Umweltschäden werden neu berechnet

Stuttgart (bjhw) – Weil bei vielen Investitionsentscheidungen die Kosten von Umweltzerstörungen nicht oder nur unzulänglich berücksichtigt werden, wollen Grüne und CDU mit gutem Beispiel vorangehen.

Fotovoltaikanlagen und begrünte Dächer sollen nur ein Anfang sein. Symbolfoto: Andrea Warnecke/dpa

© dpa

Fotovoltaikanlagen und begrünte Dächer sollen nur ein Anfang sein. Symbolfoto: Andrea Warnecke/dpa

Im Koalitionsvertrag ist die Einführung eines CO2-Schattenpreises festgelegt für alle Vorhaben, bei denen das Land als Bauherr auftritt. „Um keine Verwirrung aufkommen zu lassen“, erläutert Umweltministerin Thekla Walker (Grüne), „dieser Preis wird nicht bezahlt, sondern er geht in die Berechnung der Wirtschaftlichkeit ein.“ In Anwendung ist die neue Methode unter anderem beim Neubau der Justizvollzugsanstalt in Rottweil.

Was bewirkt ein Schattenpreis?
Umweltschäden einzurechnen erleichtert die Folgenabschätzung und hätte Auswirkungen auf viele Bereiche, von der Dienstreisen-Organisation, weil das Flugzeug angesichts des Schadstoffausstoßes auf kurzer Strecke keinesfalls konkurrenzfähig wäre, bis zur Ausstattung von Wohnungen oder Büros, von Bauvorhaben bis zur Auswahl der preisgünstigsten Anbieter. Denn möglicherweise kämen mit Schattenpreisen ganz andere Firmen zum Zuge oder es würden andere Geräte beschafft. Für Verbraucher würde, bei einer transparenten Darstellung, deutlich, welche Kaufentscheidung wie zur Erderwärmung beiträgt. Das Umweltbundesamt (UBA) hat beispielsweise, um die tatsächlichen Verhältnisse zu verdeutlichen, Umweltkosten pro Kilometer errechnet: Im Benziner sind es 4,66 Cent, im Linienbus hingegen nur 2,70. Walker kündigt an, die Anwendung von CO2-Schattenpreisen auf Waren und Güter zu prüfen, und zwar nicht nur bei der Nutzung von Gütern und Produkten, sondern von der Herstellung bis zur Entsorgung oder dem Recycling.

Wie geht die Landesregierung in Rottweil vor?
Mit 25.000 Quadratmetern Nutzungsfläche ist der Rottweiler Neubau gegenwärtig eines der bedeutendsten Bauvorhaben im Land. Wie Walker mitteilt, wird ein CO2-Schattenpreis von 180 Euro pro Tonne CO2 bei den Wirtschaftlichkeitsvergleichen zur Energieversorgung erprobt. Bereits gezeigt habe sich, dass die Nutzung erneuerbarer Energien auf diese Weise „wirtschaftlich vertretbar“ ist. Das heißt, ohne dem Kohlendioxid ein Preisschild zu verpassen, kämen deutliche weniger Erneuerbare zum Zuge. Und zwar über die ohnehin vorgesehenen Fotovoltaikanlagen und die Begrünung der Dächer hinaus.

Wie kommt der Preis zustande?
Im Koalitionsvertrag sind 180 Euro pro Tonne CO2 festgelegt. Für das Jahr 2021 sind 201 Euro errechnet, Tendenz steigend. „Die Landesregierung wird zu gegebener Zeit über eine etwaige Anpassung sowie deren Höhe entscheiden“, sagt die Umweltministerin. Der FDP-Fraktion ist das zu unpräzise. Die Koalition habe beim Schattenpreis noch gar keinen Plan, kritisiert der klimapolitischer Sprecher Daniel Karrais, wie sie diesen konkret umsetzen will. Das Finanzministerium verweist dagegen auf die sechs Modellvorhaben, neben Rottweil unter anderem in Stuttgart, Esslingen und Heidelberg, und darauf, dass weitere Pilotprojekte in Vorbereitung sind.

Ihr Autor

BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Zum Artikel

Erstellt:
26. August 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.