Turnverein Gausbach vor der Auflösung

Forbach (mm) – Die Enttäuschung beim Führungstrio des Gausbacher Turnvereins ist groß. Nach jahrzehntelanger Vereinsarbeit wollen Rüdiger Ochs, Thomas Krämer und Alfred Haas ihre Ämter abgeben.

Rüdiger Ochs ist seit 31 Jahren Vorsitzender des TV Gausbach. Er und seine Vorstandskollegen wollen nicht mehr weitermachen, es gibt keine Nachfolger. Foto: pr

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Rüdiger Ochs ist seit 31 Jahren Vorsitzender des TV Gausbach. Er und seine Vorstandskollegen wollen nicht mehr weitermachen, es gibt keine Nachfolger. Foto: pr

Nachfolger sind keine in Sicht – zum Jahresende droht somit nun die Auflösung des Traditionsvereins.
„Wir haben uns viele Jahre lang für den Verein engagiert“, berichtet der Vorsitzende Rüdiger Ochs im BT-Gespräch. Die Entscheidung, nicht mehr weiter für Vorstandsämter bereitzustehen, sei unwiderruflich. Ochs bekleidet sein Amt seit nunmehr 31 Jahren, Thomas Krämer verwaltet die Finanzen bereits über 35 Jahre und Schriftführer Alfred Haas schreibt über zwölf Jahre die Protokolle der Sitzungen.

Keine Geburtstagsfeierlichkeiten wegen Corona

Im vorigen Jahr sollte das 110-jährige Bestehen des Turnvereins in Gausbach groß gefeiert werden. Corona verhinder die Feierlichkeiten. Auch die Mitgliederversammlung mit Neuwahlen der Vorstandschaft fiel aus.

Einiges wurde bisher unternommen, um einen „Bruch“ beim TV zu verhindern. Bereits vor zehn Jahren versuchte die Vereinsleitung, einen Generationenwechsel in der Verwaltung einzuläuten. Unzählige Gespräche wurden geführt, regelmäßig die Mitgliederlisten durchgearbeitet, um geeignete Kandidaten zu finden. „Alles vergebens, es war total frustrierend“, berichtet Ochs.

Abteilungen bereits aufgelöst

Dazu kamen die Auflösungen der aktiven Abteilungen. Die „Seniorengruppe“, die Gruppe „Ü50“, die Gruppe „Familientreff“, die Abteilung „Indiaca“ – sie stellten ihre Aktivitäten ein, da keine Abteilungsleiter, Trainer oder Betreuer gefunden wurden, so der Vorsitzende. Auch die Mountainbike-Gruppe löste sich wieder auf. Der geplante Mountainbike-Trail vom Kaltenbronn bis zum Gausbacher Sportplatz, für den sich die Gausbacher Biker eingesetzt hatten, durfte nicht gebaut werden.

Selbst die starke Abteilung Kinderturnen musste aufgelöst werden: Es wurden keine Übungsleiter gefunden, berichtet der Vorsitzende. Übrig geblieben sei noch die „Montagsriege“, eine Gruppe älterer Damen, die sich mit Gymnastik fit halten will. Die Handballabteilung hat mit Forbach und Gernsbach fusioniert und läuft unter dem Namen HSG Murg. Der direkte Kontakt der Spieler zum Turnverein Gausbach sei längst Vergangenheit, so Ochs. Die Mitglieder der Ski-Abteilung machten inzwischen mehr Wanderungen als Skisport. Der Altersdurchschnitt und das Wegbrechen der Aktiven würden wohl auch dort zur Auflösung führen, so die Einschätzung des Vorsitzenden. Nur die Tischtennisabteilung zeige sich sehr stark und beständig.

„Brandbrief“ ohne Resultat

Vor zehn Jahren hatte der Verein 340 Mitglieder, heute sind es noch 270. Davon sind 80 Prozent passiv, also lediglich zahlende Unterstützer. 2019 wurden die Mitglieder durch einen „Brandbrief“ über die prekäre Situation unterrichtet und zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Diese war mit knapp 100 Anwesenden relativ gut besucht. Die Situation wurde von allen Seiten im Detail beleuchtet, alle möglichen Szenarien und Folgen einer Nichtbesetzung der Vorstandschaft dargestellt, blickt Ochs zurück. Die Bitte um Unterstützung blieb allerdings erfolglos. Selbst der Versuch von Ortsvorsteher Björn Gaiser und dem Ortschaftsrat im vergangenen Monat, eine Problemlösung oder Kandidaten zu finden, war erfolglos.

Wie geht es weiter? Rüdiger Ochs klingt hörbar enttäuscht: „Wir haben wirklich alles probiert, aber wenn wir keine Nachfolger finden, wird der Verein zwangsläufig aufgelöst werden müssen.“ Die Auflösung werde mit einstimmiger Zustimmung des gesamten Verwaltungsrats avisiert. „Wollen wir das wirklich?“, fragt Ochs, „ich kann es einfach nicht glauben.“ Es sollten sich doch ein paar Leute finden, die den Verein weiterführen, zeigt er sich kämpferisch. „Noch ist alles möglich. Ich gebe die Hoffnung immer noch nicht auf.“

Ab Januar kein Training mehr

So sieht der Zeitplan für die geplante Auflösung des TV Gausbach aus: Am Freitag, 12. November, soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung stattfinden. Der Verein weist ausdrücklich darauf hin, dass gemäß Paragraf 14 der Satzung diese nur beschlussfähig ist, wenn drei Viertel aller stimmberechtigten Mitglieder erscheinen. Sollte dieses nicht der Fall sein, findet eine zweite Versammlung am Freitag, 17. Dezember, statt.

Der Beschluss zur Auflösung des Vereins bedarf wiederum einer Drei-Viertel-Mehrheit der erschienenen Mitglieder. Wird diese erreicht, sind vom bisherigen Vorstand die Auflösung des Vereins und die gewählten Liquidatoren beim Registergericht in Mannheim anzumelden. Dort erfolgt dann die Eintragung des Vereinsnamens mit dem Zusatz „i.L.“ (in Liquidation). Geplant ist die Auflösung des Vereins zum 31. Dezember 2021. Danach beginnt das Liquidationsjahr. Ab dem 1. Januar 2022 sind dann sämtliche Aktivitäten einzustellen. Es darf nicht mehr trainiert werden und es dürfen keine Übungsstunden mehr stattfinden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Markus Mack

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Erstellt:
16. September 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 05sec

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