„Unsere Besten“ mit OSG-Schachspielern

Baden-Baden (BT) – Die BT-Sportredaktion würdigt die Athleten aus der Region mit der Serie „Unsere Besten“ – diesmal mit den Schachspielern der OSG Baden-Baden.

„Mit dem 14. Meistertitel im September in der Schach-Bundesliga konnten wir unseren Status als deutscher Rekordmeister weiter zementieren“, freut sich Patrick Bittner (Mitte), erster Vorsitzender der OSG. Foto: Georgios Souleidis

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„Mit dem 14. Meistertitel im September in der Schach-Bundesliga konnten wir unseren Status als deutscher Rekordmeister weiter zementieren“, freut sich Patrick Bittner (Mitte), erster Vorsitzender der OSG. Foto: Georgios Souleidis

Pandemie hin, Corona her – Die Ooser Schachgesellschaft ist in Deutschland das Maß aller Dinge. Im September des vergangenen Jahres zementierten die Denksportler aus Baden-Baden ihren Status als deutscher Rekordmeister. Dennoch waren die vergangenen zwölf Monate keine einfachen, wie Patrick Bittner, erster Vorsitzender der OSG, in den Antworten auf die BT-Fragen unterstreicht.

BT: Herr Bittner, mit welchen Gefühlen blicken Sie und die OSG auf das Jahr 2020 zurück?
Patrick Bittner: Ich blicke auf das vergangene Corona-Jahr wie die meisten von uns wahrscheinlich mit schlechten Gefühlen zurück. Unser bisheriges „normales“ Leben wurde fast komplett aus den Angeln gehoben. Viele Menschen haben ihre Angehörigen verloren oder kämpfen heute selber noch mit den Folgen der Krankheit. Übervolle Krankenhäuser, Pflegepersonal am Limit und viele Menschen, Firmen, Künstler, Gastronomie oder Vereine in Existenzängsten – das alles bleibt negativ hängen bei mir.

BT:Was wird wohl am ehesten in Erinnerung bleiben?
Bittner: Trotz allem die große Solidarität untereinander und eine neue Achtsamkeit seinen Mitmenschen gegenüber. Uns wird und wurde auf schlimme Weise aufgezeigt, wie fragil unsere Lebensweise ist und wie sehr wir darauf angewiesen sind, dass wir weltweit an einem Strang ziehen und alle „in einem Boot“ sitzen.

BT: Wie hat Corona Ihr Leben als Sportler beeinflusst?
Bittner: Es wurden fast alle Turniere und Ligen abgesagt oder verschoben. Vereinskameradinnen- und Kameraden, die man früher fast jede Woche gesehen hat und mit denen man das gemeinsame Hobby teilte, hat man zum Teil seit Monaten nicht mehr gesehen. Alle Vereinsaktivitäten kamen zum Erliegen. Immerhin können wir Schach noch im Internet spielen und bieten dort momentan auch viel Training und Turniere an.

BT: Wie sehr mussten Sie Ihr Training einschränken?
Bittner: Wir trainieren normalerweise Woche für Woche in der Lichtentaler Allee rund 70 bis 100 Kinder und Jugendliche. Dazu unser Vereinsabend, wo sich gerade ältere Mitglieder trafen, um Schach zu spielen und Freundschaften zu pflegen. Unsere Schulschach-Aktivitäten sind komplett zum Erliegen gekommen. Immerhin konnten wir einen Teil des Trainings ins Internet verlegen, aber gerade unsere älteren Mitglieder bleiben hier zum Teil völlig auf der Strecke, was mir wahnsinnig leidtut.

BT: Und wie sah es mit Wettkämpfen aus? Wie viele konnten Sie absolvieren? Wie viele fielen aus?
Bittner: Es ist auf Bezirks-, Verbands- und deutscher Ebene so gut wie alles ausgefallen – bis auf die Meisterschaftsrunde der Schach-Bundesliga, wo wir erfreulicherweise den 14. Deutschen Meistertitel gewinnen konnten. Auch eins der größten Turniere weltweit, das Grenke Chess Open, an dem wir organisatorisch beteiligt sind und das 2019 fast 2.000 Teilnehmer aus über 80 Nationen zählte, musste abgesagt werden. Da geht es uns auch nicht besser als anderen Sportarten.

BT: Wie schwer war es, sich davon nicht zermürben zu lassen? Oder so gefragt: Wie haben Sie die Motivation oben gehalten?
Bittner: Es gab ja unterschiedliche Phasen bisher in dieser Pandemie. Erst der Lockdown vergangenes Jahr im März. Okay, da dachten wir, ein paar Monate muss man verzichten und dann kommt der Sommer und es wird besser. Immerhin konnten wir ab dort dann wieder Face-to-Face trainieren in kleinen Gruppen, mit Mundschutz, Plexiglasscheiben und dem entsprechenden Hygienekonzept. Die Menschen waren allerdings sehr vorsichtig und so wurde auch der Ligabetrieb nicht aufgenommen. Viele Schachspieler sind auch älter und unterliegen dementsprechend Risikogruppen. Die Motivation ist und war einfach, dass die Pandemie irgendwann unter Kontrolle sein wird und wir dann wieder voll durchstarten. Wir haben zig Pläne für Aktivitäten aller Art in der Schublade für einen Neustart. Wir sind einer der größten Vereine in Deutschland und haben die Verpflichtung unseren Mitgliedern gegenüber, den Verein am Laufen zu halten und uns von Corona nicht unterkriegen zu lassen. Was ich hier noch betonen möchte ist, dass wir bisher unsere Mitgliederzahlen konstant halten können, und ich bin sehr stolz auf unsere Mitglieder, dass sie die Treue zu dem Verein und unserem Sport halten.

BT: Welche Erfolge haben Sie trotz alledem erzielt?
Bittner: Mit dem 14. Meistertitel im September in der Schach-Bundesliga konnten wir unseren Status als deutscher Rekordmeister weiter zementieren. Im deutschen Mannschaftspokal stehen wir in der Endrunde. Bei Online-Turnieren im Internet konnten unsere Kinder- und Jugendliche viele Erfolge erzielen, sei es auf Bezirks- oder Verbandsebene und bei Deutschen Meisterschaften.

BT: Was wünschen und erhoffen Sie sich vom Jahr 2021?
Bittner: Es gibt Menschen, Firmen, Branchen und Vereinen, denen es weitaus schlechter geht als der OSG Baden-Baden. Deswegen möchte ich die Wünsche verallgemeinern, denn was nutzt es, wenn es uns gut geht, aber allen anderen nicht. Wenn Corona verschwunden ist, wird auch nicht auf einmal alles gut sein auf der Welt, aber ich wünsche mir natürlich, dass wir die Pandemie so schnell wie möglich in den Griff bekommen und dass wir etwas bewusster und achtsamer mit unseren Mitmenschen und der Umwelt umgehen. Eine gewisse Entschleunigung unserer Lebensweise würde uns guttun und dieses immer „höher, schneller, weiter“ und noch mehr Profit auf Kosten der Umwelt sollte überdacht und geändert werden. Rein sportlich betrachtet wünsche ich dem Schach und allen Sportarten, dass wir unser geliebtes Hobby bald wieder uneingeschränkt ausüben können.

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Erstellt:
22. Februar 2021, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 40sec

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