„Unsere Besten“ mit Bühler Volleyballern

Bühl (BT) – Die BT-Sportredaktion würdigt die Athleten aus der Region mit der Serie „Unsere Besten“ – diesmal mit den Bühler Bundesliga-Volleyballern.

„Unsere Besten“ mit Bühler Volleyballern

Bisons-Manager und Volleyball-Abteilungsleiter Oliver Stolle. Foto: Frank Seiter

Die Bühler Bundesliga-Volleyballer haben ein extrem schwieriges Jahr hinter sich. Trotz der zahlreichen pandemiebedingten Herausforderungen und des sehr kleinen Kaders konnte das Team von Trainer Alejandro Kolevich aber einige sportliche Ausrufezeichen setzen. Oliver Stolle, Bisons-Manager und Bühler Volleyball-Abteilungsleiter, hat die BT-Fragen zum Corona-Jahr 2020 stellvertretend für seine Herde beantwortet.

BT: Herr Stolle, mit welchen Gefühlen blicken Sie und die Bisons auf das Jahr 2020 zurück?Oliver Stolle: Ich plane gerne. Ich stecke mir Ziele ab, auf die ich hinarbeite und die mich motivieren, diese im besten Fall zu erreichen. Im Jahr 2020 war dies nur schwer möglich. Ich habe viele Schubladen gehabt mit Alternativen, Stornoentwürfen, Notfallplänen und sonstigen To-Do’s für den Fall der Fälle zum Stichtag X. Sicherlich nicht die „Normalität“, die ich aus der Vergangenheit anders kenne.

BT: Was wird wohl am ehesten in Erinnerung bleiben?Stolle: Sicherlich die Veränderung unseres Lebensalltags, die wir durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie erfahren durften. Ich möchte meine Freunde treffen und darf es nicht. Ich möchte Klopapier kaufen, aber es gibt keins. Das soziale Leben war eingeschränkt. Aber es war auch die Möglichkeit, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Unsere Heimat ist schön und vieles kenne ich noch gar nicht. Und die „Ruhe“ hat sicherlich auch dazu beigetragen, ein wenig zu entschleunigen und über andere wichtige Dinge im Leben nachzudenken.

„Konnten in der Halle normal trainieren“

BT: Wie hat Corona das Sportlerleben beeinflusst?Stolle: Für die Spieler des Profiteams selbst gab es natürlich neue Regeln: Haltet eure Kontakte so gering wie möglich, achtet auf Symptome (tägliche Temperaturmessungen), regelmäßige Covid-Testungen vor den Wettkämpfen und immer wiederkehrende Selbsterklärungen über den eigenen Gesundheitszustand. Sicher eine neue Erfahrung für die Spieler, Trainer und den Betreuerstab.

BT: Wie sehr musste das Training eingeschränkt werden?Stolle: Das Training der Profis musste im Prinzip nicht eingeschränkt werden. Wir konnten mit dem Ball in der Halle „normal“ trainieren. Lediglich das Workout musste aufgrund des Lockdowns in die Halle verlegt werden. Aufgrund des Profistatus und entsprechendem Hygienekonzept durften wir entlang der Corona-Verordnung Sport weiter in die Halle. Für die Volleyball-Abteilung an sich konnte im Sommer noch mit Hygienekonzept und anfangs verminderter Sportleranzahl trainiert werden. Zumindest in der Saisonvorbereitung haben wir die Situation noch positiv bewertet.

BT: Und wie sah es mit Wettkämpfen aus? Wie viele konnten Sie absolvieren? Wie viele fielen aus?Stolle: Bei den Profis musste gleich unser Saisonauftakt Mitte Oktober mit den ersten beiden Heimspielen coronabedingt verschoben werden. Beide gegnerischen Mannschaften hatten positive Fälle und mussten in Quarantäne. Sonst konnten bis auf wenige Ausnahmen alle Spiele termingerecht absolviert werden. Für die restlichen Teams der Volleyball-Abteilung fanden zum Saisonbeginn Ende September noch Wettkämpfe statt. Im Oktober hingegen – mit Anstieg der Infektionszahlen – fielen bereits erste Wettkämpfe aus. Anfang November kam dann der harte Lockdown. Der Trainings- und Spielbetrieb wurde erst eingestellt, später ganz abgebrochen.

Emotionen auf den Tribünen fehlen

BT: Wie schwer war es, sich davon nicht zermürben zu lassen? Oder so gefragt: Wie haben Sie die Motivation oben gehalten?Stolle: So hart es auch klingt, aber für die Bisons ist es ein Job. Immer das Beste zu geben und sich auch für künftige Jobs zu präsentieren, ist die Motivation der Spieler. Wir haben versucht, den Spielbetrieb so normal wie möglich zu gestalten. Mit dem Thema Geisterspiele wurden wir vor große Probleme gestellt. Die Emotionen auf der Tribüne im Hexenkessel blieben aus, ganz zu schweigen von den finanziellen Nöten, die sich aufgrund der Geisterspiele einstellen. Für die überwiegend jugendlichen Akteure der Abteilung sieht es da schon anders aus. Volleyball ist ein Teamsport: Man trainiert und spielt mit Freunden. Man misst sich im Training mit den Kameraden und im Wettkampf mit anderen Teams, fordert sich selbst und andere heraus. Da hilft auch kein Online-Training.

BT: Welche Erfolge haben Sie trotz alledem erzielt?Stolle: Bei den Bisons war eines der Highlights sicher der Erfolg gegen die Berlin Recycling Volleys, auch wenn das freilich nur eine Momentaufnahme war. Grandios war natürlich der nervenaufreibende 3:2-Heimsieg zum Auftakt der Playoffs gegen den Topfavoriten VfB Friedrichshafen. Auch wenn es letztlich nicht für den Halbfinaleinzug gereicht hat, war die Leistung der Jungs herausragend. Für den Rest der Abteilung ist es nach dem Saisonabbruch schwer, über Erfolge zu reden. Die bisherigen Siege wurden nicht gewertet, und wir beginnen mit der nächsten Saison wieder bei null. Insbesondere mit unseren Männern II in der Oberliga waren wir auf Meisterschaftskurs und hätten wahrscheinlich um den Aufstieg in die Regionalliga gespielt. Inwieweit uns das auch in der kommenden Saison gelingt, wird sich zeigen.

BT: Was wünschen und erhoffen Sie sich vom aktuellen Jahr 2021?Stolle: An oberster Stelle, dass wir das Virus mit all seinen Mutationen in den Griff bekommen, gesund bleiben und wieder zu einer Normalität mit Kontaktmöglichkeiten kommen. Daraus wird sich Normalität im privaten Bereich sowie bei sozialen Kontakten einstellen und – ganz wichtig – auch wieder in der Geschäftswelt ein Aufschwung zu verzeichnen sein. Und wenn wir dann auch noch unserem Sport, den wir so lieben, wieder uneingeschränkt nachgehen können, wäre das für das aktuelle Jahr ein guter Fortschritt.