„Unsere Besten“ mit Hammerwerfer Corsin Wörner

Forbach (BT) – Die BT-Sportredaktion würdigt die Athleten aus der Region mit der Serie „Unsere Besten“. Diesmal an der Reihe: Hammerwerfer Corsin Wörner.

„Mein Leben als Sportler hat sich seit Beginn der Pandemie enorm verändert“: Hammerwerfer Corsin Wörner. Foto: Ralf Wohlmannstetter/Archiv

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„Mein Leben als Sportler hat sich seit Beginn der Pandemie enorm verändert“: Hammerwerfer Corsin Wörner. Foto: Ralf Wohlmannstetter/Archiv

Corsin Wörner packt gerne mal den Hammer aus – und lässt Selbigen ziemlich weit fliegen. Der Hammerwerfer der LAG Obere Murg erreichte im vergangenen Jahr – nach langer Verletzungspause – bei den deutschen Meisterschaften einen achten Platz. Auf dem Resultat möchte Wörner in der kommenden Saison weiter aufbauen.

BT: Herr Wörner, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Jahr 2020 zurück?
Corsin Wörner: Auf jeden Fall mit sehr gemischten Gefühlen. Es gab viele schöne Momente, ob auf sportlicher oder auch auf privater Ebene. Dennoch bestehen auch die negativen Gefühle und Gedanken, die eine solche Pandemie in der Gesellschaft auslöst.

BT: Was wird wohl am ehesten in Erinnerung bleiben?
Wörner: Der Moment, in dem ich das erste Mal so richtig erkannt und verstanden habe, was diese Pandemie für gesellschaftliche Folgen mit sich bringt. Im Berufsleben hat sich das Homeoffice durchgesetzt, im Sport sind es Dinge wie gesperrte Plätze, viele einsame Trainingswochen und die Kreativität, Trainingsinhalte auf unterschiedliche Art und Weise zu absolvieren.

BT: Wie hat Corona Ihr Leben als Sportler beeinflusst?
Wörner: Mein Leben als Sportler hat sich seit Beginn der Pandemie enorm verändert. Aufgrund einer Rückenverletzung und einem operativen Eingriff im Dezember 2019 war ich gerade im Aufbautraining und kämpfte für eine mögliche Saison, vorwiegend in der Sporthalle. Ehrlicherweise habe ich Anfang des Jahres stark daran gezweifelt. Als ich im März dann das erste Mal auf dem Sportplatz einen Hammer in der Hand hatte, begann die Pandemie auch schlagartig bei uns. Aufgrund der Schließungen der örtlichen Sporthallen musste ich schnell nach alternativen Trainingsmöglichkeiten suchen und habe mir direkt mein eigenes Home-Gym eingerichtet. Seither habe ich begonnen, meine Trainingspläne ein wenig flexibler zu gestalten und angefangen, die Trainingstage mit Dankbarkeit anzugehen. Aber vor allem habe ich in dieser Zeit gelernt, mehr auf meinen eigenen Körper zu hören und sich doch auch mehr Ruhe zu gönnen. Diese Zeit kann schon als kleiner Wendepunkt in meinem Leben als Sportler bezeichnet werden.

„Habe mir ein Home-Gym angeschafft

BT: Wie sehr mussten Sie Ihr Training einschränken?
Wörner: Zu Beginn der Pandemie war es natürlich eine Umstellung, nicht mehr das gewohnte Trainingsumfeld um sich zu haben. Anfangs habe ich begonnen, alles was mir zu Hause zur Verfügung stand, zu nutzen und kreativ zu werden, bis ich mir dann mein eigenes Home-Gym angeschafft habe. Mittlerweile bin ich sogar sehr froh, einfach den Laptop nach der Arbeit zuzuklappen und direkt mit dem Training zu beginnen. Ansonsten habe ich auch den Garten oder die Straße vor der Haustür für Trainingseinheiten eingesetzt – und nutze diese immer noch. Zum Glück konnten wir aber im vergangenen Jahr, auch wenn teils eingeschränkt, unseren Sportplatz für die Wurfeinheiten nutzen.

BT: Und wie sah es mit Wettkämpfen aus? Wie viele konnten Sie absolvieren? Wie viele fielen aus?
Wörner: 2020 habe ich eigentlich nur drei Wettkämpfe absolviert. Unser heimisches Hammerwerfen mit Musik in Langenbrand, die deutschen Meisterschaften in Braunschweig sowie die baden-württembergischen Meisterschaften in Walldorf in der Late-Season. Aufgrund der fehlenden Vorbereitung im Winter und auch den schwierigen Bedingungen unter der Saison hat mir das aber auch vollkommen gereicht.

BT: Wie schwer war es, sich davon nicht zermürben zu lassen? Oder so gefragt: Wie haben Sie die Motivation oben gehalten?
Wörner: Für mich ist der Sport eine sehr große Leidenschaft – und dadurch die innere Motivation sowieso hoch. Die Pandemie war für mich kein Auslöser für einen möglichen Saisonabbruch. Schwieriger ist es für mich, täglich gegen die körperlichen Strapazen des Leistungssports anzukämpfen und auch schwierigere Phasen zu überstehen. Aber auch das gehört dazu und lässt mich nicht so schnell daran hindern, sich von meinen Zielen zu distanzieren.

„Sollten nicht nur das Negative sehen

BT: Welche Erfolge haben Sie trotz alledem erzielt?
Wörner: Da ich am Anfang des Jahres aus gesundheitlichen Gründen nicht mit einer möglichen Saison gerechnet habe, kann ich trotzdem sehr zufrieden sein. Mit dem baden-württembergischen Titel und einer soliden Saisonbestweite von 62,35 Metern habe ich die Hausaufgaben gemacht und mich auch für die DM qualifiziert. In Braunschweig wäre die ein oder andere Platzierung nach oben durchaus drin gewesen, dennoch kann ich auf einem achten Platz sehr gut aufbauen. Allerdings fehlt mir immer noch der eine Wettkampf, bei dem ich meine Trainingsleistung auch im Wettkampf abrufen kann.

BT: Was wünschen und erhoffen Sie sich vom gerade begonnenen Jahr 2021?
Wörner: Der Sport ist ein so bedeutsames Teilsystem unserer Gesellschaft, indem er wichtige Werte vermittelt. Neben dem Gesundheits- und Leistungsaspekt sind es vor allem die sozialen und pädagogischen Funktionen, die den Sport so essenziell machen. Aufgrund der Pandemie wurde diese gesellschaftliche Bedeutung in erheblicher Weise beeinträchtigt. Deshalb hoffe ich, dass sich die Lage Schritt für Schritt beruhigt und wir schnellstmöglich in unser alltägliches Leben zurückkehren dürfen. Dennoch sollten wir nicht nur das Negative sehen, sondern auch positiv bleiben und die neuen Chancen nutzen. Auf sportlicher Ebene wünsche ich mir vor allem ein verletzungsfreies Jahr. Dann dürfte einer persönlichen Bestleistung und einer guten Platzierung bei den deutschen Meisterschaften nichts im Wege stehen.

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Erstellt:
15. Februar 2021, 20:30 Uhr
Lesedauer:
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