Unter die Haut: Dittgens besonderes WM-Tattoo

Gernsbach (rap) – Sebastian Dittgen war in Rio de Janeiro im Stadion, als die deutsche Nationalelf 2014 Fußball-Weltmeister wurde – und hat sich deshalb ein WM-Erinnerungsstück stechen lassen.

Sebastian und Tatjana Dittgen 2014 in Rio de Janeiro – kurz vor dem WM-Finale im Maracana. Foto: Privat

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Sebastian und Tatjana Dittgen 2014 in Rio de Janeiro – kurz vor dem WM-Finale im Maracana. Foto: Privat

Die Geschichte, wie Sebastian Dittgen zu seinem ganz besonderen WM-Erinnerungsstück auf der linken Schulter gekommen ist, beginnt im Jahr 2012. Rio de Janeiro. Sommerurlaub bei seinem Onkel. Copacabana, Caipirinha, Cristo Redentor. Angekommen an diesem gigantischen religiösen Monument oberhalb der Millionen-Metropole, hat der Gernsbacher Schweißperlen auf der Stirn. Natürlich wegen der Hitze, vielleicht auch wegen dem „Caipi“, aber ganz bestimmt wegen dem folgenden Heiratsantrag für Tatjana, seiner großen Liebe.

Nach getaner Arbeit richtet sich sein Blick auf Rio, unten links taucht der Sehnsuchtsort für alle Fußballer auf: Maracana, dieser Fußballtempel schlechthin. „Ich hab‘ damals zu Tati gesagt: ,Dort in zwei Jahren im Maracana beim WM-Finale zu sein, wenn Deutschland den Pokal gewinnt – das wäre ein Traum‘“, sagt der mittlerweile 32-Jährige, der bis auf einen kurzen Abstecher beim FC Obertsrot während seiner ganzen Karriere für den FC Gernsbach auf Torejagd ging. Ein anderer Wunsch ist bereits erfüllt, als das Paar in den Flieger zurück Richtung Deutschland steigt. Waren die Murgtäler beim Flug gen Südamerika noch zu zweit unterwegs, treten sie die Rückreise zu dritt an – mit der kleinen Olivia in Tatjanas Bauch.

Mail vom Fan-Club Nationalmannschaft

Natürlich fiebert auch der Scheuerner im Sommer 2014 mit Jogis Jungs mit, als sie sich am Zuckerhut erst gegen Algerien ins Viertelfinale würgen, dort Mats Hummels Frankreich mit einem Kopfball ausschaltet, bevor Deutschlands Sternstunde – und Brasiliens Volkstrauertag – im Halbfinale folgt. Sebastian Dittgen verfolgt das 7:1-Schützenfest 9.216 Kilometer entfernt bei einem Kumpel in Scheuern. Mindestens genauso weit scheint der zwei Jahre zuvor gehegte WM-Traum zu sein – bis zum darauffolgenden Morgen. Sein Smartphone vibriert. Eine Mail vom Fan-Club Nationalmannschaft, Betreff: „Charterflug zum WM-Finale“. Der Kreisligakicker, der seit Jahren Mitglied im Fan-Club ist, wittert seine Chance, hat Lunte gerochen.

Die Schulter von Sebastian Dittgen ziert die Christusstatue samt Fußabdruck seiner Tochter Olivia. Foto: Tatjana Dittgen

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Die Schulter von Sebastian Dittgen ziert die Christusstatue samt Fußabdruck seiner Tochter Olivia. Foto: Tatjana Dittgen

„Ich habe sofort meine Frau angeschaut, sie hat genickt und zugestimmt“, sagt Dittgen, „mit einer Einschränkung: Nur wenn sie mitkommen kann.“ Also wird flugs eine Mitgliedschaft für Tatjana ausgefüllt, abends um 18 Uhr geht die Verlosung los, das Ehepaar sitzt mit zwei Laptops bewaffnet am Tisch – auf der Jagd nach zwei WM-Finaltickets. Und das große Glück tragen schließlich die Nummern 96 und 97. „Wir waren völlig aus dem Häuschen“, erinnert sich der Vollblutstürmer. Tochter Olivia wird kurzerhand bei seinen Eltern geparkt, Samstagabend um 20.15 Uhr hebt der Zuckerhut-Flieger in Frankfurt ab. Mit an Bord sind auch Elton und Oliver Pocher. Als Einstimmung auf den vierten Stern.

Um 5 Uhr landet die Maschine in Rio, nächste Station Copacabana. „Ich bin erstmal mit dem DFB-Trikot ins Meer gesprungen – mit der Christusstatue vor Augen“, erzählt Dittgen, dessen Körper noch ein Tribal („eine Jugendsünde“) sowie das Auge seiner Frau zieren. In den folgenden Stunden steigt das Lampenfieber, fast so, als würde er selbst neben Miroslav Klose am Abend im Sturmzentrum wirbeln. „Nach ein paar Stunden an der Copacabana ging der Fan-Marsch Richtung Stadion los. Das war wie Karneval, eine unglaubliche Stimmung“, denkt Dittgen an die unvergesslichen Stunden zurück.

„Statue spielt ganz wichtige Rolle in meinem Leben“

Im Stadion wird aus dem Traum nun endgültig Realität. Gänsehaut bei den Hymnen, Herzstillstand bei Higuains Chance, grenzenloser Jubel als Mario Götze ihn machen soll – und ihn schließlich macht. Sebastian Dittgen durchlebt eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle, an dessen Ende der goldene WM-Pokal steht. „Diese 120 Minuten werde ich nie mehr in meinem Leben vergessen“, sagt der KSC-Fan.

Zurück in Gernsbach, wächst in ihm der Wunsch, diese verrückten Stunden am Zuckerhut nicht nur im Herzen, sondern auch unter der Haut zu tragen. Für immer. Ein Stück Rio im Murgtal. Er überlegt, welches Motiv passen könnte – und landet bei Cristo Redentor. „Die Statue spielt eine ganz wichtige Rolle in meinem Leben. Der Heiratsantrag, Olivia, der WM-Triumph. Als Verbindung der drei wichtigsten Ereignisse habe ich mich dann für die Statue, verbunden mit einem Amulett, in dem der Fußabdruck meiner Tochter verewigt ist, entschieden“, sagt Dittgen über sein Motiv auf der linken Schulter.

Ob ein weiteres Tattoo folgen wird? 2024 findet die EM bekanntlich in Deutschland statt. Vielleicht ja wieder mit dem DFB-Team im Finale, dann in Berlin. „Für das Brandenburger Tor“, sagt Sebastian Dittgen und lacht, „hätte ich noch einen Platz auf der Haut frei.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
2. Mai 2021, 22:33 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 15sec

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