Umweltschutz fängt im Badezimmer an

Baden-Baden (marv) – Wie man bei der täglichen Hygiene auf Kunststoffe und Mikroplastik verzichten kann. Unverpacktes und Selbstgemachtes liegen im Trend auch bei Beauty-Produkten wie Kosmetika.

Plastikverzicht beim Einkauf: Einfach ein Stück Hartseife den Flüssigseifen in Plastikflaschen vorziehen. Foto: Christin Klose/dpa

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Plastikverzicht beim Einkauf: Einfach ein Stück Hartseife den Flüssigseifen in Plastikflaschen vorziehen. Foto: Christin Klose/dpa

Ein plastikärmeres oder sogar plastikfreies Leben streben derzeit immer mehr Menschen an. Re- und Upcyceln liegen im Trend. Der Verzicht auf Plastiktüten ist gesellschaftlich anerkannt – zumindest besser als noch vor ein paar Jahren. Strohhalme aus Plastik werden kontrovers diskutiert – spätestens, seit Fotos und Videos von leidenden Delfinen und anderen Meerestieren um die Welt gingen.

Laut Georg Abel, Geschäftsführer des Vereins „Die Verbraucher Initiative“ und Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Verbraucher, hat sich die Plastikproduktion seit Mitte der 1970er Jahre weltweit versiebenfacht. Rund ein Viertel der gesamten Kunststoffproduktion wird für Verpackungen benötigt. Zwischen 2005 und 2015 ist der Verpackungsmüll in Deutschland laut der „Verbraucher Initiative“ um 29 Prozent gestiegen. Von den jährlich 78 Millionen Tonnen der weltweit gebrauchten Plastikverpackungen gelangen der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) zufolge 32 Prozent unkontrolliert in die Natur. Allein im Meer landen jährlich Tausende Tonnen Plastik. Dieses braucht Hunderte von Jahren, bis es zu Mikropartikeln zerfällt – verrotten kann Plastik hingegen nicht.

Duschgel und Flüssigseife nachfüllen

Wenn man sich im eigenen Badezimmer umsieht, findet man viele Kosmetikprodukte, die in Plastik verpackt sind. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man, wenn man über die nötigen Chemie-Kenntnisse verfügt, auch in der Liste der Inhaltsstoffe Plastik und Kunststoffe, meist sogenanntes Mikroplastik. So nennt man Plastikpartikel mit einem Durchmesser oder einer Länge von weniger als fünf Millimetern. Zum Beispiel „Microbeads“, kleine Kügelchen in Kosmetikprodukten wie Duschgels, Peelings oder Zahnpasta. Diese gelangen anschließend über das Abwasser in Gewässer und Ozeane. Dort werden sie dann beispielsweise von Muscheln, Fischen oder weiteren Meerestieren für Plankton oder andere Nahrung gehalten und gefressen. Selbst am Point Nemo, der Stelle im Südpazifik, die auf der Erde am weitesten vom nächsten Festland entfernt ist, haben Wissenschaftler des Geomar-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel Mikroplastik im Meerwasser gefunden. Auch aufgrund dieser Funde wollen unter anderem der BUND, Greenpeace und die „Verbraucher Initiative“ zu bewussterem Einkaufen sowie Re- und Upcycling anregen. Georg Abel sagte dazu: „Wir alle sind in Gewohnheiten, in unserer Routine verhaftet.“ Über Broschüren und Handbücher wolle man deshalb informieren, aber auch motivieren. Denn, so Abel: „Die meisten Menschen haben ein bestimmtes Budget, mit dem sie ihren Haushalt managen müssen“. Daher spielt – bei aller Umweltliebe – der Kostenfaktor für viele Menschen eine ganz entscheidende Rolle. Abel empfiehlt daher zum Einstieg unkomplizierten Plastikverzicht: „Was wirklich jeder machen kann, ist Nachfüllpackungen für Duschgel und Flüssigseife kaufen.“ So müsse man seinen Lebensstil nicht groß ändern. Das sei leicht umsetzbar für die Kunden. Im Idealfall spart man durch die größeren Mengen der Nachfüllpackungen sogar noch Geld. „Das halte ich für einen realistischen ersten Schritt. Das ist sicher massentauglich“, erklärt Abel.

Auch beim Toilettengang kann man auf unterschiedliche Weise Plastik einzusparen: In vielen Städten gibt es mittlerweile Unverpackt-Läden. Diese führen oft auch Klopapier. Wenn man im Laden hingegen nur in Plastik verpacktes Toilettenpapier findet, sollte man sich für große Vorratspackungen und Recycling-Toilettenpapier entscheiden. Die Verpackung kann man nach dem Öffnen als Mülltüte weiterverwenden. So lässt sich nicht nur einfach Plastikmüll upcyceln, sondern auch der Kauf einer zusätzlichen Plastik-Mülltüte vermeiden.

Der Mikroplastik-Kreislauf. Grafik: dpa/Quelle: Umweltbundesamt

Der Mikroplastik-Kreislauf. Grafik: dpa/Quelle: Umweltbundesamt

Auch bei der Klobürste gibt es zahlreiche Möglichkeiten, ressourcenschonend vorzugehen. Egal, ob abnehmbare und damit austauschbare Bürsten oder die klassische Wegwerf-Variante, man kann Klobürsten statt aus Plaste in Edelstahl oder Holzausführung kaufen.

Beim anschließenden Händewaschen schlägt das unverpackte Stück Kernseife in puncto Plastikbilanz den Wegwerf-Seifenspender um Längen. Sollte man dennoch Flüssigseife verwenden wollen, lohnt sich der Griff zu Nachfüllpackungen. Dies gilt übrigens auch für Duschgels. Diese sowie Peelings und andere Kosmetika sollten der Umwelt zuliebe keine Mikroplastik-Teilchen enthalten. Deshalb ist es wichtig, auf Inhaltsstoffe wie Polyamid, Polyethylen, Polyethylenterephthalat oder Polypropylen zu achten.

Beim Reinigen von Bad und Küche kann man Natron benutzen. Das Salz wird auch als Lebensmittelzusatzstoff verwendet. Wenn im Bad Raum- oder Lufterfrischer zum Einsatz kommen, sollte man Modelle mit Bambus-Aktivkohle verwenden. Schwämme kann man auch ohne Plastikverpackung kaufen.

Auch bei der Zahnhygiene besteht Plastiksparpotenzial: Statt der Zahnbürste aus Plastik kann man auf Holz-Modelle mit Naturborsten zurückgreifen. „Wie man am Beispiel der Plastiktüte gesehen hat, gelingt bei einer gemeinsamen Agenda von Kunden und Herstellern einiges. Ähnliches kann ich mir beispielsweise bei Holz-Zahnbürsten mit Naturborsten vorstellen. Wenn die Kunden ein bestimmtes Produkt fordern, werden die Hersteller ein entsprechendes Sortiment liefern“, schätzt der Verbraucherschützer Georg Abel.

Selbstgemachte Zahnpasta oder Reinigungstabletten

Beim Mund-Ausspülen lohnt der Griff zum Glas- statt zum Plastikbecher. Zahnpasta lässt sich auch selber herstellen, zahlreiche Anleitungen dazu findet man etwa im Internet. Alternativ zur DIY-(Do-it-yourself)-Zahnpasta gibt es Zahnreinigungstabletten in Unverpackt-Läden. Auf Zahnseide in kleinen Plastikhaltern sollte man ebenfalls verzichten, diese erzeugen unnötigen Plastikmüll.

Bei der Rasur kann man den Plastik-Einwegrasierer durch einen Rasierhobel aus hochwertigen und langlebigen Materialien ersetzen. Statt eines Plastikkamms ein Holzmodell verwenden. Frisch gekämmt kann man schön verzierte Haarspangen aus Holz, Horn oder Metall verwenden, um auf Haargummis zu verzichten.

Eine Alternative zu den weitverbreiteten Wattestäbchen mit Plastikstiel sind Bambusstäbchen. Statt auf in Plastik verpackte Papiertaschentücher kann man auf Taschentücher im praktischen Kartonspender zurückgreifen. Die früher üblichen waschbaren Stofftaschentücher wirken sich auch positiv auf den eigenen ökologischen Fußabdruck aus, da man sie bei gründlicher Pflege sehr lange nutzen kann. Plastikmüll sollte generell immer fachgerecht entsorgt werden. Mischverpackungen aus Plastik und Papier sollten vor dem Entsorgen – Stichwort Recycling – händisch getrennt werden.

Mikroplastik-Teilchen werden vor allem in Peelings wendet. Foto: Stefan Sauer/dpa/Archiv

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Mikroplastik-Teilchen werden vor allem in Peelings wendet. Foto: Stefan Sauer/dpa/Archiv

Außerdem kann man sich Müllbeutel aus Altpapier basteln, anstatt Modelle aus Plastik zu kaufen. Sollte dennoch ein Beutel aus Plastik, zum Beispiel für flüssige Abfälle, nötig sein, kann man auch eine Toilettenpapier-Verpackung verwenden. Hierzu muss man die Verpackung einfach vorsichtig an der vorgesehenen Stelle öffnen und alle Rollen herausnehmen – schon hat man Plastikmüll erfolgreich zur Mülltüte aufgewertet.

Es gibt noch viele weitere täglich benötigte Dinge, die man selbst herstellen kann. Oft kann man diese umweltfreundlich und ohne zusätzlichen Plastikmüll erzeugen. Im Internet gibt es zahlreiche Tipps zum Selbermachen. Auf DIY-Seiten und -Plattformen findet man Anleitungen zur Herstellung eigener Kosmetika wie Deos, Feuchtigkeitsmasken, Gesichts- und Körperpeelings sowie Zahnpasta.

Eine natürliche Feuchtigkeitsmaske lässt sich beispielsweise mit einer zerdrückten oder pürierten Avocado, einem Teelöffel Agavendicksaft und einem halben Teelöffel Zitronensaft ganz einfach mischen. Diese Maske anschließend auftragen, eine Viertelstunde einwirken lassen und mit lauwarmem Wasser abspülen. Menschen mit besonders trockener Haut nehmen anstatt der Avocado am besten eine große Bio-Banane. Zerdrückt wird diese idealerweise mit einer Gabel aus Edelstahl oder Holz. Statt des meist mit Mikroplastik versehenen Peelings aus der Drogerie kann man sich auch sein eigenes Gesichtspeeling aus fünf Esslöffeln Kaffeesatz und drei Esslöffeln kaltgepresstem Olivenöl (Extra Virgin) herstellen. Man verrührt dazu einfach den Kaffeesatz und das Olivenöl und massiert das selbstgemachte Peeling vorsichtig ein. Innerhalb von drei Tagen sollte man es aufbrauchen.

Peelings zum Selbermachen

Für ein DIY-Meersalz-Körperpeeling wärmt man Kokosfett in einem Wasserbad leicht an und vermengt es anschließend mit grobem Meersalz. Das fertige Peeling auf dem Körper verteilen, einmassieren und anschließend mit warmem Wasser abduschen. Statt Einmal-Wattepads sollte man zum Entfernen und Abtrocknen von Masken und Peelings, Waschlappen oder Handtücher aus Baumwolle benutzen. Generell gilt es, auf Produkte zu verzichten, die übermäßig mit Plastik verpackt sind, zum Beispiel Verpackungen in der Verpackung. Produkte in kleinen Einzelverpackungen sollte man vermeiden.

Für selbst gemachte Kosmetik sollte man unverpacktes, idealerweise regionales und saisonales Obst und Gemüse verwenden. Wenn möglich sollte man für die Lagerung der DIY-Kosmetika Glas- statt Plastikverpackungen wählen.

Wenn man nur ein paar dieser Tipps berücksichtigt, lässt sich – auf lange Sicht – viel Plastik und vor allem viel Plastikmüll einsparen.

Dieser Artikel ist erstmals im Juli 2018 erschienen. Für die Reihe „Throwback Thursday“ des BT-Instagram-Teams wurde er aus dem Archiv gekramt und aktualisiert.


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