Überflüssige Fahrten über den Rhein vermeiden

Stuttgart (bjhw) – Das Landesozialministerium gibt angesichts der Pandemie-Entwicklung im Nordelsass die Empfehlung ab, nicht unbedingt notwendige Reisen ins nördliche Elsass zu überdenken.

Die Grenzübergänge wie hier in Wintersdorf sollen nicht mehr geschlossen werden. Foto: Archiv

© red

Die Grenzübergänge wie hier in Wintersdorf sollen nicht mehr geschlossen werden. Foto: Archiv

Im Falle von Straßburg sollte sogar möglichst ganz darauf verzichtet werden. Anlass sind die immer weiter steigenden Zahlen der Corona-Infektionen jenseits des Rheins.

Hinzu kommt, dass nach dem bisherigen Vorgehen des Robert-Koch-Instituts in der Regel ganze Regionen in Frankreich und nicht nur die kleineren Départements gegebenenfalls zu Risikogebieten erklärt werden.

Zwei Zahlen unterstreichen den Unterschied: In der Region Grand Est, die bis gut 100 Kilometer vor die Tore von Paris reicht, liegt die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der bekannten Neuerkrankungen pro Woche auf 100000 Einwohner bei 30,2, im Département Bas-Rhin aber bei 41,4 und damit deutlich über der Warnschwelle. „Unsere Empfehlung ist, zurückhaltend zu sein“, sagt Wolf-Dietrich Hammann, der Amtschef im Sozialministerium, auf BT-Anfrage. Wer nicht zwingend reisen müsse, solle verzichten.

Vor allem Straßburg steht im Fokus der Behörden. Verhängt ist eine strenge Maskenpflicht. „Wer unaufschiebbare Verpflichtungen hat“, so Hammann weiter, „sollte größte Vorsicht walten lassen.“ Die Verantwortlichen im Land haben die Entwicklung im Elsass im Blick. Mit sogenannten Meldeköpfen wurden Mitarbeiter im öffentlichen Gesundheitsdienst benannt, die jederzeit erreichbar sind. „Wir machen uns Sorgen“, bekennt Hammann, „und sind deshalb in sehr intensivem Austausch.“

Quarantänepflicht mit vielen Ausnahmen

Grundlage des möglichen weiteren Vorgehens ist die Corona-Verordnung des Sozialministeriums vom 24. August. Wird Grand Est zum Risikogebiet, greift Paragraf drei und die darin geregelte „Absonderung für Ein- und Rückreisende“, konkret eine Pflicht zur 14-tägigen Heimquarantäne.

Allerdings gibt es viele Ausnahmen, darunter für Pendler und für alle, die „beruflich bedingt grenzüberschreitend Personen, Waren und Güter auf der Straße, der Schiene, per Schiff oder per Flugzeug transportieren“, für Mitarbeiter von Luft-, Schiffs-, Bahn- oder Busunternehmen oder als Besatzung von Flugzeugen, Schiffen, Bahnen und Bussen. Umfasst sind auch Familienmitglieder, die sich weniger als 48 Stunden und mit einem triftigen Reisegrund im Ausland aufgehalten haben. „Hierzu zählen insbesondere soziale Aspekte“, heißt es weiter, „wie etwa ein geteiltes Sorgerecht, dringende medizinische Behandlungen oder Beistand oder Pflege schutzbedürftiger Personen.“

Keineswegs ausgeschlossen ist jedoch, dass die Regelungen in einer neuen Verordnung auch noch einmal enger gefasst würden. Ziel bleibe, so Hammann, eine Schließung der Grenzen zu vermeiden. Auch deshalb sei es notwendig, auf freiwilliger Basis nicht unbedingt notwendige Ausflüge oder Besuche zu unterlassen.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Zum Artikel

Erstellt:
7. September 2020, 19:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 09sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.