Umfrage zum Leben in Rheinau-Nord ausgewertet

Rastatt (ema) – Die Gemeinwesenarbeit in Rheinau-Nord hat eine Umfrage im Zuge eines Nachbarschaftsprojekts des Landes ausgewertet. Sie zeigt: Die meisten Bewohner des Stadtteils sind zufrieden.

Sozialarbeiterin Karin Hub (rechts) mit Praktikantin Johanna Scharif. Foto: Frank Vetter

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Sozialarbeiterin Karin Hub (rechts) mit Praktikantin Johanna Scharif. Foto: Frank Vetter

Wenn Karin Hub über Rheinau-Nord spricht, dann schwingt auch ein bisschen Stolz mit. „Hier ist einiges entstanden“, sagt die städtische Sozialarbeiterin über den Stadtteil mit seinen rund 1.900 Menschen. Seit mehr als 13 Jahren gestaltet sie die Gemeinwesenarbeit in Rheinau-Nord. Jetzt soll der Stadtteil neue Impulse erhalten – mit dem von der Landesregierung finanziell geförderten Projekt „Nachbarschaftsgespräche. Zusammenleben – aber wie?“

Als Rastatt im Sommer den Zuschlag aus Stuttgart bekam, machte sich der zuständige Fachbereich an die Arbeit – unterstützt von der Bürgervereinigung Rheinau-Nord und dem Verein für soziale Dienste (SKM) als zivilgesellschaftliche Partner. Um herauszufinden, wie sich der Zusammenhalt stärken lässt, verständigten sich die gebildeten Projektgruppen zunächst mal darauf, auf die Suche zu gehen: Was bewegt eigentlich die Menschen in Rheinau-Nord, welche Wünsche und Bedürfnisse haben die Bewohner? Die Initiatoren sammelten Stimmen – auf der Straße, vor der Ladenzeile, bei der Einschulungsfeier in der Gustav-Heinemann-Schule. Mehr als 200 Gespräche habe man geführt, berichtet Karin Hub. Dazu verteilte man 170 Flyer in Herzform mit dem Slogan „Mein Herz schlägt für die Rheinau-Nord“, auf denen Interessierte ihre Meinung niederschreiben konnten.

Die meisten sind mit ihrem Umfeld zufrieden

Nach der Auswertung der Rückmeldungen kann die Sozialarbeiterin festhalten, dass die meisten mit ihrem Lebensumfeld ziemlich zufrieden sind: Familienfreundliche Strukturen mit Kindergarten (ein zweiter kommt demnächst hinzu), Schulen, Jugendtreff und Spielplätzen, eine gute Infrastruktur, günstige Verkehrslage und trotzdem die Qualitäten eines Naherholungsraums an der Murg. Ein Indiz, dass es sich hier gut leben lässt, sieht Karin Hub auch darin, dass in den beiden letzten Neubaugebieten Menschen ein Eigenheim bezogen haben, die vorher schon in Rheinau-Nord wohnten.

Einer der Kritikpunkte: Der Spiel- und Bolzplatz am Murgdamm soll attraktiver werden. Foto: Frank Vetter

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Einer der Kritikpunkte: Der Spiel- und Bolzplatz am Murgdamm soll attraktiver werden. Foto: Frank Vetter

Was ist also dran an dem (Vor)Urteil, dass sich in diesem Stadtteil, der schon seit seiner Erschließung in den 1970er-Jahren vom Zuzug der Migranten geprägt ist, die Bevölkerungsgruppen eher distanziert gegenüber stehen? Hub weiß um das „Imageproblem“ – und sieht dessen Ursache vor allem als Ergebnis eines Blicks von außen. „Hier sind die Probleme auch nicht größer als woanders“, meint sie. „Eine Abschottung kann ich nicht erkennen.“ Von einem Brennpunkt will sie schon gar nicht sprechen. „Der Stadtteil ist bunt. Ich sehe Vielfalt und ein gutes Zusammenleben.“

Kritik als Zeichen von Normalität

Die Sozialarbeiterin zählt einige Punkte auf, die im Laufe der Jahre für das gewachsene Engagement im Stadtteil sprechen: angefangen von Projekten der Kooperationspartner wie der Bürgervereinigung, den diversen Gruppen mit interessengeleiteten Angeboten, Treffs wie das Lese-Café bis hin zum Angebot einer Klavierlehrerin, die Kindern Unterricht gibt, die sich die Musikschule nicht leisten können.

Für eine gewisse Normalität sprechen nach Einschätzung der Sozialarbeiterin auch kritische Rückmeldungen der Bürger. Denn was an Verbesserungswünschen kommt, könnte woanders ebenso ein Thema sein. Der Verkehr habe zugenommen; es gebe nicht genügend Parkplätze; die Busanbindung sei nicht optimal; der Spiel- und Bolzplatz an Murgdamm solle attraktiver werden; es könnte sauberer sein – Auszüge aus dem Katalog der Äußerungen.

Was das für den Fortgang des Projekts bedeutet, ist noch offen. Der zuständige Kundenbereichsleiter Miguel Rodriguez sagt, man sei noch in der „Sondierungsphase“ und wolle nun mit den Bürgern in einer Art „Austauschprozess“ Schwerpunkte erarbeiten. Eigentlich war im Herbst ein Großtreffen im Gemeindehaus Heilig-Kreuz geplant, um die Ergebnisse der Erhebung zu diskutieren. Corona bremste. Jetzt will man die Begegnung im Frühjahr nachholen – um auszuloten, wie die Menschen in Rheinau-Nord noch besser zusammenfinden können.

Ihr Autor

Egbert Mauderer

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Erstellt:
30. Dezember 2020, 08:40 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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