Unbändiger Jubel trifft auf abgrundtiefes Leid

Bühl (urs) – Es war ein Samstag im Jahr 2016. Auf dem Bühler Johannesplatz lagen an jenem Abend Freud und Leid nah beieinander. Deutsche und Italiener verfolgten dort gemeinsam das EM-Viertelfinale.

Deutsche und italienische Fans verfolgten 2016 in Bühl gemeinsam das EM-Viertelfinale der beiden Mannschaften. Am Ende jubelten die Deutschen und feierten ausgelassen. Foto: Ursula Klöpfer

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Deutsche und italienische Fans verfolgten 2016 in Bühl gemeinsam das EM-Viertelfinale der beiden Mannschaften. Am Ende jubelten die Deutschen und feierten ausgelassen. Foto: Ursula Klöpfer

Am Freitag ist es soweit, dann startet die Fußball-Europameisterschaft – wegen der Corona-Pandemie mit einem Jahr Verzögerung. Während große Public-Viewing-Veranstaltungen mit Fans, die sich in den Armen liegen, stets zur Normalität gehörten, wird in diesem Jahr alles anders sein. Um das EM-Fieber dennoch zu wecken, hat die BT-Instagram-Redaktion anlässlich des Throwback-Thursdays eine Reportage über das Viertelfinale 2016 zwischen Deutschland und Italien aus dem Archiv gekramt:

Jubelschreie, feuerwerk und Autokorso

Mehr Spannung und Emotionen gehen nicht: Als kurz vor Mitternacht Jonas Hector beim EM-Viertelfinale in Bordeaux den 18. Elfmeter im Tor versenkte, brach auf dem Johannesplatz in Bühl die Hölle los. Menschen fielen sich in die Arme, jubelten und tanzten auf den Bänken. Die badischen Tifosi waren dagegen schockiert.

Auch Feuerwerke wurden gezündet und Wunderkerzen abgebrannt. Mehr als 30 Minuten lang zog anschließend ein Autokorso durch die Innenstadt über Hauptstraße, Bühlertalstraße und zurück zum Johannisplatz – immer von jubelnden deutschen Fans umringt. Der Lärm war ohrenbetäubend. In dem ganzen Freudentaumel gingen der Schock, die Fassungslosigkeit und die Trauer der Italiener fast schon ein wenig unter. Auch sie lagen sich in den Armen – um sich Trost zu spenden. Denn zum ersten Mal überhaupt hatte die deutsche Fußballnationalmannschaft gegen die italienische Elf in einem großen Turnier gesiegt.

Ausgleichstreffer durch Bonucci

Dabei hatte der Abend so ruhig und beschaulich begonnen. Zwei Stunden vor Spielbeginn fanden sich die Fußballfans auf dem Johannesplatz ein. Wie immer war es dort proppenvoll. Deutschland gegen Italien: ein Fußballklassiker. Die erste Halbzeit lief eher beschaulich, die Deutschen bestimmten das Spiel, kickten aber eher weniger risikoreich, als es die Fans von ihnen gewohnt waren.

Nach dem Tor von Mesut Özil sahen manche auf dem Johannesplatz schon den Sieg der Deutschen in der Tasche. Fehlanzeige! Bei den italienischen Fans vor dem Eiscafé „Venezia“ und im „Italia“ stieg nach dem Ausgleichstreffer durch den Elfmeter von Leonardo Bonucci der Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen. Nach dem Ende der regulären Spielzeit kochten die Emotionen endgültig hoch. Schon ein gewöhnliches Elfmeterschießen führt ja bekanntlich zu fußballerischem Kammerflimmern, aber die Verlängerung dieses Showdowns setzte dem ganzen noch eins drauf. Die Fans hielten Händchen, umklammerten ihre Fahne und drückten die Daumen.

Im Bistro „Q“ und gegenüber im Bistro „C’est la vie“ das gleiche Bild. Pures Entsetzen herrschte, als Özil, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller ihre Elfmeter verschossen. Doch dann kam endlich die Erlösung in Form eines jungen Spielers: Jonas Hector. Anschließend herrschte Ausnahmezustand.

„Mit halbem Herzen Deutsche“

Doch nicht nur die Deutschen wussten zu feiern, auch ein paar Syrier aus dem Gasthaus Blume in Rittersbach waren ganz aus dem Häuschen. „Deutschland!“, schrien sie und strahlten über das ganze Gesicht. Auch einige Griechen waren gekommen. Sie bezogen ebenfalls eindeutig Stellung: „Wir sind mit halbem Herzen ja Deutsche“, erklärten sie.

Der Rest war eine große Party. Und die fiel durchaus exzessiv aus. Manche feierten bis zum Morgengrauen. Einige konnten sich allerdings nicht dem Freudentaumel hingeben und mussten arbeiten: die Polizei. Der Aufwand für die Beamten hielt sich allerdings in Grenzen, die Fans blieben friedlich. Das Fazit der Ordnungshüter: „Im Großen und Ganzen war es sehr ruhig.“

Ihr Autor

Ursula Klöpfer

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Erstellt:
10. Juni 2021, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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