Umfangreiche Schutzmaßnahmen im Benzwerk Gaggenau

Gaggenau (uj) – Bevor das Benzwerk in Gaggenau ab 20. April wieder hochgefahren werden konnte, waren zahlreiche Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus erforderlich. Geöffnet hat jetzt auch wieder das Betriebsrestaurant in Gaggenau, allerdings nur für Werksangehörige. Auch dort wurden diverse Maßnahmen umgesetzt.

Bei der Fertigung von Achsen für den Arocs-Lkw im Benzwerk Gaggenau tragen Mitarbeiter freiwillig Schutzmasken. Foto: Jahn

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Bei der Fertigung von Achsen für den Arocs-Lkw im Benzwerk Gaggenau tragen Mitarbeiter freiwillig Schutzmasken. Foto: Jahn

Corona hält die Welt in Atem. Das Virus hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. So auch auf die Industrie. Die Verantwortlichen des Mercedes-Benz-Werks stellten am Dienstag vor, welche Maßnahmen im Werk Gaggenau und im Werkteil Rastatt ergriffen worden sind.

„Wir haben das alles in zwei Wochen geplant und umgesetzt“, berichtete Standortleiter Thomas Twork. Umfangreiche Hygienemaßnahmen wurden ergriffen, Arbeitsabläufe neu konzipiert – damit möglichst keine Viren verbreitet werden. Oberste Priorität hat wie in allen Bereichen der Abstand. 1,50 Meter Mindestabstand sollen eingehalten werden.

Rund 6400 Mitarbeiter hat das Benzwerk Gaggenau. Rund 70 Prozent davon sind aktuell tätig, erklärt Twork. Wichtig ist, dass sich die Mitarbeiter im Betrieb möglichst nicht direkt begegnen. Deshalb wurden verschiedene Einbahnstraßen eingerichtet und mit Klebefolien und Pfeilen markiert. Die Folien sollen demnächst durch richtige Farbe ersetzt werden, betont Twork.

Im Bereich Achsen müssen nicht alle Mitarbeiter Masken tragen, betont Maria Zambrano, Abteilungsleiterin Produktion Achsen und Werkslogistik der Daimler AG in Gaggenau, bei einem Werksrundgang für Vertreter der Presse und der Stadtverwaltung. Achsen zum Beispiel für den Arocs (Lastwagen und Sattelzugmaschinen für On- und Off-Road-Betrieb rund um den Bausektor) werden von einem Mitarbeiter von Anfang bis zum Ende alleine gebaut. Dort besteht keine Maskenpflicht. Aber viele Mitarbeiter verwenden sie freiwillig. Nur wenn man mit Kollegen zusammenarbeitet, seien Masken Pflicht. Sie werden vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, sagt der Standortleiter.

Überall hängen in dem Gaggenauer Werk Hinweise mit Verhaltensmaßnahmen und Sicherheitsvorschlägen bezüglich Corona. Mittels zahlreicher Bildschirme werden zudem Hintergründe den Mitarbeitern vermittelt. Im Werk Gaggenau wird die Produktion seit 20. April wieder hochgefahren. Im Bereich Achsen war am 22. April der Restart. Die Mitarbeiter müssen nur bei Schichtbeginn stempeln, zum Arbeitsende entfällt dies. Dadurch sollen Warteschlangen vermieden werden.

Neuerungen gibt es zudem in den Gruppenräumen, in denen Mitarbeiter ihre Pausen verbringen. Auch dort muss Abstand gehalten werden. Einige Tische und Sitzgelegenheiten wurden entfernt. Im Arbeitsablauf sind unter anderem zeitlich versetzte Pausen die Folgen. Auf dem ganzen Werksgelände gibt es unter anderem Hinweise bezüglich der maximal zulässigen Personenzahl. So dürfen zum Beispiel kleinere Aufzüge wegen des Mindestabstands nur von einer Person genutzt werden. Türen sind, sofern Produktionsgründe nicht dagegen sprechen, grundsätzlich geöffnet. „1,5 Meter Mindestabstand werden häufig unterschätzt“, weiß Twork aus Erfahrung.

Einbahnstraße im Betriebsrestaurant

Damit dieser Mindestabstand eingehalten wird und sich die Mitarbeiter nicht begegnen, gibt es auch im Betriebsrestaurant verschiedene Neuerungen. Das Wichtigste zuerst: Es hat wieder geöffnet, aber nur für Betriebsangehörige. Im Gebäude gibt es auch hier ein Einbahnstraßensystem. Markierungen auf dem Boden weisen den Weg zur Tablett- und Besteckausgabe, zu den einzelnen Speisenausgaben und der Kasse bis hin zu den Sitzplätzen im Restaurantbereich. Standen dort bislang rund 500 Plätze zur Verfügung, sind es jetzt nur noch 102. Neben dem Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Tischen werden Vierertische mittels Plexiglasscheiben abgetrennt. Aber noch nicht alle, weil Plexiglasscheiben aktuell stark gefragt sind. Mit einem rund zweieinhalbfachen Umlauf können etwa 300 Mitarbeiter, meist aus dem Angestelltenbereich, versorgt werden.

„Die Mitarbeiter sollen sich sicher fühlen und fühlen sich auch sicher“, sagt Udo Roth, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Gesperrt ist der Außenbereich, da dort Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden können.

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Erstellt:
27. Mai 2020, 06:30 Uhr
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