Umfrage des WVIB: Badische Industrie verhalten optimistisch

Freiburg/Baden-Baden (tas) – Die derzeitige konjunktuerelle Lage ist für die exportstarken Industriebetriebe entlang des Oberrheins eine echte Belastung. Trotzdem blieben viele zuversichtlich.

WVIB-Hauptgeschäftsführer Christoph Münzer: „Es reicht nicht, wenn es nur in Deutschland wieder gut läuft, es muss weltweit gut laufen.“ Foto: WVIB

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WVIB-Hauptgeschäftsführer Christoph Münzer: „Es reicht nicht, wenn es nur in Deutschland wieder gut läuft, es muss weltweit gut laufen.“ Foto: WVIB

Trotz der schlimmsten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte bleiben die Industrieunternehmen entlang des Oberrheins vergleichsweise optimistisch. Das zeigt die aktuelle Halbjahresumfrage des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmen Baden (WVIB Schwarzwald AG) mit Sitz in Freiburg.
24 Prozent der Unternehmen erwarten für das zweite Halbjahr 2020 steigende Umsätze, ein Jahr zuvor waren es 25 Prozent. 35 Prozent rechnen dagegen mit sinkenden Einnahmen, im ersten Halbjahr 2019 gingen 26 Prozent der Befragten davon aus. Der optimistische Blick in die Zukunft betrifft auch die erwartete Entwicklung der Auftragseingänge in den kommenden sechs Monaten: Steigende Zahlen erwarten 29 Prozent (2019: 25 Prozent), während 31 Prozent mit einem Rückgang rechnen (2019: 23 Prozent).

„Nach zehn Jahren fast ununterbrochenen Wirtschaftswachstums waren wir selten besser auf die Krise vorbereitet. Deshalb ist die aktuelle Stimmung besser als die Lage“, bewertete WVIB-Hauptgeschäftsführer Christoph Münzer am Donnerstag die Situation der badischen Industriebetriebe in Zeiten von Corona.

Dabei ist die aktuelle Lage alles andere als entspannt. Wie die Auswertung weiter ergab, verzeichneten die WVIB-Mitgliedsunternehmen in den ersten sechs Monaten einen deutlichen Umsatzrückgang von durchschnittlich zwölf Prozent. Ein Jahr zuvor konnten noch Zuwächse von vier Prozent verzeichnet werden. Vom Einbruch besonders betroffen sind Betriebe aus dem Automobilsektor und der Metallverarbeitung. Insgesamt mussten 80 Prozent der Unternehmen Einnahmerückgänge hinnehmen.

„Eigenkapital schmilzt gerade dahin“

„Kaum eine Region der Welt ist global so vernetzt wie der Schwarzwald. Ein Stocken in den Lieferketten trifft uns ins Mark“, sagte Münzer. Seinen Aussagen zufolge gehen 70 Prozent der Wertschöpfung der WVIB-Betriebe raus in die Welt. „Es reicht daher nicht, wenn es nur in Deutschland wieder gut läuft, es muss weltweit gut laufen.“

In der Folge der Pandemie kam auch der industrielle Beschäftigungsmotor erstmalig seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 ins Stocken. Insgesamt sank die Anzahl der Beschäftigten in den WVIB-Betrieben um 552 Personen. Im Vorjahreszeitraum stieg die Mitarbeiterzahl noch um 2.900.

Auf die Frage „Ab wann rechnen Sie wieder mit einem Umsatzniveau wie 2019?“ antworteten 16 Prozent der Befragten mit 2020. 35 Prozent gehen davon aus, im Jahr 2021 wieder auf dieses Niveau zu kommen, 30 Prozent rechnen damit, das Umsatzniveau 2022 zu erreichen, 14 Prozent haben es erst für 2023 im Visier. „Der Corona-Schock sitzt allen in den Knochen, er wird uns noch viele Monate begleiten“, sagte Münzer. „Eigenkapital schmilzt gerade dahin, Verschuldungsgrade steigen, aber das Ende der Welt ist nicht in Sicht.“

Der WVIB hat mehr als 1.000 Mitgliedsunternehmen entlang des Oberrheins mit zusammen rund 250.000 Beschäftigten in der Region. Einige der Betriebe sitzen auch in Baden-Baden und dem Landkreis Rastatt.

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Erstellt:
24. Juli 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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