Haftstrafe für Verursacher von Unfall auf A5

Bühl/Baden-Baden (up) – Am Amtsgericht wurde ein 45-Jähriger schuldig gesprochen. Aufgrund „fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs“ gibt es eine Freiheitsstrafe von über einem Jahr für ihn.

Nur eine halbe Stunde vor dem Unfall soll der Angeklagte Kokain konsumiert haben. Foto: Uli Deck

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Nur eine halbe Stunde vor dem Unfall soll der Angeklagte Kokain konsumiert haben. Foto: Uli Deck

Samstag, 29. Februar 2020: Auf der Autobahn 5 bei Bühl ist ein 45 Jahre alter Mann mit einem silberfarbenen Mercedes Richtung Karlsruhe unterwegs. Etwa 350 Meter vor dem Rastplatz Brachfeld überholt er auf der linken Spur mit etwa Tempo 150 andere Fahrzeuge. Kurz darauf ereignet sich ein schwerer Unfall.

Nachdem der Mercedes-Fahrer einen Familienvater, dessen eineinhalbjähriges Kind auf dem Beifahrersitz schläft, passiert hat, biegt er unvermittelt nach rechts ab, um die Autobahn zu verlassen. Er will auf den Rastplatz, weil er jedoch zu schnell ist, kommt der Wagen ins Schleudern, überschlägt sich, rammt mehrere Hinweisschilder samt Betonsockeln und beschädigt eine Schranke.

Der Fahrer kann sich unverletzt aus dem Wagen befreien, auch weitere Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Fachleute werden den entstandenen Sachschaden auf dem Rastplatz später mit mehr als 10.000 Euro beziffern. Kurze Zeit später treffen Polizeibeamte am Unfallort ein, unter anderem finden sie Kokain und eine erhebliche Menge an Medikamenten am Unfallort. Zudem wirkt der Unfallverursacher einerseits aufgeregt, andererseits macht er aber auch einen merkwürdig gedämpften Eindruck, deshalb ordnen die Beamten eine Blutprobe an, die der am Unfallort bereits eingetroffene Notarzt vornimmt.

Und sie informieren ihre Kollegen in Stuttgart, wo der Unfallfahrer wohnt. Diese finden bei einer Hausdurchsuchung weitere Medikamente, Ecstasy, LSD und ein Einmachglas mit Marihuana-Samen.

Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr

Das Schöffengericht am Amtsgericht Baden-Baden hat den Unfallverursacher jetzt wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und dem unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Der Angeklagte muss ein Jahr und einen Monat ins Gefängnis, die Strafe wurde nicht zur Bewährung ausgesetzt. Das Gericht unter Vorsitz von Richter David Metz folgte in der Strafzumessung damit den Forderungen von Staatsanwalt Michael Klose. Der hatte in seiner Argumentation unter anderem die 16 Vorstrafen des Mannes angeführt, der aus Kasachstan stammt und seit 1998 in Deutschland lebt.

Unter anderem stand er bereits wegen Diebstahl, dem Erschleichen von Leistungen, Körperverletzung, wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr und immer wieder wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor Gericht.

Kokain wirkt enthemmend auf Angeklagten

„Der Angeklagte hat sich von den bisherigen Geld- und Bewährungsstrafen nicht beeindrucken lassen“, hatte Klose in seinem Plädoyer erklärt, die Frage nach der Bewährung sei daher „ganz klar mit Nein“ zu beantworten, so der Staatsanwalt. Mitentscheidend für die hohe Strafe war auch, dass der Mann laut dem Ergebnis der Blutuntersuchung etwa eine halbe Stunde vor dem Unfall Kokain konsumiert haben musste, wie Gutachter Volker Auwärter von der Uniklinik Freiburg erklärte, denn „Kokain ist nur vergleichsweise kurze Zeit nachzuweisen“, so der Toxikologe.

Die enthemmend wirkende Droge erkläre die erhöhte Risikobereitschaft und die damit verbundene hohe Geschwindigkeit, mit der der Angeklagte unterwegs war, so Auwärter. Gegen den arbeitslosen Angeklagten sprach in der Urteilsbegründung auch seine schlechte Sozialprognose, auch deshalb kam eine Geldstrafe nicht mehr in Betracht, so Richter Metz in seiner Urteilsbegründung.

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Erstellt:
26. August 2021, 11:00 Uhr
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