Ungeliebter Wechsel nach Rastatt

Malsch (BT) – Gegen ihren Willen wurde die Gemeinde Malsch 1936 dem Amtsbezirk Rastatt zugeteilt. Zweieinhalb Jahre und viele Protestnoten später kehrte Malsch in den Landkreis Karlsruhe zurück.

Briefkuvert von Malsch (Amt Rastatt) mit Werbeaufdruck. Repro: Heimatfreunde Malsch

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Briefkuvert von Malsch (Amt Rastatt) mit Werbeaufdruck. Repro: Heimatfreunde Malsch

Aufgrund des Gesetzes über die Neueinteilung der inneren Verwaltung wurde die Gemeinde Malsch gegen ihren Willen mit Wirkung vom 1. Oktober 1936 vom bisherigen Amtsbezirk Ettlingen dem Amtsbezirk Rastatt zugeteilt, berichten die Heimatfreunde Malsch in ihrem heutigen Beitrag. Weiterhin wechselte die Gemeinde Malsch vom Kreis Karlsruhe zum Kreis Baden-Baden.

Das hatte nicht nur Auswirkungen bei der Poststation in Malsch, die sich neue Entwertungsstempel mit dem Vermerk „Malsch (Amt Rastatt)“ zulegen musste. Auch die Gemeinde Malsch und sämtliche Geschäftsleute mussten Briefköpfe und -kuverts anpassen.

Im Mai 1937 teilte Bürgermeister Georg Hornberger von Malsch dem Minister des Innern in Karlsruhe mit, dass die neue Zuteilung der Gemeinde Malsch unangenehme finanzielle Auswirkungen für die Gemeinde, sowohl bei der Kreissteuer als auch beim Beitrag für die Landstraßen hatte. In dem Schreiben brachte der Bürgermeister zum Ausdruck, dass es sicherlich nicht der Wille der Regierung sein könne, die Gemeinde Malsch, die ja bekanntlich gegen ihren Willen und gegen ihre Interessen dem Amtsbezirk Rastatt und dem Kreis Baden-Baden zugeteilt worden war, dafür noch eine Sonderbelastung aufzuerlegen.

Vielerlei Beziehungen nach Karlsruhe

In einem weiteren Schreiben des Bürgermeisters Ende Juli 1937 wurde dem Innenministerium Karlsruhe mitgeteilt, dass trotz der zwischenzeitlich ein Dreivierteljahr währenden Zugehörigkeit der Gemeinde Malsch zum Bezirksamt Rastatt die gesamten wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Beziehungen von Malsch sich weiterhin nach Karlsruhe beziehungsweise Ettlingen orientieren. So wurden im Juli 1937 54 Schülermonatskarten nach Karlsruhe und Ettlingen und nur 19 Schülermonatskarten nach Rastatt verkauft. Auch wurden über 300 Wochenendkarten nach Ettlingen und Karlsruhe gegenüber nur 45 nach Rastatt ausgegeben. Sonntagskarten wurden im Juli 1937 insgesamt 500 Stück nach Karlsruhe und Umgebung und nur 150 Stück nach Rastatt verkauft.

In dem Schreiben bat der damalige Bürgermeister das Ministerium, zu prüfen, ob die Zuteilung der Gemeinde Malsch zum Amtsbezirk Ettlingen und zum Kreis Karlsruhe nicht doch noch vorgenommen werden könne. Mit Wirkung vom 1. April 1939 war es dann soweit: Malsch kam wieder zum Landkreis Karlsruhe. Das entsprechende Gesetz über die Landkreisselbstverwaltung in Baden (Landkreisordnung) vom 24. Juni 1939 beendete die zweieinhalbjährige ungeliebte Zugehörigkeit der Gemeinde Malsch zum Landkreis Rastatt.

Die Eingliederung der Gemeinde Malsch in den Kreis Karlsruhe wurde nicht von jeder Stelle gutgeheißen, wie ein Schreiben vom 2. Februar 1939 des Kreisleiters der NSDAP von Rastatt zeigte.

Auswirkungen hat dieser Landkreiswechsel von Malsch auch heute noch, da sich viele historische Unterlagen über diese Zeit teilweise in den Archiven des Kreises Rastatt befinden.

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Erstellt:
6. November 2021, 09:30 Uhr
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