Umweltsimulation für mehr Sicherheit

Loffenau (for) – Die Firma ETS Solutions Europe (Loffenau) verkauft Schwingprüfanlagen. Damit werden technische Bauteile, zum Beispiel von Autos, während der Produktentwicklung getestet.

Thomas Asprion, Geschäftsführer von ETS Solutions, präsentiert eine der zwei besonders großen Schwingprüfanlagen, die er bei Phönix Contact installiert hat. Foto: ETS Solutions

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Thomas Asprion, Geschäftsführer von ETS Solutions, präsentiert eine der zwei besonders großen Schwingprüfanlagen, die er bei Phönix Contact installiert hat. Foto: ETS Solutions

Wenn Thomas Asprion von Shakern spricht, denkt er weder an Cocktail-Mixer noch an die Herstellung von Eiweißdrinks. Geschüttelt und gerüttelt wird aber auch mit seinen Shakern jede Menge, allerdings mit viel stärkeren Kräften. Asprion ist Geschäftsführer der Firma ETS Solutions Europe mit Sitz in Loffenau. Das Unternehmen verkauft, repariert und wartet elektrodynamische Schwingprüfanlagen – im Fachjargon „Shaker“ genannt. Bei Phönix Testlab, einer Tochter von Phönix Contact, hat Asprion kürzlich eine der größten Maschinen dieser Art in Europa installiert.

Systeme müssen Erschütterungen aushalten

„Unsere Prüfsysteme dienen dazu, technische Bauteile und Systeme sicherer, zuverlässiger und langlebiger zu machen“, erklärt Asprion im BT-Gespräch. So seien etwa Motorkomponenten, Handys, Radios oder Batterien im Laufe der Jahre vielen verschiedenen Belastungen ausgesetzt. Dazu gehören etwa unterschiedliche Umwelteinflüsse. Um sicherzustellen, dass Bauteile und Systeme Erschütterungen oder extreme Temperaturunterschiede schadenfrei überstehen, führen Hersteller während der Produktentwicklung aufwendige Tests durch, bei denen Unmengen von Messdaten unter extremer Belastung erfasst werden. Dazu müssen auch die verschiedenen Umwelteinflüsse wie Kälte, Hitze, Feuchte, Staub, Korrosion und Vibration anhand von speziellen Prüfanlagen simuliert werden. „Und genau diese Umweltsimulation übernehmen unsere Maschinen“, erläutert Asprion. Dabei seien seine Anlagen auf Vibration spezialisiert.

Produziert werden die Geräte in China

Produziert werden die „Shaker“ allerdings nicht in Loffenau, sondern in China. Asprion ist aber an der Konzeption beteiligt und vertreibt die Anlagen in ganz Europa. „Das heißt, wir verkaufen die Maschinen, bauen sie beim Kunden auf, nehmen sie in Betrieb, reparieren und warten sie.“ Die Branchen, die auf solche Serviceleistungen zurückgreifen, sind vielfältig und reichen über die Bereiche Militär, Transport, Medizin und den Flugverkehr. „Hauptkunde ist aber die Automobilbranche“, betont Asprion und fügt hinzu, dass in den vergangenen Jahren noch ein neuer Bereich entstanden ist: die E-Mobilität. „Natürlich sind auch Großbatterien vielen Erschütterungen ausgesetzt.“ So könne es bei einem Unfall mit einem starken Aufprall im schlimmsten Fall passieren, dass die Batterie bricht und zu brennen beginnt. „Das kann schlimme Folgen haben, denn Batterien bestehen aus Lithium. Vermischen sich die darin enthaltenen Chemikalien bei einem Zellenbruch untereinander, produzieren sie ihren eigenen Sauerstoff“, erklärt Asprion. Dadurch könne die brennende Batterie unlöschbar werden. Um das zu vermeiden, müssen die Batterien im Vorfeld ausreichend geprüft werden.

Hochvoltbatterien können bis zu 800 Kilo schwer sein

Teilweise können diese Hochvoltbatterien laut Asprion bis zu 800 Kilogramm und mehr wiegen. Um sie gemäß den Prüfnormen zu testen, benötige man deshalb spezielle Maschinen mit besonders starken Kräften und Säulen mit hydraulischen Lagern. Zwei Maschinen dieser Art stehen derzeit bei der Firma Phönix Testlab, einer Tochter der Phönix Contact, die spezialisiert ist auf Elektrotechnik. Die zweite Anlage, die Asprion dort im März installiert hat, wiege 50 Tonnen. „Sie steht auf einem isolierten Stahlfundament mit weiteren 150 Tonnen Gewicht.“ Das Besondere an dieser Art von „Shaker“ sei, dass sie eine Schockkraft von 600.000 Newtonmeter erzeugen kann. „Übersetzt bedeutet das, dass die Maschine in der Lage ist, rund 60 Tonnen zu bewegen. Im Vergleich: Ein Audi R8 hat ein Drehmoment von rund 580 Newtonmetern. Das bedeutet, unsere Anlage hat die Kraft von rund 1.000 solcher Audis“, erklärt Asprion. Auf den Shaker könne zusätzlich noch eine Klimakammer montiert werden, um zu testen, wie sich starke Temperaturunterschiede auf die Batterien auswirken.

Deutschland ist bisher eher ein Nischenmarkt

Die Tatsache, dass Phönix zwei Anlagen dieser Art betreibt, sei für ein Unternehmen einzigartig, betont Asprion. In ganz Deutschland existierten demnach nur maximal fünf bis sechs Anlagen in dieser Konfiguration. „Zum einen liegt das daran, dass Deutschland im Bereich der Elektromobilität noch weit hinterherhinkt. Das wird vor allem deutlich, wenn man auf China blickt“, weiß der Ingenieur aus eigener Erfahrung.

Er rechnet damit, dass der Bedarf solcher großer Prüfanlagen auf dem deutschen Markt in den kommenden fünf Jahren maximal bei 20 liegen wird. „In China hat ETS Solutions alleine im vergangenen Jahr 20 solcher Anlagen installiert. Deutschland ist daher eher ein Nischenmarkt für uns.“ Hinzu komme, dass Schwingprüfanlagen für Großbatterien ziemlich teuer sind. „Die Kosten liegen im siebenstelligen Bereich“, so Asprion. Das könnten sich viele Unternehmen schlicht nicht leisten. Aus diesem Grund hat sich Asprion dazu entschlossen, die Maschinen nicht mehr nur noch zu verkaufen, er bietet Interessierten neuerdings auch die Möglichkeit, „Shaker“ für einen bestimmten Zeitraum zu mieten.

Ihr Autor

Janina Fortenbacher

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Erstellt:
20. Oktober 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 15sec

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