„Unsere Besten“ mit Diskuswerferin Kobialka

Iffezheim (BT) – Die BT-Sportredaktion würdigt die Athleten aus der Region mit der Serie „Unsere Besten“ – diesmal mit Diskuswerferin Vanessa Kobialka vom TV Iffezheim.

„Corona hat mein Leben als Sportler sehr beeinflusst“: Vanessa Kobialka. Foto: Ralf Wohlmannstetter

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„Corona hat mein Leben als Sportler sehr beeinflusst“: Vanessa Kobialka. Foto: Ralf Wohlmannstetter

Vanessa Kobialka hat mächtig Kraft im Arm. Das ist durchaus hilfreich, wenn man wie Sportlerin des TV Iffezheim Gegenstände sehr weit werfen will. Besonders gut ist die 18-Jährige mit dem Diskus, in dieser Disziplin gehört die Kaderathletin zu den vielversprechendsten Talenten Deutschlands. Trotz schwieriger Trainingsbedingungen steigerte die Sechste der U-20-Winterwurf-DM ihre Bestweite 2020 mit der Scheibe auf 45,47 Meter.

BT: Frau Kobialka, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Jahr 2020?
Vanessa Kobialka: Ich blicke mit gemischten Gefühlen auf das Jahr 2020 zurück. Einerseits war es schwer, sich für das Training zu motivieren, da man auch ohne Trainingsgruppe oder Trainingspartner ran musste. In der Freizeit hatte man wenig persönlichen Kontakt zu seinen Freunden, und auch die Schule wurde durch den Online-Unterricht sehr anstrengend. Andererseits habe ich mich im Sommer 2020 noch mehr gefreut, meine Freunde wieder öfter sehen zu können, sowohl in der Freizeit, als auch im Training.

BT: Was wird wohl am ehesten in Erinnerung bleiben?
Kobialka: Der schönste Moment im Jahr 2020 war, als ich endlich wieder mit meinen Freunden zusammen an den Baggersee gehen konnte und, einfach gesagt, mein jugendliches Leben auskosten konnte, weil dies vorher eine längere Zeit nicht möglich war. Am meisten in Erinnerung bleibt mir jedoch der Moment, in dem ich zuhause vor der Hantelstange stand und wirklich überhaupt keine Kraft und Lust hatte, zu trainieren. Die Schule lastete mich aus, das Training habe ich nur noch so „hingenommen“. Es war nicht einfach, allerdings kam die Wettkampfsaison immer näher und so wurde es wieder etwas leichter, sich zu motivieren. Es war ein befreiendes Gefühl, als ich wieder auf dem Sportplatz trainieren durfte und die ersten Wettkämpfe stattfanden.

„Corona hat mein Leben als Sportlerin sehr beeinflusst“

BT: Wie hat Corona Ihr Leben als Sportlerin beeinflusst?
Kobialka: Corona hat mein Leben als Sportlerin sehr beeinflusst. Wegen Corona gab es nur wenige Wettkämpfe, wodurch die Routine ein bisschen verloren gegangen ist. Auch die Umstellung auf das Training zuhause hat eine Weile gedauert. In der Leichtathletik gibt es zwar hauptsächlich Einzeldisziplinen, aber die Gemeinschaft im Training oder auf den Wettkämpfen mit den Vereinsmitgliedern hat sehr gefehlt.

BT: Wie sehr mussten Sie Ihr Training einschränken?
Kobialka: Am Anfang fiel das Techniktraining komplett aus, da ich nicht auf den Sportplatz durfte, um zu werfen. In den Krafteinheiten wurden Alternativen gesucht, weil die Geräte gefehlt haben, dadurch habe ich viel mehr mit dem eigenen Körpergewicht trainiert. Wir haben Gewichte bestellt und mein Vater hat selbst eine Hantelstange angefertigt. So konnte ich nach und nach wieder nach meinem alten Standard trainieren. Das Techniktraining hatte jedoch immer noch gefehlt. Um überhaupt ein Wurfgerät zu haben, sind mein Vater und ich auf die Suche nach großen Kabeln gegangen, so dass wir diese zu Stäben von einem Kilogramm zuschneiden konnten. Nachdem wir diese gefunden haben, war der Platz zum Werfen noch fraglich. Es gab zwar keine perfekte Lösung, jedoch lief es darauf hinaus, dass ich gegen unsere Scheune im Hof geworfen habe. Mittlerweile gibt es Ausnahmen in Form der Spitzensportverordnung, Kaderathleten in Baden-Württemberg dürfen trainieren, jedoch muss die jeweilige Gemeinde dem auch zustimmen. Dies ist in Iffezheim leider nicht der Fall, deswegen trainiere ich zurzeit immer noch zuhause.

„Ich habe versucht, nicht so viel an das Negative zu denken“

BT: Und wie sah es mit Wettkämpfen aus? Wie viele konnten Sie absolvieren? Wie viele fielen aus?
Kobialka: Es waren auf jeden Fall viel weniger Wettkämpfe als in den vorherigen Jahren. Die meisten Wettkämpfe, die stattfanden, wurden von Landestrainern organisiert. Insgesamt habe ich nur an acht Wettkämpfen im Jahr 2020 teilgenommen. Fünf davon waren „normale“ Wettkämpfe, vier davon waren Einladungswettkämpfe von den Landestrainern. Drei von den insgesamt acht Veranstaltungen waren Meisterschaften, deutsche Meisterschaften und badenwürttembergische Meisterschaften, die auch nach hinten verschoben wurden, damit sie überhaupt stattfinden konnten. Jegliche anderen Meisterschaften und Qualifikationswettkämpfe sind ausgefallen. Normalerweise nehme ich an ungefähr 20 Wettkämpfen in der Sommersaison teil.

BT: Wie schwer war es, sich davon nicht zermürben zu lassen? Oder so gefragt: Wie haben Sie die Motivation oben gehalten?
Kobialka: Zu Beginn hat man sich gesagt: „Es ist bestimmt bald vorüber. Das geht schon vorbei. Du schaffst das.“ Nach und nach wurde es aber immer schwerer. Im Nachhinein bin ich mir gar nicht sicher, wie ich meine Motivation oben gehalten haben. Die Motivation war mal größer und mal kleiner. Ich habe versucht, nicht so viel an das Negative zu denken, ob ich vielleicht überhaupt keinen Wettkampf machen kann oder ob es sich überhaupt lohnt, für diese Saison noch zu trainieren. Im Endeffekt habe ich einfach weitergemacht und auch mit meiner Familie und mit meinen Freunden darüber geredet, die mich zusätzlich motiviert haben.

BT: Welche Erfolge haben Sie trotz alledem erreicht?
Kobialka: Auch wenn dieses Jahr nicht mein bestes Jahr war und auch die Meisterschaften nicht so gelaufen sind, wie ich es wollte, bin ich froh, dass ich meine persönliche Bestleistung auf 45,47 Meter verbessert habe.

BT: Was wünschen und erhoffen Sie sich vom Jahr 2021?
Kobialka: Ich erhoffe mir, bald wieder auf dem Sportplatz trainieren zu dürfen und dass das etwas andere Training und die neue Erfahrung meiner Leistung in diesem Jahr zugutekommt.

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Erstellt:
22. Februar 2021, 20:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 45sec

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