Umfrage: „Automatik ist Geschmackssache“

Murgtal (ham) – Der Pkw-Hersteller Daimler will sich von der Getriebeschaltung von Hand verabschieden. Das BT hat sich umgehört: Was halten Autofahrer von dieser Idee?

Der Bischweierer Lothar Rittler bedauert, dass Mercedes künftig auf Gangschaltungen wie Kombis verzichten will. Foto: Hartmut Metz

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Der Bischweierer Lothar Rittler bedauert, dass Mercedes künftig auf Gangschaltungen wie Kombis verzichten will. Foto: Hartmut Metz

Es ist eine Lebensentscheidung wie Pommes mit oder ohne Ketchup: Gangschaltung oder Automatik im Auto? Die einen schwören aufs sportliche Kurbeln durch die Gänge, die anderen hassen die Schaltung seit der Fahrschule und schwören auf ein Automatikgetriebe. Mercedes kündigte an, künftig keine Handschalter mehr anzubieten. Zudem soll das T-Modell, der Kombi mit dem Stern, mangels Nachfrage in den Hauptmärkten USA und China auslaufen.

Sascha Ljubic (43) aus Bischweier fährt eine E-Klasse: „Ich fuhr bisher meist einen Mercedes, weil ich dort arbeite. Weil ich Automatik fahre und diese seitdem schätze, macht es mir nichts, wenn die Gangschaltung nicht mehr angeboten wird. Sie ist Geschmackssache. Dass auf den Kombi verzichtet werden soll, finde ich doof.“

Patrick Karcher (42) aus Ottenau besitzt eine A-Klasse: „Ich fahre nun schon den sechsten Mercedes. Ein Kombi war noch nie darunter. Wenn man sich erst an die Automatik gewöhnt hat, will man keine Gangschaltung mehr. Sie ist vor allem im Stau weniger bequem als eine Automatik.

Wolf-Eckhard (79) und Ingeborg John (77) aus Rastatt haben einen VW Golf Plus: „Bisher sind wir nur Gangschaltung gefahren. Beide Mercedes-Entscheidungen sind an den Kunden vorbeigedacht. Als Kombi-Ersatz sehen wir die geräumigen SUVs nicht. Die dienen nur als Statussymbol und sind unmöglich.“

Wolf (73) und Helga Muschard (68) aus Selbach fahren ein T-Modell der E-Klasse: „Keine Kombis mehr? Das ist schlecht“, sagt Wolf Muschard, „ich fahre seit 40 Jahren Mercedes. Die Gangschaltung vermisse ich nicht, wer braucht die heute noch? Aber da ich seit Jahrzehnten immer ein T-Modell habe, würde mir das fehlen. Mein Händler sagte mir noch, dass das neue Modell in zwei Jahren auf den Markt kommen würde. Ich brauche einen Kombi, weil der viel Platz bietet, um Gartenabfälle zu entsorgen oder das Sportzeug darin zu transportieren.“

Lothar Rittler (60), Mercedes-Mitarbeiter aus Bischweier, fährt einen Mercedes GLE: „Das Aus für Gangschaltungen finde ich schade. Damit fährt es sich doch sportlicher. Mein Leasing-Fahrzeug wird auch nur mit Automatik angeboten. Wir haben daheim eine ältere A-Klasse mit Sechs-Gang-Getriebe, die ich gerne schalte. Nur im Stau ist die Automatik besser, weil man nicht ständig kuppeln muss. Der Trend geht wohl nicht nur bei unserem Schwiegersohn zur Automatik. Die kostet allerdings auch rund 3.500 Euro mehr, die müssen sich Käufer erst leisten können. Die Aufgabe des Volumenmodells ist in meinen Augen Unsinn: Mercedes verliert so in Europa viele Kunden an Konkurrenten, die weiter Kombi anbieten – zumal Mercedes-Fahrzeuge ohnehin kein Schnäppchen sind.

Ralf Albani (55) aus Kuppenheim ist mit einem Ford Mustang GT unterwegs: „Ich bin früher immer Mercedes mit Gangschaltung gefahren. Das Aus für die Gangschaltung halte ich für Unsinn, auch wenn es bei meinem Mustang mit 500 PS nur mit Automatik geht. Aber sollte ich in den Kreis der Mercedes-Fahrer zurückkehren, probiere ich die Automatik eben aus. Ein Problem habe ich damit nicht. Für totalen Quatsch halte ich den Verzicht auf Kombis. Ich hatte schon drei.

Rudibert Rieger (66) aus Michelbach fährt einen VW Golf TSI: „Ob sich der Verzicht auf Gangschaltung durchsetzt? Mir ist es egal, ich fuhr zwar bisher nur Gangschaltung, kann aber mit beidem fahren. Nur beim Fahren mit Hänger ist die Gangschaltung besser. Die SUVs sind in meinen Augen zu groß und schwer und kein Ersatz für Kombis. Aber deren Aus sehe ich auch gelassen.“

Alexander Hatz (54) aus Bischweier fährt eine E-Klasse: „Bisher fuhr ich immer Schalter. Ich sehe das indes nicht dogmatisch, es ist alles Gewöhnungssache. SUVs als Ersatz für Kombis finde ich nicht gut: Die Autos sind eh alle zu groß und schwer. Meine Mercedes-Sportsitze mit dem Kunstleder Artico hielten keine 40.000 Kilometer und weisen auch laut vielen Kundenklagen im Web Qualitätsprobleme auf. Mercedes kennt die Mängel, macht Hochglanzwerbung, aber kümmert sich nicht darum. Wenn das laut ihrem Slogan ,das Beste oder nichts‘ ist, können die künftig ihre Autos behalten.“

Bericht zum Thema Getriebe-Automatik.

Ihr Autor

BT-Redakteur Hartmut Metz

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Erstellt:
30. Januar 2022, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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