Ungarischer Minister mit Auer Wurzeln

Weisenbach (mm) – In der BT-Serie über die Stationen der Historischen Runde in Weisenbach und Au geht es diesmal um Dr. Jakob Bleyer, den einstigen ungarischen Minister mit Auer Wurzeln.

Das 1707 erbaute Bleyer-Haus ist eins der ältesten Gebäude im Auer Ortskern. Foto: Heimatverein Weisenbach

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Das 1707 erbaute Bleyer-Haus ist eins der ältesten Gebäude im Auer Ortskern. Foto: Heimatverein Weisenbach

Die Historische Runde verbindet Gebäude mit Geschichte in Weisenbach und Au. Das Badische Tagblatt stellt einige Stationen des neuen Rundwegs vor. Zu dem durch Leader geförderten Projekt ist jüngst eine Faltkarte mit dem Titel „Weisenbacher Geschichte erlaufen“ erschienen, die es im Rathaus gibt.

Eins der beschriebenen Gebäude ist das Jakob-Bleyer-Haus in der Jakob-Bleyer--Straße 25 im Ortsteil Au. Die familiären Wurzeln des ehemaligen ungarischen Ministers und Universitätsprofessors Dr. Jakob Bleyer liegen in Au. Der Führer des ungarländischen Deutschtums wurde am 25. Januar 1874 in Cséb geboren, studierte in München, Leipzig und Budapest.

Bleyer entwickelte eine sehr rege literarische Tätigkeit und wurde ordentlicher Professor an der Hochschule in Klausenburg. Dort wurde er im Jahr 1911 zum Professor der deutschen Sprache und der Literatur an die Universität Budapest berufen.

Mit Stefan Friedrich und Andreas Csilléry beteiligte er sich an der Gegenrevolution, und als Minister für nationale Minderheiten gehörte er laut Informationen des Heimatvereins dem Kabinett Friedrich Huszar und dem ersten Kabinett des Grafen Paul Teleky an.

Bleyer war korrespondierendes Mitglied der „Ungarischen Akademie der Wissenschaften“, gründete den „Ungarländischen Deutschen Volksbildungsverein“ und wurde dessen Vorsitzender. Unter anderem brachte er das politische „Sonntagsblatt“ heraus. Ab 1929 veröffentlichte er die „Deutsch-Ungarischen Heimatblätter“. Sie verfolgten den Zweck, das Deutschtum auszubauen und durch Sammeln urkundlichen Materials die deutsch-ungarischen Beziehungen wissenschaftlich zu bearbeiten.

Die Brücke in den Weisenbacher Ortsteil trägt seinen Namen

Bleyer starb am 5. Dezember 1933 im Alter von 59 Jahren. Zu seinem Gedenken steht im Vorgarten des Auer Anwesens ein Denkmal, die Brücke in den Weisenbacher Ortsteil trägt seinen Namen.

Wer war Jakob Bleyer? 1784 wanderte dessen Urgroßvater Hans-Jörg (Georg) Bleyer im Alter von 19 Jahren aus Au über Ulm nach Ungarn aus. Im Steuerbuch von 1803 der damaligen Gemeinde Cséb (heute Celavero) bei Novi Sad in Serbien ist Georg Bleyer als Familienvater aufgeführt. Dessen Enkel Jakob Bleyer (Senior), geboren 1834, und dessen Ehefrau Veronica Stern waren die Eltern von Jakob Bleyer.

Sein Hauptaugenmerk galt den Verbindungen zwischen der deutschen und ungarischen Kultur. Er war Vorkämpfer, Erwecker und Persönlichkeit des ungarischen Deutschtums. Im August 1919 wurde er ungarischer Nationalitätenminister und blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1933 Abgeordneter des ungarischen Parlaments. Dort setzte er sich für die Minderheitenrechte der deutschen Einwanderer ein. Zeitlebens war Dr. Jakob Bleyer überzeugter Katholik. Nach seinem Tod am 5. Dezember 1933 wurde er auf dem neuen Gemeindefriedhof in Budapest beigesetzt. Noch heute ziert ein Grabstein aus Schwarzwälder Granit seine Grabstätte.

Das Interesse der Nachfahren von Jakob Bleyer an den Wurzeln der Familie besteht weiter. Nachkommen von ihm leben auch in den USA – und wollten mehr über die Herkunft ihrer Familie wissen. So war im Sommer 2015 Anthony Bleyer, Professor für Nierenheilkunde am Wake Forest Baptist Medical Center in North Carolina, ein Enkel von Jakob Bleyer, mit seinen Söhnen in Au zu Besuch. Die Amerikaner wollten die Heimat ihrer Vorfahren kennenzulernen. Ein Kenner der Familiengeschichte ist Rudolf Fritz vom Heimatverein. Er recherchierte über das Leben und Wirken von Dr. Jakob Bleyer und dessen Familie. Dazu traf er Nachkommen, reiste mehrfach nach Cséb, dem Geburtsort von Jakob Bleyer, nach Budapest, nach Budaörs mit dem Jakob-Bleyer-Museum sowie an dessen Grabstätte.

Ein Gedenkstein steht im Vorgarten des Hauses in der Jakob-Bleyer-Straße 25. Foto: Heimatverein Weisenbach

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Ein Gedenkstein steht im Vorgarten des Hauses in der Jakob-Bleyer-Straße 25. Foto: Heimatverein Weisenbach


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