Ungewisse Zukunft für Galopp in Iffezheim

Iffezheim (fk) – Der Galoppveranstalter Baden-Racing in seiner jetzigen Form ist bald Geschichte. Der Weg für eine Neuausrichtung der Bahn „unter neuer Verantwortlichkeit ist frei“, so der Rennverein.

Ob die Pferde auch weiterhin über den Iffezheimer Turf galoppieren, ist ungewiss. Foto: Uli Deck/dpa

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Ob die Pferde auch weiterhin über den Iffezheimer Turf galoppieren, ist ungewiss. Foto: Uli Deck/dpa

Hoffnung ist ein Wort, das gemeinhin Mut machen soll. Wenn Politiker oder Wirtschaftsbosse es in den Mund nehmen, ist in der Regel jedoch Vorsicht geboten. Dann schwingt oft eine andere Bedeutung mit: Wir haben (noch) keinen Plan in der Tasche, wie es weitergehen soll, und damit das keiner merkt, sprechen wir von Hoffnung. Insofern macht es schon hellhörig, wie oft rund um die Zukunft des defizitären Rennvereins Baden-Racing der Begriff Hoffnung gefallen ist. Fakt ist: Der Iffezheimer Galoppveranstalter hat allen seinen Mitarbeitern gekündigt, bis hinauf zur höchsten Ebene. Zuvor war schon der Pachtvertrag für die Rennbahn zum Ende des Jahres gekündigt worden.

Kündigung aller Mitarbeiter

Wie es danach weitergeht, ist Gegenstand von diversen Hoffnungen und Beteuerungen. Zumindest in der Pressemitteilung von Baden-Racing-Präsident Andreas Jacobs. Man bereite den Rennverein auf den Übergang auf eine neue Gesellschafterstruktur vor. Interessenten für die Fortführungen seien vorhanden. Die Hoffnung ruht auf Gesprächen mit dem Dachverband Deutscher Galopp, der Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen, der Baden-Baden Auktionsgesellschaft (BBAG), Persönlichkeiten aus dem Rennsport sowie der Gemeinde Iffezheim und der Stadt Baden-Baden. Dachverbandspräsident Michael Vesper „hat seiner Hoffnung auf eine schnelle Lösung Ausdruck verliehen“, heißt es in der Mitteilung. Weiter wird Jacobs mit folgenden Worten zitiert: „Um das Gelände zum 31. Dezember 2020 zu übergeben, sind wir gezwungen, Kündigungen auszusprechen.“ Dass das alle Mitarbeiter auf allen Ebenen betrifft, wie gesicherte BT-Informationen ergaben, schwingt allenfalls zwischen den Zeilen mit. Der Rest der Mitteilung besteht aus Eigenlob und Rückblick, konkrete Aussagen zur Zukunft gibt es keine.

Ex-Bürgermeister Werler als Moderator?

Die tätigen dafür andere: „Wir brauchen einen starken Rennverein vor Ort. Es geht nur mit der geballten Kraft der Region.“ Davon ist Karl-Dieter Ellerbracke überzeugt. Der Präsident der Baden-Badener Auktionsgesellschaft (BBAG) ist eine der handelnden Personen für die Zeit nach dem 31. Dezember auf der Iffezheimer Rennbahn. Ellerbracke weiter: „Es gibt dafür ja schon den eingetragenen Verein, der für die Baden-Racing-Gesellschaft die Totogenehmigung hält. Und eine Persönlichkeit wie der langjährige Iffezheimer Bürgermeister Peter Werler könnte das sehr gut moderieren. Er kennt sich mit dem Galoppsport aus, ist in der Region bestens vernetzt und hat in dem von ihm gegründeten Stall Amtsschimmel viele politische Entscheider vereint.“

Ellerbracke ist überzeugt: „Auch ein so wichtiger Firmenchef wie Martin Kronimus muss eingebunden werden.“ Das Iffezheimer Unternehmen war zuletzt mehrfach in großer finanzieller Not bei Baden-Racing als Partner und damit als Retter wichtiger Rennen eingesprungen.

Dachverband muss mit ins Boot

Aber auch mit einem Rennverein badischer Prägung wird es nicht ohne den Einfluss des Dachverbandes „Deutscher Galopper“ in Köln und seines Politik-Profis Michal Vesper (Gründungsmitglied der Grünen) gehen. Klare Aussagen gibt es von dort nicht, man befindet sich in einem „Kreativ-Prozess.“ Eine Variante soll eine enge Zusammenarbeit zwischen der inhabergeführten Bahn in Berlin/Hoppegarten und Baden-Baden/Iffezheim sein. Der aus Krefeld stammende und in London lebende Finanzkaufmann Gerhard Schöningh hat mithilfe eines spektakulären Deals im Aktienbereich die damals vor dem Ende stehende einstige Paradebahn Hoppegarten vor zehn Jahren übernommen. An seiner Seite steht der Dortmunder Rennvereinspräsident und Geschäftsführer Andreas Tiedtke, der zu Beginn der Baden-Racing-Ära dort schon als Manager fungierte. Tiedtke gilt in der komplizierten Szene als Top-Experte und war auch schon als Chefmanager in der Kölner Turfzentrale tätig.

Eher nebulös erscheint die Rolle der Besitzervereinigung und ihres Präsidenten Manfred Ostermann. BBAG-Chef Ellerbracke sieht darin kein Problem: „ Ihre Mitglieder könnten in einem starken Rennverein ebenso eine tragende Rolle spielen wie die BBAG-Mitglieder.“ Ein Konzept für die Zukunft der Bahn liegt auch vom bisherigen Gastronomie-Caterer vor, dessen Vertrag mit dem 31. Dezember 2020 endet. Der scheidende Mehrheitsgesellschafter Andreas Jacobs (Hamburg) und sein Partner, der Bielefelder Verleger Paul von Schubert haben zudem noch nicht verbindlich erklärt, an welcher Position sie im Iffezheimer Rennbahnboot rudern wollen. Jacobs ist als Chef des großen Gestüts Fährhof ebenso eng mit der Bahn und der BBAG verzahnt wie von Schubert mit dem Familiengestüt Ebbesloh und als Verleger des im 133. Jahrgang erscheinenden Fachblattes Sport-Welt.

Trainingsbetrieb ist gesichert

Sorgen machen sich unterdessen die Iffezheimer Trainer über die Zukunft der Rennen. Sie befürchten, wie Sprecherin Carmen Bocskai dem BT sagte, dass die Galoppveranstaltungen zusammengestrichen werden könnten, besonders das defizitäre Sales & Racing Festival oder auch das Frühjahrsmeeting. Man müsse sich dann noch mehr in Richtung Frankreich orientieren. Der Trainingsbetrieb ist hingegen vertraglich gesichert. Die Besitzer lassen gerade in Eigenregie die Sandbahn sanieren.

Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen sieht eine wirtschaftlich tragbare Zukunft in einer Kombination aus Rennveranstaltungen und anderen Events auf dem Bahngelände. Das Iffezheimer Rathaus blieb trotz Nachfrage ein Statement zu den aktuellen Entwicklungen schuldig.


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