Überraschungen bei OB-Kandidatenkür in Baden-Baden

Baden-Baden (sre) – Insgesamt acht Kandidaten dürfen bei der OB-Wahl in Baden-Baden antreten. Darüber hat der Gemeindewahlausschuss am Mittwochabend abgestimmt.

Bald ist es so weit: Nun steht fest, wer bei der OB-Wahl am 13. März antreten darf. Foto: Joerg Donecker

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Bald ist es so weit: Nun steht fest, wer bei der OB-Wahl am 13. März antreten darf. Foto: Joerg Donecker

Ein abgelehnter Bewerber, ein auf unerklärliche Weise aufgerissener Umschlag, eine verlässliche „Losfee“: Spannende Momente bot am Mittwochabend die Sitzung des Gemeindewahlausschusses. Das Gremium hat entschieden: Es treten acht Kandidaten bei der Baden-Badener Oberbürgermeisterwahl am 13. März an. Neben den bereits bekannten Anwärtern auf das Amt werden auch Geschäftsführer Stefan Bäuerle und Industriekaufmann Peter Görtzel auf dem Wahlzettel stehen.

Stefan Bäuerle ist 58 Jahre alt und Inhaber der Scala Motion GmbH, über diese betreibt er einen Limousinenservice und hat auch eine Taxikonzession. Derzeit führe er die Firma als Ein-Mann-Betrieb, berichtete er am Mittwochabend im Gespräch mit dieser Redaktion. Er habe sie „pünktlich zu Corona“ gegründet, habe aber eine Vergrößerung in Planung. Die Firma ist für Bäuerle ein „zweites Standbein“, wie er betont: Parallel sei er Consultant in der Medien- und Verlagsbranche sowie im Bereich Maschinenbau. Bäuerle blickt auf eine abwechslungsreiche Karriere zurück: Er hat Betriebswirtschaft studiert und parallel zum Studium bereits als Chauffeur gejobbt. Später war er Assistent der Geschäftsführung beim Badischen Tagblatt, dann Leiter Unternehmensentwicklung beim Mittelbayerischen Verlag in Regensburg und Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft, danach 14 Jahre lang Geschäftsführer der Firma Funkinform in Ettlingen, bevor er 2014 in die Schweiz ging, um bei der bereits in Schieflage geratenen Pubicitas AG ein großes IT-Projekt aufzubauen. Als das Unternehmen 2015 verkauft wurde, kam Bäuerle zurück nach Baden-Baden und begann seine Tätigkeit als Berater.

„Ganz wichtig ist mir die Infrastruktur“, sagte er zu seinen Zielen für die Stadt. Sollte er als OB gewählt werden, wolle er etwas am Zustand der Straßen ändern, dieser sei „zum Teil unzumutbar“. Außerdem ärgert ihn die Erweiterung der Fußgängerzone um Fieserbrücke und Kreuzstraße sowie den Bereich vor den Kurhaus-Kolonnaden. Die Fragestellung im entsprechenden Bürgerentscheid habe man fehlinterpretieren können, meint Bäuerle und würde gern prüfen lassen, ob die Abstimmung wiederholt werden könnte. Die Sperrung sei für die Taxifahrer und die auf diese angewiesene Bevölkerung eine große Belastung.

•Kandidat mit bewegter Vita: Stefan Bäuerle. Foto: Privat

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•Kandidat mit bewegter Vita: Stefan Bäuerle. Foto: Privat

Ebenso wie Bäuerle bislang nicht öffentlich in Erscheinung getreten ist Peter Görtzel. Er ist Industriekaufmann und lebt in Köln. Eine Anfrage dieser Zeitung an den Kandidaten blieb gestern noch unbeantwortet. Auch Görtzels Bewerbung ist laut Gemeindewahlausschuss zulässig, ebenso wie die Bewerbungen von Margret Mergen (CDU), Roland Kaiser (Grüne), Rolf Pilarski (FDP), Peter Hank (Die Basis), Bettina Morlok (FBB) und Dietmar Späth.

Anders sieht es mit der neunten Bewerbung aus. Diese hatte Alessandro Carbonaro eingereicht. Der aus Rom stammende Hydraulik-Ingenieur lebt seit 22 Jahren in der Baden-Badener Innenstadt und wollte als parteiloser Kandidat antreten, wie er am Mittwochabend auf Nachfrage dieser Zeitung berichtete. Er habe dafür alle erforderlichen Unterlagen und 115 Unterstützer-Unterschriften persönlich in den Rathaus-Briefkasten geworfen, versicherte er. Das Problem: Laut Bürgermeister Alexander Uhlig ist ein „zerrissenes Kuvert“ im Rathaus angekommen, in dem das Bewerbungsschreiben und ein Großteil der erforderlichen 100 Unterschriften fehlten. Er habe Carbonaro am Montag telefonisch auf den Mangel aufmerksam gemacht, sobald er davon erfahren habe, berichtete Uhlig. Die Unterlagen seien aber bis Bewerbungsschluss am Montagabend nicht mehr nachgereicht worden. Der Gemeindewahlausschuss votierte deshalb einstimmig dafür, den Bewerber nicht zuzulassen. Carbonaro bedauerte das: Er habe ein „Bürgermeister auf Augenhöhe mit den Bürgern“ werden wollen. „Entweder ist irgendetwas passiert oder man wollte meine Kandidatur nicht“, mutmaßte er. Zum Zeitpunkt von Uhligs Anruf sei er in Paris gewesen und habe deshalb nicht mehr reagieren können.

Der Ausschuss hat aber nicht nur über die Zulassung der Kandidaten entschieden, sondern auch über die Reihenfolge der Namen auf dem Wahlzettel. Da die Bewerbungen von Amtsinhaberin Margret Mergen und Bürgermeister Roland Kaiser zeitgleich aus dem Rathausbriefkasten geholt wurden, wurde in diesem Fall per Los entschieden. Das Ergebnis: Kaiser wird ganz oben auf dem Wahlzettel stehen, gefolgt von Mergen. Danach kommen die anderen Kandidaten in der Reihenfolge, in der ihre Bewerbungen eingegangen sind: Pilarski auf Rang drei gefolgt von Hank, Morlok, Bäuerle, Görtzel und zuletzt Späth. Ebenfalls ausgelost wurde in der Sitzung, in welcher Reihenfolge die Kandidaten am 7. März sich bei der Vorstellung im Kurhaus präsentieren dürfen. „Losfee“ war das älteste Gremiumsmitglied, Stadtrat Heinrich Liesen. Er zog die Kandidaten in der folgenden Reihenfolge aus der Losbox: Morlok, Pilarski, Kaiser, Mergen, Hank, Späth, Görtzel, Bäuerle.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
17. Februar 2022, 21:01 Uhr
Lesedauer:
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