Über die Liebe zum Vierbeiner

Bühl (sga) – Menschen und ihre Tattoos: Für Achim Trefzger aus Altschweier ist der Hund „Buddy“ mehr als nur ein Tier. Dessen Pfote schmückt mittlerweile sogar die Brust des 55-Jährigen.

Achim Trefzger liebt Hunde – wie auch dieses Foto zeigt, das er dem BT zugeschickt hat. Foto: privat

© pr

Achim Trefzger liebt Hunde – wie auch dieses Foto zeigt, das er dem BT zugeschickt hat. Foto: privat

Sein Leben war bisher alles andere als leicht. Trotzdem verliert Achim Trefzger nicht die Hoffnung. Vor allem dann nicht, wenn er in die Augen seines siebenjährigen Hundes „Buddy“ schaut.

Der kleine Vierbeiner hat schon für viele schöne Stunden im Leben des Altschweierers gesorgt – und ihm im entscheidenden Moment ziemlich aus der Patsche geholfen. Deshalb trägt der 55-Jährige auch die Pfote seines tierischen Freundes in Form eines Tattoos auf der linken Brust. Sozusagen direkt über dem Herzen.

Es ist 2009, als Trefzger vor seinem persönlichen „Abgrund“ steht. „Mein Leben“, so der heutige Hundepapa, „war alles andere als schön.“ Sowohl privat als auch beruflich werden ihm immer wieder Steine in den Weg gelegt. Was mit der Scheidung von seiner Frau beginnt, endet mit Mobbing am Arbeitsplatz. Die Trennung von einer Person, die zuvor fester Bestandteil des Lebens war, sei nicht einfach. „Du versuchst dich mit allem abzulenken. Aber da war nichts, was mir hätte weiterhelfen können“, erinnert sich der 55-Jährige an die schwierige Zeit zurück.

„Ich habe alles versucht“

Wenig später muss Trefzger auch auf beruflicher Ebene mit negativen Einflüssen kämpfen. Seine Arbeitskollegen beginnen, ihn auszugrenzen und „auf psychischer Ebene und ununterbrochen“ fertigzumachen. „Ich gebe zu, dass nicht alle meine Entscheidungen immer die richtigen waren oder sind. Aber das gibt niemandem das Recht, einen Menschen bis über die Grenzen hinaus zu erniedrigen.“ Seine Kollegen bringen ihn „durch ihre ständigen, unmenschlichen Aktionen“ mehr als nur einmal an das Ende seiner Kräfte: „Ich hatte wirklich alles versucht, um mich mental wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Habe mir auch professionelle Hilfe geholt.“ Schließlich weiß Trefzger keinen Ausweg mehr. „Nichts schien mich zu meinem früheren Ich zurückzubringen.“

Doch dann besucht er ein Tierheimfest, auf dem er einen ganz besonderen Vierbeiner kennenlernt. „Ich habe mich an den Zaun gestellt und das Gewusel bei den Hunden beobachtet“, erzählt er. Schließlich nimmt er eine Olde English Bulldogge war, die ganz hinten in der Ecke sitzt, mit dem Kopf auf dem Boden liegend. „Der Tierpfleger hat mir gleich gesagt, dass ich das vergessen könne, weil der Hund sehr scheu sei und niemals zu fremden Menschen gehe“, erinnert sich Trefzger, „aber auf mich hat das nicht zugetroffen.“

Die Pfote seines besten Freundes trägt der 55-Jährige auf seiner linken Brust. Foto: privat

© pr

Die Pfote seines besten Freundes trägt der 55-Jährige auf seiner linken Brust. Foto: privat

Denn als der Vierbeiner ihn erblickt, kommt er sofort aus seiner Ecke getapst und sucht seine Nähe. „Da war es schon vorbei – ich war verliebt“, schmunzelt der Altschweierer, der zuvor niemals daran gedacht hat, Hundepapa zu werden. „Ich liebe Tiere. Aber ein eigenes stand für mich nie zur Debatte. Ich kam ja noch nicht mal mit meinen eigenen Problemen klar. Wie hätte ich für einen Hund sorgen können?“

Trotzdem geht der Kleine seinem heutigen Herrchen damals nicht aus dem Kopf. Bereits auf der Heimfahrt beschließt Trefzger: Er will den Hund bei sich haben. „Das war ein langer Prozess. Ich habe hart dafür gekämpft und bin mehrere Wochenenden hintereinander zu dem Tierheim gefahren, um ihn zu besuchen und den Pflegern zu zeigen, dass ich bereit für diese Aufgabe bin.“ Schließlich ist es endlich so weit: „Buddy“ darf mit Trefzger nach Hause fahren.

Hund wird zum besten Freund

Ab diesem Zeitpunkt ändert sich das Leben des Altschweierers schlagartig. „Alles, was ich zuvor verloren habe – Vertrauen, Glaube, Lebenswille – hat ,Buddy‘ mir doppelt zurückgegeben“, erzählt er mit brüchiger Stimme. Dass er es nicht immer leicht hatte, ist ihm deutlich anzumerken. Doch der Hund sei für ihn, wie der Name „Buddy“ schon sagt, in den vergangenen Jahren zum besten Freund geworden. Sogar die Couch und das Bett teilt er mit dem Vierbeiner, „zum Geburtstag gibt es natürlich auch ein Geschenk“. Sein tierischer Mitbewohner habe schon zwei Kreuzbandrisse hinter sich, „aber zusammen meistern wir alles, egal, was kommt“.

Weil er die Fellnase ganz tief in sein Herz geschlossen hat, trägt er sie seit mehreren Jahren auch genau dort in Form eines Tattoos. Auf seiner linken Brust steht, in verschnörkelten Buchstaben, „Buddys“ Name. Direkt darunter hat sich der

55-Jährige die Pfote und das Geburtsdatum stechen lassen. „Ich habe mich bewusst dafür entschieden und würde es immer wieder so machen“, führt er aus. Insgesamt trägt er sechs Bilder auf seiner Haut, „mit denen ich jeweils etwas ganz besonderes verbinde.“

Trefzger wird zum „Dogwalker“

Durch seine Liebe zu „Buddy“ hat Trefzger schnell gemerkt, dass Hunde ihm im Allgemeinen sehr treue Freunde sind. Deshalb verbringt der „Dogwalker“, wie er sich gerne selbst nennt, nicht nur mit seinem eigenen tierischen Begleiter viel Zeit. „Derzeit gehe ich mit fünf bis sechs Hunden Gassi“, erzählt er stolz. Neben Buddy ist eine weitere Olde English Bulldogge dabei, außerdem ein Labrador sowie drei Mischlinge. „Ich komme mit allen super aus und liebe die Tiere“, freut sich Trefzger über sein Hobby. Bis ins Elsass fährt der Hundeliebhaber teilweise – wenn es die Corona-Verordnung zulässt – um die Tiere abzuholen. Am liebsten dreht er seine Runden im Hügelsheimer Wald, „da sind wir in der Natur, haben unsere Ruhe und können ausgiebig miteinander spielen und unsere gemeinsame Zeit genießen“.

Ihr Autor

BT-Volontärin Sarah Gallenberger

Zum Artikel

Erstellt:
1. Februar 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 40sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.