„Unsere Besten“ mit Radfahrer Jan Rinklef

Sinzheim (BT) – Die BT-Sportredaktion würdigt die Athleten aus der Region mit der Serie „Unsere Besten“. Diesmal an der Reihe: Nachwuchs-Radfahrer Jan Rinklef.

Ist Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft: Jan Rinklef vom RSV Edelweiß Kartung. Foto: Privat

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Ist Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft: Jan Rinklef vom RSV Edelweiß Kartung. Foto: Privat

Jan Rinklef ist auf zwei Rädern zuhause – und das ungemein schnell. Sowohl auf der Bahn als auch auf der Straße gehört der fast 17-Jährige zu den größten Talenten Deutschlands. Der Beweis: 2020 wurde der Sportler des RSV Edelweiß Kartung in den Nationalkader des Bunds Deutscher Radfahrer aufgenommen.

BT: Herr Rinklef, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Jahr 2020 zurück?
Jan Rinklef: Das Jahr 2020 war für mich persönlich eigentlich trotz der Corona-Pandemie ein sehr erfolgreiches. Im Frühjahr habe ich meinen Moped-Führerschein bestanden, im Sommer dann – auch mit Homeschooling – meinen erfolgreichen Abschluss der Mittleren Reife. Seit September befinde ich mich in der Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bei der Firma Schöck und zum krönenden Abschluss wurde ich Ende des Jahres in den Nationalkader des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR) aufgenommen.

BT: Was wird wohl am ehesten in Erinnerung bleiben?
Rinklef: Am ehesten wohl das anstrengende Homeschooling und die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung. Leider konnten wir auch den Abschluss nicht wie geplant feiern, was wir natürlich alle ziemlich schade fanden.

„Anfang Mai hatte ich dann tatsächlich einen Tiefpunkt“

BT: Wie hat Corona Ihr Leben als Sportler beeinflusst?
Rinklef: Nun ja, zunächst war ich in den Faschingsferien im Trainingslager in der Emilia-Romagna in Italien und habe mich sehr gut auf die Saison vorbereitet. Ende März hätten die ersten Wettkämpfe stattfinden sollen, bei denen ich meine Form hätte zeigen können. Diese wurden aufgrund des Lockdowns einer nach dem anderen leider abgesagt. Die Hoffnung war, dass nach dem Lockdown die Rennen wieder direkt starten können. Das bedeutete dann natürlich für mich, immer weiter zu trainieren, die Form zu halten und eventuell noch zu verbessern. Das Rennradtraining habe ich immer alleine absolviert. Anfang Mai hatte ich dann tatsächlich einen Tiefpunkt. Es ist schwierig, sich als Sportler zu motivieren, wenn keine Wettkämpfe in Sicht sind, und man fragt sich schon: „Für was trainiere ich eigentlich?“ Glücklicherweise dauerte der Tiefpunkt nicht zu lange an und ich bin konsequent im Training geblieben. Der erste Wettkampf fand dann für mich erst Mitte Juli in Langenhagen statt. Da es sich insgesamt um eines der ersten Rennen der Saison handelte, waren dort auch sehr viele Fahrer aus ganz Deutschland, die sonst auch bei den Sichtungsrennen anwesend sind, am Start. Das war schon ein sehr guter Auftakt, den ich mit einem guten sechsten Platz abschließen konnte.

BT: Wie sehr mussten Sie Ihr Training einschränken?
Rinklef: Prinzipiell kann ich sagen, dass ich mein Training nicht einschränken musste, da ich alle Einheiten auch alleine machen konnte. Da ich durch meine Ausbildung nun mein Training am Abend erledige, musste ich lediglich darauf achten, vor 20 Uhr zu Hause zu sein.

BT: Und wie sah es mit Wettkämpfen aus? Wie viele fielen aus?
Rinklef: Wettkämpfe konnte ich leider nur sieben absolvieren. Wie viele ausgefallen sind, kann ich gar nicht genau sagen, aber im Vorjahr bin ich bei 40 Wettkämpfen auf Bahn und Straße gestartet, darunter auch Rundfahrten wie etwa die TMP-Tour in Thüringen, die „YoungClassics“ in Hamburg und das Criterium des Jeunes in Luxemburg.

„Freue mich, als Fahrer für die deutsche Nationalmannschaft an den Start zu gehen“

BT: Wie schwer war es, sich davon nicht zermürben zu lassen? Oder so gefragt: Wie haben Sie die Motivation oben gehalten?
Rinklef: Wie schon erwähnt, hatte ich Anfang Mai einen Tiefpunkt. Ohne Wettkämpfe ist es für Sportler sehr schwer, die Motivation zum Trainieren oben zu halten. Da ich mein Training aber immer schon konsequent ausgeführt habe, hat mich das wohl über diesen Tiefpunkt hinweg getragen. Auch mein Trainer Lothar Walter vom RSV Edelweiß in Kartung hat mich, wie in den Jahren zuvor auch, sehr gut begleitet, unterstützt und – wenn es mal nicht so gut lief – immer wieder aufgebaut. Ebenso wusste ich, dass meine Eltern voll hinter mir stehen, mich wieder unterstützen – Fahrdienste zu Wettkämpfen, finanziell – und dafür sorgen, dass das sportliche und private Umfeld, das für einen Leistungssportler sehr wichtig ist, stimmt.

BT: Welche Erfolge haben Sie trotz alledem erzielt?
Rinklef: Besonders wichtig für mich war, bei den vom BDR angesetzten Sichtungsrennen auf den Punkt fit zu sein. Die Gesamtwertung dieser Sichtungsserie sowie die Absolvierung der einzelnen Sichtungsrennen, bei denen immer um die 150 Sportler am Start sind, sind ausschlaggebend für die Aufnahme in den Nationalkader. Glücklicherweise konnte ich gute Ergebnisse liefern, so dass ich am Ende in der Gesamtwertung auf Rang sechs stand. Ich denke, mit ausschlaggebend für die Aufnahme in den Nationalkader war auch die deutsche Meisterschaft Anfang Oktober in Bruchsal. Bereits in der ersten Runde sind Fahrer vor mir gestürzt, so dass ich zunächst sehr weit hinten fahren musste. Zum Glück bin ich nicht selbst in einen Sturz verwickelt gewesen, so konnte ich mich Runde um Runde nach vorne kämpfen und bin als Neunter noch in der Top Ten gelandet.

BT: Was wünschen und erhoffen Sie sich vom Jahr 2021?
Rinklef: Sportlich gesehen hoffe ich, dass nach dem derzeitigen Lockdown die Rennen bald starten können und ich mich in der neuen Altersklasse – ich gehöre ab diesem Jahr der U 19 an – gut präsentieren kann. Ich freue mich, als Fahrer für die deutsche Nationalmannschaft an den Start zu gehen und hoffentlich auch das ein oder andere internationale Rennen fahren zu können. Die DM ist natürlich gesetzt, eine Teilnahme bei EM oder WM wäre natürlich auch nicht schlecht.

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Erstellt:
16. Februar 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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