Überbleibsel aus dem Kalten Krieg auf der Hornisgrinde

Schwarzwaldhochstraße (sazo) – Bunker auf der Hornisgrinde: Friedrich Wein berichtet während seiner Führungen Wissenswertes aus dem Kalten Krieg. Der nächste Termin ist im September.

Friedrich Wein beschäftigt sich seit 40 Jahren mit der Militärgeschichte auf der Hornisgrinde und hat dazu ein Werk verfasst. Foto: Sabine Zoller

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Friedrich Wein beschäftigt sich seit 40 Jahren mit der Militärgeschichte auf der Hornisgrinde und hat dazu ein Werk verfasst. Foto: Sabine Zoller

„Als höchster Berg des Nordschwarzwalds wurde die Hornisgrinde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht als Standort auserkoren, um eine Flugabwehrbatterie auf 1.163 Metern Höhe zu installieren“, erklärt Friedrich Wein, der auf dem beliebten Ausflugsziel im Nordschwarzwald mit seinen Bunkerführungen Wissenswertes auch aus der Zeit des Kalten Krieges berichtet.

Der unauffällige Eingang zum Bunker liegt direkt gegenüber der Grindehütte. Nur wenige Meter unterhalb der Erdoberfläche sind hier die Überreste aus der 60-jährigen Wehrgeschichte auf der Hornisgrinde zu sehen, die bis zum Jahr 1999 als Sperrgebiet ausgewiesen war und damit sowohl Einheimischen als auch Gästen den Zutritt durch Stacheldraht verwehrte.

Das militärische Sperrgebiet im Badischen weckt die Neugierde des Mannes, der aus Horb am Neckar stammt und 1997 das erste Mal Fotos von den damals noch vorhandenen umfangreichen Antennenanlagen auf der Hochfläche macht. Auch die riesigen Satellitenschüsseln, die Wein als „Ohren“ bezeichnet, sind in einer Bildergalerie im Bunker zu sehen. „Das hier belegt die Nutzung der Hornisgrinde als Nachrichtenstützpunkt“, so Wein, der im selben Atemzug hinzufügt: „Das war einer der größten französischen Nachrichtenstützpunkte außerhalb von Frankreich, denn in einer Zeit ohne Gespräche zwischen Ost und West reichten die Ohren des französischen Geheimdienstes von hier bis zum Ural.“ Im April 1945 hatte die französische Armee den Gipfel übernommen und über mehrere Jahrzehnte hinweg zur Nachrichtenermittlung genutzt. Aus dieser Zeit stammt auch die Bunkeranlage, die Mitte der 1950-er Jahre – also erst nach der Zeit der Nutzung durch die Wehrmacht – erbaut wurde.

Zu viel Nebel für die Flugabwehr

Ursprünglich gab es auf der Hochfläche verteilt zwischen dem großen und dem kleinen Sandsteinturm fünf Bunker, die festungsmäßig ausgebaut bereits vor Beginn des Zweiten Weltkriegs für die deutsche Luftverteidigungszone West entstanden sind. „Zur Luftabwehr von feindlichen Flugzeugen wurde auch eine Ringstraße gebaut und eine mit schweren Geschützen bestückte Flugabwehrstellung auf der Hornisgrinde installiert“, berichtet Wein, der aber im selben Atemzug hinzufügt: „Diese wurde allerdings schon wenige Wochen nach Fertigstellung im Spätsommer 1939 wieder aufgegeben.“ Der Grund dafür war die damals schon unsichere Wetterlage auf der Hornisgrinde. „Zu einem aktiven Einsatz ist es hier oben nie gekommen“, berichtet Wein, der Auskunft darüber gibt, dass es im Jahr 1939 viel zu viele Nebeltage gab, bei der die Sicht unter 100 Meter blieb. Daher nutzte die Wehrmacht den strategisch günstig gelegenen Bergrücken nur noch, um Jagdflugzeuge per Richtfunk zu leiten. „Aber hier ist niemand gelandet, es gab keinen Flugplatz auf der Hornisgrinde“, sagt Wein, der sich als Architekt mit der gesamten Anlage und damit 60 Jahre Militärgeschichte beschäftigt hat.

Während nach 1999 umfangreiche Maßnahmen durchgeführt wurden, um die Bauwerke beider Zeitepochen möglichst spurlos zu beseitigen, gelang es Wein durch unendlich viele Gespräche, auch unbekanntes Bildmaterial für die Ausstellung im Bunker zutage zu fördern. Heute gilt der Bunker als Erinnerungsort des Kalten Krieges und ist am 12. September 2021 zum „Tag des offenen Denkmals“ von 10 bis 16.30 Uhr geöffnet. Ab einer Gruppengröße von zehn Personen sind jederzeit auch Sonderführungen möglich. Auskunft gibt es unter (07486) 964434.

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Erstellt:
5. August 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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