: In ungewohnter Position und mit viel Komfort lässt sich die Wartezeit während des Ladevorgangs im Hyundai Ioniq 5 überbrücken. Es braucht nicht mehr als einen Knopfdruck, um Fahrer- und Beifahrersitz in die Relaxposition zu bringen. Unten klappt eine Beinauflage aus, während der Sitz sich langsam elektrisch nach hinten senkt – ein Gefühl wie früher in Opas Fernsehsessel.

Zwischendurch mal ausspannen: Die Vordersitze fahren auf Knopfdruck in die komfortable Relaxposition. Foto: Hyundai

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Zwischendurch mal ausspannen: Die Vordersitze fahren auf Knopfdruck in die komfortable Relaxposition. Foto: Hyundai

In fünf Minuten Strom für 100 Kilometer

Doch ganz so lange dauert die Ladeprozedur in der Regel ohnehin nicht, denn der Fünftürer verfügt im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern über die 800-Volt-Technik. An einer Schnellladesäule füllt sich der Batteriespeicher bei optimalen Bedingungen in knapp 20 Minuten von zehn auf 80 Prozent – das attestiert dem Premierenmodell von Hyundais Elektrosubmarke Ioniq, das seit 2021 auf dem Markt ist, durchaus Langstreckentauglichkeit. 100 Kilometer Reichweite sind sogar bereits nach fünf Minuten am Stecker wieder möglich. Doch nicht nur die Werte an einer 350-kW-Säule überzeugen: An einer 50-kW-Ladestation dauert es rund 45 Minuten bis zu 80 Prozent.

Auffällig: An Front und Heck gibt es eine pixelförmige Lichtsignatur. Foto: Hyundai

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Auffällig: An Front und Heck gibt es eine pixelförmige Lichtsignatur. Foto: Hyundai

Wichtig für potenzielle Käufer: Die 800-Volt-Technik gehört unabhängig von der gewählten Batteriegröße (58 oder 72,6 kWh) und Leistungsstufe (Heckantrieb mit 170 oder 217 PS; Allradantrieb mit 235 oder 305 PS) zum Serienumfang. Ein weiteres Novum in dieser Fahrzeugklasse ist die sogenannte Vehicle-to-Load-Funktion. Der Ioniq 5 kann nämlich nicht nur Strom tanken, sondern auch teilen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Außen gibt es ein Adapter für die Ladebuchse, um daran 230-Volt-Endgeräte anzuschließen. Innen befindet sich am mittleren Fondsitz eine Schuko-Steckdose, an der beispielsweise auch während der Fahrt ein Laptop oder Ähnliches betrieben werden kann.

Äußerlich bricht der kantige Ioniq 5 mit so ziemlich jeder aktuell gültigen Norm und beschreitet designmäßig ganz eigene Pfade. Davon zeugen die markante Pixelgrafik der Front- und Heckleuchten oder die versenkbaren Türgriffe.

Futuristisch mutet auf den ersten Blick auch der durch seine hellen Farben wohnliche und überaus geräumige Innenraum des Crossovers an. Dieser bietet neben der Relax-Funktion der Frontsitze noch weitere clevere Features: Beispielsweise das Handschuhfach mit Schubladenfunktion. Oder die um bis zu 14 Zentimeter verschiebbare Mittelkonsole, die für ungewohnte Bewegungsfreiheit auf den Vordersitzen und einen durchgehenden Fußraum sorgt. Die Rücksitzbank lässt sich ebenfalls elektrisch vor- und zurückfahren. Selbst die Passagiere in Reihe zwei haben dadurch richtig viel Beinfreiheit.

Gut nutzbar: Blick in den 527 Liter fassenden Kofferraum. Foto: Hyundai

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Gut nutzbar: Blick in den 527 Liter fassenden Kofferraum. Foto: Hyundai

Die Rücksitzbank ein Stückchen nach vorne zu fahren, um auf diese Weise das Kofferraumvolumen (527 Liter) zu erhöhen, ist aber keine gute Idee. Transportgut rutscht schnell mal ungewollt in den Spalt zwischen Bank und Ladefläche und muss dann mühsam wieder herausgefischt werden. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Rückbank einfach komplett umzulegen. So sind rund 1.600 Liter Stauraum nutzbar.

Vor sich hat der Fahrer zwei jeweils 12,25 Zoll große Displays, die zusammen eine Einheit ergeben. Links werden alle fahrrelevanten Daten angezeigt, rechts das Infotainment-System. Dazu gibt es mit Blick auf den allgemeineren Digitalisierungstrend vergleichsweise noch recht viele Schalter im Cockpit. Mit dieser Ausgewogenheit dürften die Entwickler den Geschmack einer ziemlich breite Masse treffen. Vielen Skeptikern wird der Einstieg in die E-Mobilität zumindest in diesem Punkt etwas schmackhafter gemacht.

Serie: Im Cockpit gibt es zwei 12,25 Zoll große Displays. Foto: Hyundai

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Serie: Im Cockpit gibt es zwei 12,25 Zoll große Displays. Foto: Hyundai

Abbiegehinweise in der Windschutzscheibe

Premiere in einem Hyundai-Modell: Die Anzeige des Head-up-Displays lässt sich auf Wunsch mit Augmented-Reality-Elementen erweitern. Direkt im Blickfeld in der Windschutzscheibe zeigen etwa mehrere Pfeile an, dass an der nächsten Kreuzung nach rechts abgebogen werden muss. Die richtige Abfahrt zu verpassen, ist dadurch eigentlich unmöglich. Ein weiteres Beispiel für die AR-Vorzüge: Bei aktiviertem Autobahnassistent wird eine Linie am Heck des vorausfahrenden Fahrzeugs eingeblendet, dass stets den gewählten Abstand anzeigt.

Viele der verfügbaren Assistenzsysteme zählen bereits bei der Basisvariante (41.900 Euro) zur Serienausstattung. Unter anderem der etwas nervige weil ständig piepsende, übereifrige Spurhalteassistent. Wer beim Abbiegen ein Kamerabild des toten Winkels im digitalen Kombiinstrument sehen will oder nicht auf die Unterstützung der 360-Grad-Kamera verzichten möchte, muss die drei aufeinander aufbauenden Ausstattungspakete dazu buchen (11.850 Euro). Soll es die Topversion mit zwei Elektromotoren und der großen Batterie sein, kostet das 7.000 Euro. Im Falle des BT-Testwagens ist sogar noch das optionale Solardach (1.500 Euro) verbaut. Das soll laut Herstellerangaben im Optimalfall Energie für maximal 1.500 Kilometer pro Jahr produzieren. Grundsätzlich passt es zu Hyundais Nachhaltigkeitsgedanken, der auch im Innenraum präsent ist, wo viele recycelte Materialien zum Einsatz kommen.

Den zwei Elektromotoren mit einer Systemleistung von 305 PS und 605 Newtonmetern gelingt es spielend leicht die rund 2,1 Tonnen in rund fünf Sekunden auf Landstraßentempo zu beschleunigen. Der Fahrspaß ist hoch, auch wenn bei 185 Stundenkilometern bereits Schluss ist. Die Fahrmodi Sport, Eco und Normal lassen sich bezüglich des Ansprechverhaltens deutlich voneinander unterscheiden. Über die Schaltwippen am Lenkrad kann der Grad der Rekuperation eingestellt werden. In der Maximalstufe ist das bei E-Autos viel zitierte „One Pedal Driving“ möglich, Hyundai nennt die Funktion „i-Pedal“. Auf diese Weise stoppt das Auto sogar bis zum Stillstand ab, ohne dass der Fahrer dafür manuell bremsen muss. Mit etwas Eingewöhnungszeit klappt das richtig gut und macht sich auch in einem geringeren Verbrauch bemerkbar. Bei einer auf Effizienz ausgelegten Fahrweise lässt sich die Herstellerangabe von 17,7 kWh auf 100 Kilometer im BT-Test exakt erreichen. Das ist längst keine Selbstverständlichkeit und allein deshalb erwähnenswert.

Technische Daten

Hyundai Ioniq 5

Antrieb: 2 Elektromotoren

Systemleistung: 305 PS

Max. Drehmoment: 605 Nm

0 - 100 km/h: 5,2 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h (abgeregelt)

Verbrauch: 17,7 kWh/100 km

CO2-Ausstoß: 0 g/km

Reichweite: 460 km

Leergewicht: 2.095 kg

Maße (L/B/H): 4,64 m/1,89 m/1,61 m

Basispreis: 48.900 €

Testfahrzeuge werden der Redaktion von Herstellern unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Über Art und Inhalt der Berichterstattung bestimmt allein die Redaktion.

Ihr Autor

BT-Redakteur Dennis Schmidt

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Erstellt:
9. April 2022, 11:49 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 58sec

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