„Unsere Besten“ mit Sprinter Justus Baumgarten

Baden-Baden (BT) – Die BT-Sportredaktion würdigt die Athleten aus der Region mit der Serie „Unsere Besten“ – diesmal mit Sprinter Justus Baumgarten vom SCL Heel Baden-Baden.

„Mein Ziel ist es aber, die Freiluftsaison wieder besser abzuschließen“: Justus Baumgarten. Foto: Ralf Wohlmannstetter

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„Mein Ziel ist es aber, die Freiluftsaison wieder besser abzuschließen“: Justus Baumgarten. Foto: Ralf Wohlmannstetter

Justus Baumgarten ist ein harter Hund. Sonst hätte er sich wohl kaum die mörderischste Sprintdistanz – die Stadionrunde – als Lieblingsdisziplin ausgesucht. Über 400 Meter mischt der 20-jährige Sprinter des SCL Heel Baden-Baden mittlerweile auch im Erwachsenenbereich im Konzert der Großen mit: Vor rund einem Jahr wurde er deutscher Vizemeister in der Halle. 2021 will der Student (Bauingenieurswesen) auch im Freien wieder flott unterwegs sein.

BT: Herr Baumgarten, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Jahr 2020 zurück?
Justus Baumgarten: Es war ein sehr seltsames Jahr. Nachdem es für mich sportlich sehr erfolgreich begonnen hatte, kam der Lockdown mit den Einschränkungen auf allen Gebieten – auch im Sport. Dazu kam auch die Angst, dass sich die Situation, die man in China oder Italien sah, auch hier einstellen und Familie und Freunde treffen könnte. Nach Ende des ersten Lockdowns blieb die Vorsicht beim Umgang mit anderen Menschen. Auch der lockere Kontakt zu anderen Sportlern bei den Wettkämpfen war nicht mehr so unbelastet möglich.

Erste Medaille im Erwachsenenbereich

BT: Was wird wohl am ehesten in Erinnerung bleiben?
Baumgarten: Natürlich die vielen Einschränkungen, die Sorgen und Ängste, auch die Existenzängste vieler Menschen durch die wirtschaftlichen Entwicklungen und die Ladenschließungen. Und dass sich das Tragen einer Maske von völlig absurd zu völlig normal entwickelte. Aber auch, dass man als Familie wieder mehr Zeit zusammen verbracht hat. Sportlich bleibt mir vor allem meine sehr gelungene Hallensaison als Vizemeister bei den deutschen Hallenmeisterschaften und damit meine erste Medaille bei den Erwachsenen in Erinnerung. Aber auch die außergewöhnlichen Trainingsbedingungen, die während des ersten Lockdowns herrschten.

BT: Wie hat Corona Ihr Leben als Sportler beeinflusst?
Baumgarten: Für mich war die Zeit, in der ich nicht im Stadion trainieren durfte, sehr schwierig. Das Training wurde immer mehr zum Zwang, da ich irgendwann nur noch trainiert habe, um meine Form beizubehalten und für vielleicht doch noch kommende Wettkämpfe eine halbwegs solide Ausgangsform aufzubauen. Da war es auch nicht hilfreich, dass meine Konkurrenten, zum Beispiel in Sachsen, im Frühjahr schon längst wieder im Stadion trainieren durften, ich aber immer noch das Training auf Wald- und Feldwegen absolvieren musste. Ich bin aber stolz, das trotzdem durchgezogen zu haben.

BT: Wie sehr mussten Sie Ihr Training einschränken?
Baumgarten: Eigentlich hatte ich trotz aller Trainingseinschränkungen noch Glück, andere Sportarten waren da doch viel härter betroffen. Zwar durfte ich nicht ins Stadion und so fehlten vor allem die Sprinteinheiten und das Tempotraining, aber für das Krafttraining hatte ich daheim alles zur Verfügung und zumindest in dieser Hinsicht keine großen Einschränkungen. Darüber hinaus hatte ich mein „Trainingsgelände“ in Oos direkt vor der Haustür. Außerdem stand ich die ganze Zeit mit meinem Trainer Adam Domicz in Kontakt, von dem ich online auch meine Trainingspläne erhielt und der, angepasst an die Möglichkeiten, auch alternative Trainingsvarianten für mich suchte. Nach der Lockerung des Lockdowns im Frühjahr bekamen wir dann auch wieder die Möglichkeit, im Stadion zu trainieren. Seitdem sind die Trainingsvoraussetzungen wieder weitestgehend normal.

600 Kilometer Fahrt zu den einzelnen Wettkämpfen

BT: Und wie sah es mit Wettkämpfen aus? Wie viele konnten Sie absolvieren? Wie viele fielen aus?
Baumgarten: Durch den Lockdown, der bis in den Frühling andauerte, begann die Saison mehr als einen Monat später, als es normalerweise üblich ist. Das hatte zur Folge, dass viele Wettkämpfe abgesagt werden mussten und das Wettkampfangebot deshalb nicht annähernd so umfangreich war wie sonst. Normalerweise ist es eigentlich kein Problem, Wettkämpfe in der Nähe zu finden, die auch vom Starterfeld gut besetzt sind und mit denen man sich auf den Saisonhöhepunkt vorbereiten kann. Doch in diesem Jahr war es so, dass es selbst deutschlandweit nur ein sehr ausgedünntes Programm gab, was dazu führte, dass ich fast für jeden Wettkampf über 600 Kilometer fahren musste. Der Vorteil dessen war aber, da es allen anderen Athleten genau so ging und somit bei fast jedem Wettkampf eine sehr hohe Leistungsdichte zustande kam.

BT: Wie schwer war es, sich nicht zermürben zu lassen? Oder so gefragt: Wie haben Sie die Motivation oben gehalten?
Baumgarten: Mein Erfolg bei der Hallen-DM hatte für einen enormen Motivationsschub für die Freiluftsaison gesorgt. Jedoch war es dann aufgrund der Einschränkungen und der dadurch fehlenden Wettkampfvorbereitung sehr schwer, an diesen Erfolg anzuknüpfen. Normalerweise gibt es für die jeweilige Saison (Halle/Freiluft) einen darauf abgestimmten Trainingszeitplan. Diesen „Fahrplan“ gab es ab Mitte Februar dann nicht mehr, und durch die fehlenden Perspektiven sank auch die Motivation immer mehr. Obwohl das Stadion nach Ende des Lockdowns wieder geöffnet wurde und normales Training weitestgehend möglich war, blieb es für mich schwierig, wieder zu alter Motivation und dem bisherigen Ehrgeiz zurückzufinden. Das spiegelte sich dann auch in den Zeiten bei den ersten Wettkämpfen wider. Zu diesem Zeitpunkt gab es durchaus die Überlegung, die Saison vorzeitig zu beenden.

BT: Welche Erfolge haben Sie trotz alledem erzielt?
Baumgarten: Anfang des Jahres konnte ich, wie schon gesagt, mit dem zweiten Platz über 400 Meter bei der Hallen-DM in Leipzig meine erste Medaille im Erwachsenenbereich erzielen. Als fast noch größeren Erfolg werte ich aber eigentlich, dass ich trotz aller Trainings- und Motivationsprobleme und einer doch eher verkorksten Freiluft-„Late Season“ meine persönliche Bestleistung über 400 Meter auf 47,34 Sekunden und über 200 Meter auf 21,62 Sekunden verbessern konnte.

BT: Was wünschen und erhoffen Sie sich vom Jahr 2021?
Baumgarten: Auf alle Fälle, dass die Pandemie schnellstmöglich ein Ende hat und wir bis dahin hoffentlich gesund bleiben. Ich hoffe, mit meinem Studium gut voranzukommen. Sportlich lasse ich 2021 aufgrund der Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr jetzt erst einmal auf mich zukommen. Mein Ziel ist es aber, die Freiluftsaison wieder besser abzuschließen, als es 2020 der Fall war – hoffentlich auch mit einer neuen Bestzeit.

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Erstellt:
23. Februar 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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