Unesco-Welterbetag wird am Sonntag gefeiert

Baden-Baden (cl) – Begehrte Liste: Am morgigen Sonntag wird der Unesco-Welterbetag gefeiert. 46 Stätten gibt es in Deutschland, der Speyerer Dom gehört seit 40 Jahren dazu, Baden-Baden bewirbt sich.

Seit 1993 Welterbe: Kloster Maulbronn bietet Einblicke, wie die Zisterzienser wirtschafteten.  Foto: SSG/Jessen Oestergaard

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Seit 1993 Welterbe: Kloster Maulbronn bietet Einblicke, wie die Zisterzienser wirtschafteten. Foto: SSG/Jessen Oestergaard

Seit die Corona-Inzidenzzahlen sinken, erwacht auch das Kulturleben langsam wieder. Rechtzeitig zum morgigen Unesco-Welterbetag bietet sich die Möglichkeit, auch Kulturdenkmale zu besichtigen. Mit einem digitalen Festakt im Kölner Dom und einem Film eröffnen die Deutsche Unesco-Kommission und der Verein Welterbestätten in Deutschland als Initiatoren am Sonntagmorgen ab 9.30 Uhr den Aktionstag unter dem Motto „Solidarität und Dialog“ online. Wie die Unesco erklärt, zeige der Film die herausragende Qualität der deutschen Welterbestätten.

Der Kölner Dom ist seit 1996 Unesco-Welterbestätte. Zugleich wurde die Bauhütte in Köln Ende 2020 von der UN-Kulturorganisation zusammen in das Register guter Praxisbeispiele zum Erhalt des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Bundesrepublik Deutschland hat die „Welterbekonvention“ der Unesco für schützenswerte Kultur- und Naturdenkmale vor 45 Jahren ratifiziert. Der Kaiserdom zu Aachen gehörte 1978 als einzige Stätte aus Deutschland zu den zwölf internationalen Welterbestätten, mit denen die Welterbeliste eröffnet wurde. Derzeit gibt es 46 schützenswerte deutsche Stätten auf der Liste.

Anstoß zur Schaffung der Welterbekonvention gab der Aufruf der Unesco vom 8. März 1960 infolge der Baupläne für den Assuan-Staudamm in Ägypten; damals wollte man die durch den Staudammbau bedrohten Denkmale in Nubien retten. Nach einer beispiellosen Spendenaktion konnten die Tempel von Abu Simbel und Philae abgetragen und landeinwärts an einer 64 Meter höher gelegenen Stelle wieder aufgebaut werden. Auch die Lagunen von Venedig werden bewahrt. Weltweit gibt es 1.121 Unesco-Stätten in 167 Ländern auf der Welterbeliste.

Baupläne für den Assuan-Staudamm Anlass für Unesco-Welterbeinitiative

Alle Welterbestätten stehen aufgrund ihres außergewöhnlichen universellen Werts für die Menschheit unter besonderem Schutz. Die Anerkennung als Welterbe sei kein Selbstzweck, sondern in erster Linie Auftrag, den langfristigen Erhalt der Stätte, deren nachhaltiges Management und ihre Vermittlung an die Öffentlichkeit sicherzustellen, stellt die Unesco klar. Für das Welterbe der Menschheit gilt: Je älter und materieller, desto unstrittiger sind die Aufnahmekriterien. Alljährlich, normalerweise Anfang Juli, trifft sich das Welterbekomitee, um über die Aufnahmeanträge der Vertragsstaaten zu entscheiden. Ein Überblick über die nähere und weitere Region:

Baden-Badens Antrag: In diesem Sommer wird, vom 16. bis 31. Juli, die 2020 coronabedingt verschobene Zusammenkunft des Unesco-Komitees nachgeholt. Bei der Online-Tagung steht dann auch die Bewerbung Baden-Badens in der Gruppe von elf Kurstädten aus sieben europäischen Ländern („Great Spas of Europe“) auf der Agenda.

Jubiläum in Speyer: Der Dom wurde 1981 als zweites deutsches Denkmal auf die Unesco-Liste gesetzt.  Foto: Böhm/pr

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Jubiläum in Speyer: Der Dom wurde 1981 als zweites deutsches Denkmal auf die Unesco-Liste gesetzt. Foto: Böhm/pr

Dom zu Speyer zweitältester auf der Liste: Nach dem Aachener Kaiserdom wurde der Dom zu Speyer 1981 in die Liste aufgenommen. Seit 40 Jahren gehört der Kaiser- und Mariendom zum Unesco-Erbe. Er ist die größte erhaltene romanische Kathedrale der Welt. Die Restaurierung dieses fast 1.000 Jahre alten monumentalen Bauwerks gilt als herausragendes Beispiel denkmalpflegerischen Handelns. Nach wie vor müssen nach Angaben der Dombauhütte jedes Jahr rund eine Million Euro für den baulichen Erhalt des Speyerer Doms aufgewendet werden.

Das Zisterzienserkloster Maulbronn nahe Pforzheim gilt als eine der vollständigsten und am besten erhaltenen Klosteranlagen des Mittelalters nördlich der Alpen – und ist seit 1993 von der Unesco als Kulturdenkmal von hohem Rang anerkannt. Das Kloster übte großen Einfluss auf die Ausbreitung der gotischen Architektur aus. Der berühmte Mathematiker und Astronom Johannes Kepler und viel später der Literatur-Nobelpreisträger Hermann Hesse sind die prominentesten unter den ehemaligen Schülern der höheren Klosterschule Maulbronns.

Die Völklinger Hütte ist die weltweit einzige erhaltene Hütte aus der Glanzzeit der Eisen- und Stahlindustrie im 19. und 20. Jahrhundert. Die Industrieanlage im Saarland ist Ausdruck der grenzüberschreitenden Industrialisierung in Europa; die Unesco adelte sie 1994.

Mit der Klosterinsel Reichenau folgte im Jahr 2000 ein herausragendes Beispiel eines religiös und kulturell bedeutsamen Benediktinerklosters im Mittelalter. Das Ensemble der drei Kirchen auf der Bodensee-Insel stellt ein außergewöhnliches Beispiel einer integrierten Gruppe aus mittelalterlichen Kirchen dar, die Elemente der karolingischen, ottonischen und salischen Architektur bewahrt haben. Die Wand- und Buchmalereien, die große Bedeutung für die europäische Kunstgeschichte des 10. und 11. Jahrhunderts hatten, zeugen von seiner Rolle als wichtiges künstlerisches Zentrum seiner Zeit.

Weissenhof-Siedlung in Stuttgart bewahrt architektonisches Werk von Le Corbusier

Der Obergermanisch-Raetische Limes verläuft vom Rhein nördlich von Koblenz, entlang des Mains, durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald bis hin zur Donau westlich von Kelheim. Die einzigartige Militärarchitektur bildet einen Teil der römischen Grenzbefestigung mit Kastellen, Wachtürmen, Mauern und Palisaden, mit dem die einstige Weltmacht ihr Reich gegen das freie Germanien hin abgrenzte. 2005 wurde er als Teil der transnationalen Welterbestätte mit dem Unesco-Titel ausgezeichnet.

Die Weissenhof-Siedlung in Stuttgart bewahrt das architektonische Werk von Le Corbusier – als ein herausragender Beitrag zur Architektur der Moderne (seit 2016 Welterbe). Le Corbusiers transnationales künstlerisches Meisterwerk führt den Bauhausgedanken auf besondere Weise fort. 1996 ist das Bauhaus mit den Stätten in Weimar, Dessau und Berlin selbst als Symbol moderner Architektur mit dem Welterbetitel gewürdigt worden.

Die Eiszeitkunst aus den Höhlen der Schwäbischen Alb zeugt von den ersten in Europa siedelnden modernen Menschen vor 43.000 Jahren. Die dortigen Fundstücke gehören zu den ältesten Belegen figürlicher Kunst und den weltweit ältesten Musikinstrumenten – Tierfiguren und Flöten. 2017 nahm sie die Unesco in die Welterbeliste auf.

Das Augsburger Wassermanagement-System, Innovation und Fortschritt aus über 800 Jahren Wassergeschichte, wurde 2019 als letzte deutsche Stätte auf die Liste gesetzt.

www.unesco-welterbetag.de

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
5. Juni 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 41sec

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