„Unsere Besten“ mit Leichtathletin Fruchtmann

Baden-Baden (BT) – Die BT-Sportredaktion würdigt die Athleten aus der Region mit der Serie „Unsere Besten“ – diesmal mit Leichtathletin Rachel Fruchtmann.

„Es war nicht so schön, bei den deutschen Meisterschaften nur zuschauen zu können“: Rachel Fruchtmann. Foto: Ralf Wohlmannstetter

© rawo

„Es war nicht so schön, bei den deutschen Meisterschaften nur zuschauen zu können“: Rachel Fruchtmann. Foto: Ralf Wohlmannstetter

Eigentlich wollte Rachel Fruchtmann im vergangenen Jahr so richtig durchstarten, vor allem natürlich sportlich. Doch nicht nur Corona bremste die Leichtathletin des SR Yburg Steinbach aus, die 19-Jährige hatte auch mit einer Verletzung im rechten Sprunggelenk zu kämpfen. So hat die Dreispringerin im Corona-Jahr andere Schwerpunkte gesetzt und etwa ihr Studium vorangetrieben.

BT: Frau Fruchtmann, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Jahr 2020 zurück?
Rachel Fruchtmann: Mit sehr gemischten Gefühlen. Nachdem ich 2019 mein Abitur absolviert habe, hatte ich mich sehr gefreut, noch intensiver und fokussierter trainieren zu können. Neben dem Sport begann ich ein FSJ in Verein (SR Yburg Steinbach) und Schule. Leider war dieses in der zweiten Hälfte des Jahres durch die äußeren Umstände eingeschränkt. Auch im Sport lief es eher holprig. Durch eine Fußverletzung konnte ich nur sehr begrenzt trainieren. Dennoch habe ich die Corona-Zeit auch teils sehr positiv wahrgenommen. Ich hatte viel Zeit, mich neben dem Sport für andere Dinge zu interessieren und habe so einen passenden Studiengang für mich entdecken können. Mittlerweile habe ich das erste Semester erfolgreich absolviert.

BT: Was wird wohl am ehesten in Erinnerung bleiben?
Fruchtmann: In Erinnerung wird vor allem der erste Lockdown bleiben. Für alle war die Situation neu und unbekannt. In den ersten Wochen hat man sich ständig virtuell verabredet, geredet, Sport gemacht und gemeinsam versucht, die Zeit zu überbrücken. Was heute zum nervenzehrenden Alltag geworden ist, war vor einem Jahr noch neu und aufregend. Das Gefühl von Zusammenhalt und Solidarität war deutlich größer als zum jetzigen Zeitpunkt. Das sind für mich positive Erinnerungen.

„Das war eine komplette Ausnahmesituation“

BT: Wie hat Corona Ihr Leben als Sportlerin beeinflusst?
Fruchtmann: Sehr. Das war/ist eine komplette Ausnahmesituation. Wenn man es gewohnt ist, täglich mehrere Stunden auf dem Sportplatz oder im Kraftraum zu stehen, wird einem ein riesiger Teil, der das eigene Leben ausfüllt, weggenommen. Das war am Anfang sehr hart. Es hat aber auch gutgetan, mal Abstand gewinnen zu können. Wenn man so viel Zeit mit einer Sache verbringt, vergisst man manchmal, dass es außer dem Sport noch andere Dinge im Leben gibt. Es kann auch sehr anstrengend sein und macht müde, immer unter Druck zu stehen. Durch diese Pause hat man gelernt, gelassener mit diesem Leistungsdruck umzugehen. Man hat gelernt, sich nicht nur durch die sportliche Leistung zu definieren, sondern genießt wieder mehr die Freude am Trainieren und der Bewegung allgemein.

BT: Wie sehr mussten Sie Ihr Training einschränken?
Fruchtmann: Ebenfalls sehr. Normalerweise hätten einen Monat nach Beginn des ersten Lockdowns die ersten Wettkämpfe stattfinden sollen. Die gesamte Trainingsgruppe war topfit – und auf einmal wurde alles gestrichen. Ohne zu wissen, ob oder wann Wettkämpfe stattfinden könnten, war es für unsere Trainerin unmöglich, einen Trainingsplan auszuarbeiten. Ein leistungsorientiertes Training war erst wenige Monate vor Beginn der nach hinten verschobenen Saison möglich. Wir haben versucht, in der zur Verfügung stehenden Zeit das Bestmögliche rauszuholen.

BT: Und wie sah es mit Wettkämpfen aus? Wie viele konnten Sie absolvieren? Wie viele fielen aus?
Fruchtmann: Ich konnte aufgrund einer Verletzung im rechten Sprunggelenk nur zwei Wettkämpfe Ende September bestreiten. Durch den Lockdown und die Verletzung konnte ich leider nicht an den deutschen Jugendmeisterschaften teilnehmen. Die beiden Wettkämpfe am Ende des Sommers hatten den Zweck, das Wettkampfgefühl nicht zu verlieren. Sie waren außerdem ein körperlicher Belastungstest nach der Verletzung. Prinzipiell sind viele Wettkämpfe ausgefallen, ohne die Verschiebung des Wettkampfkalenders hätte ich jedoch vermutlich keinen einzigen Wettkampf absolvieren können. Dementsprechend kam mir die Verschiebung der Saison zugute.

Große Freude über das Wiedersehen

BT: Wie schwer war es, sich davon nicht zermürben zu lassen? Oder so gefragt: Wie haben Sie die Motivation oben gehalten?
Fruchtmann: Es war nicht so schön, bei den deutschen Meisterschaften nur zuschauen zu können. Schließlich sind die großen Wettkämpfe eine der Hauptmotivationsquellen. Sobald wir aber Ende April wieder in kleinen Gruppen und unter Hygienevorschriften trainieren durften, war die Motivation schnell wieder da. Ohne die guten Beziehungen innerhalb der Trainingsgruppe wäre diese Zeit wahrscheinlich unerträglich gewesen. Die Freude über das gemeinsame Wiedersehen war so groß, dass die Trainings in der Corona-Zeit zu meinen persönlichen Highlights wurden.

BT: Welche Erfolge haben Sie trotz alledem erzielt?
Fruchtmann: Bei den baden-württembergischen Meisterschaften habe ich im Dreisprung sowohl bei der U 23 als auch bei der U 20 den zweiten Platz belegt.

BT: Was wünschen und erhoffen Sie sich vom Jahr 2021?
Fruchtmann: Am meisten wünsche ich mir, dass alle Trainer und Athleten weiterhin gesund und natürlich verletzungsfrei bleiben. Außerdem, dass wir weiterhin die Möglichkeit haben, unter Top-Bedingungen auf dem Gelände der Sportschule Steinbach trainieren zu dürfen. Wenn es irgendwann wieder unter vertretbaren Bedingungen möglich sein sollte, würde ich mir wünschen, mit der gesamten Trainingsgruppe ins Trainingslager zu fahren. Ansonsten hoffe ich, wieder gut in das Wettkampfgeschehen zurückzufinden, falls die Saison wie geplant stattfinden sollte, um dann neue persönliche Bestleistungen aufstellen zu können. Konkret ist das Ziel, eine gute Platzierung bei den deutschen Jugendmeisterschaften zu erreichen.

Zum Artikel

Erstellt:
24. März 2021, 05:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 38sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.