Umwelttechnikpreis für Sinzheimer Firma Rauch

Sinzheim (nie/BT) – Grund zur Freude bei der Firma Rauch: Das Sinzheimer Traditionsunternehmen erhält den Umwelttechnikpreis. Die Auszeichnung des Landes würdigt somit eine neue Technologie.

In der Landtechnik auf dem richtigen Weg: Die Firma Rauch wird für die neue Technologie Multi-Rate mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichnet. Foto: Rauch Landmaschinenfabrik GmbH

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In der Landtechnik auf dem richtigen Weg: Die Firma Rauch wird für die neue Technologie Multi-Rate mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichnet. Foto: Rauch Landmaschinenfabrik GmbH

Die Rauch Landmaschinenfabrik GmbH kommt aus dem Feiern in diesem Jahr wohl kaum noch raus. Anlass dafür gibt nun ein weiterer Punkt: Der Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg in der Kategorie „Mess-, Steuer- und Regeltechnik, Industrie 4.0“ geht an die neue Technologie MultiRate des Sinzheimer Traditionsunternehmens.

In diesem Jahr feiert Rauch sein 100-jähriges Bestehen und kürzlich machte der Sinzheimer Gemeinderat den Weg dafür frei, dass das gesamte Unternehmen den Umzug an den Baden-Airpark vollziehen kann. Das Gremium stimmte nämlich zu, dass der Bebauungsplan, der das jetzige Firmenareal an der Sinzheimer Landstraße beinhaltet, geändert wird. Rauch will das Areal verkaufen und seine Zelte in Sinzheim abschlagen.

Am Donnerstagabend gab es dann weiteren Grund zur Freude für das Familienunternehmen. In der Schwabenlandhalle in Fellbach bei Stuttgart hat Umweltministerin Thekla Walker den Umwelttechnikpreises Baden-Württemberg an die Vertreter von Rauch übergeben. Vom Gewinn erfahren haben die Firma und alle Beteiligten schon ein wenig vorher. „Nach Bekanntgabe des Gewinns konnte man im gesamten Team ein Gefühl von Stolz und Begeisterung spüren. Es freut uns sehr, dass wir durch solch eine Auszeichnung für unsere Arbeit und den geleisteten Beitrag zum Umweltschutz belohnt werden. Eine Auszeichnung wie diese zeigt, dass man in der Landtechnik auf dem richtigen Weg ist und es hier in der Entwicklung noch keine Grenzen gibt“, sagt Maximilian Zimmer, Teamleiter der Elektronikentwicklung.

„Die Landwirtschaft steht unter gesellschaftlichem Druck“

Das zuständige Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft meint dazu, dass die Kategorie „Mess-, Steuer- und Regeltechnik, Industrie 4.0“ des Umwelttechnikpreises Baden-Württemberg dieses Jahr umbenannt werden könnte in „Landwirtschaft 4.0“. Denn mit MultiRate gewinnt eine Dosier-Technologie für Pneumatik-Düngerstreuer. „Die Landwirtschaft steht unter gesellschaftlichem Druck. Deshalb freuen wir uns, dass es eine Landtechnik-Lösung, die Landwirtinnen und Landwirte beim ressourcensparenden Düngen unterstützt, beim Umwelttechnikpreis 2021 ganz nach vorn geschafft hat“, sagt Umweltministerin Thekla Walker.

Während sich mit herkömmlichen Zwei-Scheibendüngerstreuern lediglich über die komplette Arbeitsbreite dosieren lasse, funktioniere die Düngung mit MultiRate kleinräumig, informiert das Ministerium. Applikationszonen in sehr kleinen Rastern von ein bis 1,2 Meter könnten damit präzise und nur mit der gewünschten Düngermenge ausgestreut werden. Bei ungefähr zwei Millionen Tonnen Dünger, die in Deutschland pro Jahr auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgebracht werden, ergebe sich ein großes Einsparpotenzial. Ministerin Walker fasst zusammen: „Das neue Dosiersystem ermöglicht auf großen Flächen eine punktgenaue Pflanzenernährung und spart so Dünger, Energie und Emissionen.“

Zoom in den Acker

Das MultiRate-Dosiersystem, das beispielsweise im Aero GT Pneumatik-Düngerstreuer mit 36 Metern Arbeitsbreite zum Einsatz kommt, verfüge über 30 Düngerauslassöffnungen. Jede werde einzeln über eine separate Dosierwelle geregelt. Damit lässt sich laut der Mitteilung des Ministeriums quasi in den Acker hineinzoomen: Erstmals könnten die Ausbringungsmenge und die Arbeitsbreite mit hoher Präzision abgestimmt und an den tatsächlichen Nährstoffbedarf angepasst werden.

Mit dem Preis soll bei der Firma Rauch aber kein Stillstand in der Entwicklung eintreten. So führt Volker Stöcklin, verantwortlich in der Geschäftsleitung für den Bereich Technik, weiter aus: „Unser Ziel ist eine umwelt-, ressourcen- und grundwasserschonende Mineraldüngung. Mit der Auflösung von einem Meter haben wir das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Sobald die notwendigen Daten über Agrarsatelliten, Kameradrohnen und Sensoren zur Verfügung stehen, wollen wir mit unserer Technik so detailliert ins Feld hineinzoomen, dass wir die einzelne Pflanze bedarfsgerecht ernähren können.“

Erhältlich sind die Maschinen mit der MultiRate-Technologie ab etwa Anfang November.

Zum Thema

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg vergibt alle zwei Jahre den Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg. Der Preis soll für hervorragende und innovative Produkte und Verfahren in der Umwelttechnik verliehen werden. Das Preisgeld beträgt 100.000 Euro und wird auf vier Kategorien und einen Sonderpreis der Jury verteilt. Die Kategorien gliedern sich in „Energieeffizienz“, „Materialeffizienz“, „Emissionsminderung, Aufbereitung und Abtrennung“ und „Mess-, Steuer- und Regeltechnik, Industrie 4.0“. Der Sonderpreis der Jury wird an ein Produkt innerhalb der vier Kategorien verliehen und orientiert sich an aktuellen umweltpolitischen Herausforderungen und technischen Erfordernissen. Teilnahmeberechtigt sind Unternehmen mit Sitz oder einer Niederlassung in Baden-Württemberg. Ausgezeichnet werden Produkte, die einen bedeutenden Beitrag zur Ressourceneffizienz und Umweltschonung leisten und kurz vor der Markteinführung stehen oder nicht länger als zwei Jahre am Markt sind. Im Unterschied zum Umweltpreis, den das Ministerium seit 1993 vergibt, liegt die Zielrichtung des Umwelttechnikpreises auf einem Produkt oder Verfahren und dessen besonderen umwelttechnischen Leistungsfähigkeiten und nicht auf unternehmensinternen Prozessen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

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Erstellt:
4. November 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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