Überraschende Alternativen aus der Hub

Von Joachim Eiermann

Ottersweier (jo) – Ottersweier will das wohl größte Bauvorhaben im Ort in diesem Jahrzehnt angehen: Den Hochwasserschutz. Das Klinikum Mittelbaden steuert hier im Bereich der Hub neue Ideen bei.

Überraschende Alternativen aus der Hub

Der Muhrbach in Höhe des Aspichhofs (im Hintergrund). In diesem Tal sollen bis zu 200.000 Kubikmeter Wasser im Hochwasserfall eingestaut werden. Foto: Joachim Eiermann

Mit voraussichtlich 8,4 Millionen Euro brutto wird es das wohl größte kommunale Bauvorhaben in Ottersweier in diesem Jahrzehnt. In die Vorplanung des Hochwasserrückhaltebeckens Münchof/Aspich kommt jetzt Bewegung. Das Klinikum Mittelbaden stellt überraschend Überlegungen an, den im Bereich der Hub zum Teil verrohrten Muhrbach freizulegen. Die Gemeinde Ottersweier hofft auf eine schnelle Entscheidung des Pflegeheimträgers.

Abrisse geplant

Das Terminziel der Kommune lautet, noch in diesem Jahr eine Einleitung in das Planfeststellungsverfahren zu erwirken. Das Hochwasserschutz-Projekt steht schon lange auf der Agenda, es schleppt sich seit Jahren dahin. „Wir können uns nicht länger ausbremsen lassen“, drückte Bürgermeister Jürgen Pfetzer in der Gemeinderatssitzung am Montagabend aufs Tempo.

Stefan Krämer vom Laufer Büro Zink Ingenieure präsentierte taufrische Entwürfe für das Hub-Areal. Über die bisherigen Vorstellungen hinaus sind seitens des Klinikums gleich vier Alternativen angedacht, die allesamt eine Öffnung des Bachs und damit dessen ökologische Aufwertung vorsehen. Damit für das Gewässer entsprechend Platz geschaffen werden kann, ist geplant, den lang gezogenen Handwerker-Bau abzureißen. Je nach Variante sollen weitere Nebengebäude fallen. Gezählt sind auch die Tage des über dem Bach errichteten Zweckanbaus des denkmalgeschützten Muhrbach-Hauses. Nur die Metzgerei, die der Aspichhof betreibt, bleibt Krämers Darstellung zufolge tabu. Das ursprüngliche Konzept sah – im Fall einer Überlastung des kanalisierten Bachabschnitts – ein kontrolliertes „Fluten“ der Handwerkergasse vor.

Schadensereignisse nehmen zu

Von der Hochwasserschutz-Konzeption generell tangiert sind zudem Teile des Besucherparkplatzes vor dem Haus „Augusta Sibylla“ und die beiden Teiche im Park. Zwei neue wasserbauliche Komponenten, eine Schützanlage und ein Abzweigbauwerk, sollen im Ernstfall die Wassermassen eines bedrohlich anschwellenden Muhrbachs in ein 200.000 Kubikmeter fassendes Stau-Reservoir auf der grünen Wiese lenken und so verhindern, dass die Wassermassen in die Schwarzwaldstraße überschwappen. In einem Talabschnitt unterhalb des Aspichhofs, wo sich der Muhrbach und der Aspichbach zum Dorfbach vereinen, ist eine bis zu zehn Meter hohe Mauer geplant (in Richtung des Laufer Ortsteils Aspich gelegen). Diese Wand soll ein Hochwasser der Kategorie „HQ 100“ aufhalten, wie es statistisch gesehen alle 100 Jahre auftreten kann.

Allerdings nehmen die Schadensereignisse aufgrund des Klimawandels zu. Im Bedarfsfall ließen sich auf der Dammkrone mit Spundwänden zusätzlich „70 Zentimeter draufpacken“, wie der Ingenieur erläuterte. Der technologische Fortschritt lässt ihn zudem auf eine „intelligente Steuerung“ im Hochwasser-Management hoffen. Pfetzer berichtete, eine Zusammenarbeit mit den Experten des Rheinpolders Söllingen/Greffern anzustreben, dessen Anlagen vom Regierungspräsidium Karlsruhe betrieben werden.

Der Staat, sprich das Land, ist auch bei der Finanzierung mit im Boot – mit maximal 70 Prozent, wie Krämer erklärte. Die Förderfähigkeit sei angesichts eines Kosten-Nutzen-Faktors von 1,3 gegeben. Von insgesamt 182 derzeit gefährdeten Gebäuden im Untersuchungsbereich werden den Berechnungen zufolge 180 geschützt. Lediglich in einem kleinen Bereich in Höhe der Römerstraße könnte der Dorfbach im Extremfall dann noch über die Ufer treten. Pfetzer kündigte an, die PC-Präsentation des Ingenieurs auf der Gemeinde-Homepage (www.ottersweier.de) zu veröffentlichen.

„Der Ball liegt jetzt beim Klinikum“

Das Projekt werde das Landschaftsbild verändern, räumte Renate Schababerle (CDU) ein, „doch die Vorteile überwiegen klar“. Außer dem Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser erwähnte sie auch, dass sich Grundstücke, die derzeit noch in der Gefährdungszone liegen, künftig bebauen ließen. Nico Paulus (Grüne) sprach von einem „Projekt für viele Generationen“. Alle Fraktionen begrüßten die geplante Freilegung des Muhrbachs, wünschten sich aber eine rasche Festlegung auf eine Variante, um das Verfahren endlich vorantreiben zu können. „Der Ball liegt jetzt beim Klinikum“, betonte Dieter Kohler (FWG). Herta Finkbeiner-Schilling (SPD) äußerte mit Blick auf die galoppierenden Baupreise: „Wir hoffen, dass das keine unendliche Geschichte wird.“ Einstimmig beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, die Planung mit dem Klinikum abzustimmen und eine Kostenvereinbarung zu treffen.