Übungsgeschehen liegt seit einem Jahr brach

Gernsbach (vgk) – „Es ist eine schwierige Zeit“, sagt Dennis Reiser, Kommandant der Gernsbacher Feuerwehr. In der Corona-Pandemie muss auch die Wehr viele Dinge beachten. Übungen sind nicht möglich.

Der Blaulichttag der Jugendabteilungen auf dem Salmenplatz weckt im August 2017 großes Zuschauerinteresse. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Der Blaulichttag der Jugendabteilungen auf dem Salmenplatz weckt im August 2017 großes Zuschauerinteresse. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Wie alle Rettungskräfte ächzen auch die Freiwilligen Feuerwehren (FFW) unter der Corona-Pandemie: keine Übungen, keine Zusammenkünfte, keine Kameradschaftspflege, keine Jugendarbeit. Das Übungsgeschehen liegt seit gut einem Jahr brach. Der Schutz der Bevölkerung ist jedoch zu jeder Zeit gewährleistet, betonen im BT-Gespräch der Gesamtwehrkommandant der FFW Gernsbach, Dennis Reiser, und sein zweiter Stellvertreter Daniel Klumpp.

Normalerweise gehört das regelmäßige Trainieren von Handgriffen, Brand- und Rettungsszenarien, technischen Hilfeleistungen und die Pflege der Gerätschaften zum Alltag eines aktiven Feuerwehrangehörigen. Doch seit Pandemiebeginn ruht der Übungsbetrieb weitgehend. „Es ist eine schwere Zeit“, führt Reiser aus.

Ende September des vergangenen Jahres erlaubten der Versicherungsträger, die Unfallkasse Baden-Württemberg sowie das Innenministerium wieder das Üben in Kleingruppen mit bis zu zehn Personen. Doch im Oktober war schon wieder Schluss damit. Der sogenannte „Lockdown light“ wurde in Kraft gesetzt. Seitdem findet so gut wie nichts mehr in Präsenz statt, bis auf die Einsatzdienste und die Pflege der Ausrüstung.

FFP2-Masken als ständige Begleiter

Zudem sind strenge Hygieneregeln zu befolgen. Der Gebrauch von Desinfektionsmitteln und das Tragen von FFP2-Masken, auch während eines Einsatzes, gehören dazu. Geändert ist unter anderem auch der Alarmierungsplan. Er ist an Pandemiestandards angepasst.

Die beiden Kommandanten erläutern, dass in den Einsatzplänen genau darauf geachtet wird, dass ein Fahrzeug immer, wenn möglich, mit den gleichen Personen und in Unterbesetzung zum Ort des Einsatzes fährt. Um die geringere Personenanzahl auszugleichen, wird mit mehreren Fahrzeugen angefahren.

Zwischenzeitlich gehören bei entsprechenden Einsätzen Infektionsschutzkleidung, FFP2- und FFP3-Masken, Schuhüberzieher, Schutzbrillen oder Säcke für kontaminierte Kleidung zur Standardausrüstung. Außerdem gelten nach Einsatzende und Rückkehr ins Feuerwehrhaus genaue Verhaltensregeln.

Nicht personalisierte Einsatzkleidung wie Flammschutzhauben, Atemschutzmasken und -geräte werden sofort (wie schon immer in der Atemschutzwerkstatt) gereinigt, desinfiziert und geprüft. Für die Gerätewarte gelten für diese Art der Tätigkeiten zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. „Den Ausrüstungsgegenständen könnte noch kontaminiertes Material anhaften“, erläutert Klumpp.

Trotz mangelnden Übungsgeschehens zeigen sich die Kameradinnen und Kameraden während eines Feuerwehreinsatzes routiniert und sicher handelnd. Gleichwohl wünschen sich Kommandant und Stellvertreter, dass die Fallzahlen sinken und der Übungsdienst in Kleingruppen wieder losgehen kann. Gleichfalls wünschen sie sich, dass auch die Mitglieder der Seniorenabteilung sowie der Kinder- und Jugendabteilung bald wieder am Feuerwehrleben teilhaben können.

Digitale Besprechungen

Als zuverlässige Informationsplattform für alle Feuerwehrkommandanten des Kreises haben sich in der Vergangenheit die 14-täglichen digitalen Dienstbesprechungen gezeigt. Kreisbrandmeister Heiko Schäfer: „Das Onlineformat hat sich bewährt, um fachliche Themen zu besprechen.“ Auch nach Corona soll dieses beibehalten werden. Gleichwohl könnten diese Formate auf Dauer regelmäßige Feuerwehrübungen in Präsenz nicht ersetzen, betont auch Schäfer. Ausgerichtet an der Inzidenz soll nach und nach ins Übungsgeschehen eingestiegen werden. Wichtig ist allen Feuerwehrkommandanten des Landkreises das gemeinsame Vorgehen. Virtuelle Meetings bewertet Schäfer als positiv. Denn neben den Mitgliedern der Jugendfeuerwehren machten auch die Alterskameraden regen Gebrauch von für sie speziellen Onlineangeboten, um miteinander in Kontakt zu bleiben.

Gleichwohl blicken die Verantwortlichen mit Sorge auf die Entwicklungen im Jugendbereich. Bis 2019 ging es mit der Anzahl der Beitritte stetig nach oben, die 1.000er-Marke wurde geknackt. Ob die Austritte von rund 80 Personen etwas mit Corona zu tun hätten, sei noch nicht erwiesen, betont der Kreisbrandmeister.

Zum Thema: 191 Aktive in Gernsbacher Feuerwehr

Die Freiwilligenquote der Feuerwehren liegt bundesweit bei rund 94 Prozent und 1.010.000 Aktiven (ohne Jugend). Die Frauenquote beträgt neun Prozent. Rund 270.000 Kinder und Jugendliche sind in Kindergruppen und Jugendfeuerwehren engagiert. In der Freiwilligen Feuerwehr Gernsbach (alle Abteilungen) sind 191 aktive Feuerwehrkameraden und -kameradinnen dienstverpflichtet.

Unter Pandemiebedingungen absolvierten diese vom März 2020 bis heute 165 Einsätze. Davon beinhalteten 45 Rettungseinsätze Patientenkontakte. Dabei handelte es sich um ganz normale Hilfeleistungen. Es gehöre zu den Aufgaben der Feuerwehrmänner und -frauen, die Rettungsdienste bei ihren Einsätzen zu unterstützen, wenn Türen zu öffnen oder Wohnungen schwer zugänglich sind. Darauf verwies Daniel Klumpp, stellvertretender Kommandant.

Hauptübung: Einmal im Jahr treffen sich die Jugendabteilungen, unterstützt von den Jugendlichen des DRK-Ortsvereins Gernsbach, zu einer gemeinsamen Übung. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Hauptübung: Einmal im Jahr treffen sich die Jugendabteilungen, unterstützt von den Jugendlichen des DRK-Ortsvereins Gernsbach, zu einer gemeinsamen Übung. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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4. März 2021, 14:00 Uhr
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