Unterirdisch: Im Keller des Stadtmuseums in Rastatt

Rastatt (sl) – Das Gewölbe unter dem Rastatter Stadtmuseum ist nicht nur Depot für viele Zeugnisse der Stadtgeschichte, der Keller ist selbst ein interessantes historisches Relikt.

Im historischen Gewölbekeller des Stadtmuseums stehen schon Vitrinen bereit, die teilweise für die Präsentation der archäologischen Sammlung verwendet werden. Foto: Sebastian Linkenheil

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Im historischen Gewölbekeller des Stadtmuseums stehen schon Vitrinen bereit, die teilweise für die Präsentation der archäologischen Sammlung verwendet werden. Foto: Sebastian Linkenheil

Ein Besuch unter der Erde ist oft mit einem Blick in die Vergangenheit verbunden. Für den Keller das Stadtmuseums Rastatt gilt das gleich in mehrfacher Hinsicht, denn einerseits lagern dort im Depot viele Zeugnisse der Stadt- und Regionalgeschichte, und außerdem ist das barocke Gebäude selbst sehr geschichtsträchtig. Andererseits wird dort gerade auch ein Stück Zukunft geschrieben, denn Museumsleiterin Iris Baumgärtner entwickelt für das Gewölbe das Konzept eines neuen Bereichs der Dauerausstellung, der wiederum einen Blick zurück in fernste Vergangenheit erlauben soll.
Angesichts der Temperaturen draußen auf der Herrenstraße ist der Abstieg in den kühlen Museumskeller sehr angenehm. Die Erfrischung ist aber nur gefühlt, denn das Thermometer, das in einem Depot für Kunstgut unerlässlich ist, zeigt 25 Grad. „Es kommt darauf an, dass sich die Temperatur nur langsam verändert“, erklärt Iris Baumgärtner, warum die gut verschlossenen Depoträume für ihren Zweck geeignet sind. Dort lagert die städtische Sammlung, soweit sie nicht in den Museumsräumen im Erd- und ersten Obergeschoss ausgestellt ist, darunter viele Gemälde in eigens vom Bauhof gezimmerten Regalen. Ihren Auftritt haben sie dann bei Sonderausstellungen.

Dornröschenschlaf ist bald vorbei

Für einige ganz besonders alte Stücke ist der Dornröschenschlaf bald vorbei, denn sie sollen im rund 100 Quadratmeter großen Gewölbekeller, dem schönsten Bereich des Untergeschosses, gezeigt werden. Die Objekte reichen von der Steinzeit über die römische und keltische Antike bis zum frühen Mittelalter. Glanzlicht soll das Original des Iffezheimer Reiters werden, eine Dauerleihgabe des Archäologischen Landesmuseums. Anlass der neuen Präsentation ist das Jubiläum „125 Jahre städtische Sammlung“, das dieses Jahr eigentlich gefeiert werden sollte, wenn nicht Corona dazwischen gekommen wäre. Nun ist die Eröffnung des neuen Ausstellungsteils mit Begleitprogramm für nächstes Jahr geplant.

Blick in den hauseigenen Brunnen. Ein Zeichen für die Privilegiertheit der einstigen Bewohner. Foto: Sebastian Linkenheil

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Blick in den hauseigenen Brunnen. Ein Zeichen für die Privilegiertheit der einstigen Bewohner. Foto: Sebastian Linkenheil

Von der Schokoladenfabrik zum Museum

Neugestaltungen hat das alte Haus einige hinter sich. Und auch die Nutzer waren vielfältig. Baumgärtner geht davon aus, dass das Gebäude kurz nach dem Rastatter Frieden von 1714 erbaut wurde. Es war (und ist noch heute) ein stattliches Anwesen, das von der Privilegiertheit seiner Bewohner zeugt. Sogar im Keller gibt es dafür Beispiele. Der eigene gemauerte Brunnen, der in die Tiefe bis zum Grundwasserspiegel reicht, ersparte dem Hauspersonal den Gang zur öffentlichen Wasserstelle. Im Augenblick ist er aber trocken. Zu Anfang wohnte der markgräfliche Finanzminister in dem Anwesen, danach wurde es vielfältig genutzt. 1792 richtete ein Unternehmer eine Schokoladenfabrik einen. Später kaufte die Familie Vogel das Haus, die um 1840 eine Druckerei mit Verlag übernahm und das Rastatter Wochenblatt, einen Vorläufer des Badischen Tagblatts, herausgab. Als die Stadt das straßenbildprägende Anwesen erwarb, wurde es in Wohnungen unterteilt, bis die Städtischen Sammlungen und das Stadtarchiv 1973 dort einzogen. Architektin Ursula von Lilienfeld hatte das Haus grundlegend saniert und auch den Keller bedeutend erweitert. Ein großer Raum für Sonderausstellungen, ein kleinerer für die Museumspädagogik und ein Teil des Depots sind damals entstanden.

Im Rastatter Untergrund schlummern noch Geheimnisse

Seinerzeit kamen bei der Ausschachtung im Erdreich auch Zeugnisse zutage, die von Rastatts Stadtgeschichte vor der Residenzgründung erzählen: Scherben eines Trinkglases, das Kunsthistorikerin Baumgärtner in die Renaissance datiert. Oberirdische Relikte dieser Zeit sind in Rastatt und Umgebung rar, weil in den Kriegen des 17. Jahrhunderts das meiste zerstört wurde. Was noch da war, musste den Residenzstadtplänen des Markgrafen Ludwig Wilhelm weichen. „Doch unter der Erde müsste noch einiges schlummern“, bedauert Baumgärtner, dass es keine systematischere archäologische Erforschung des Rastatter Untergrunds gibt. Ein Rätsel, das auch Probegrabungen des Landesdenkmalamts auf dem ehemaligen Hatz-Areal nicht lösen konnte, ist zum Beispiel, wo das erste Rastatter Schloss, ein Renaissancebau, genau gestanden hat.

Es gibt also noch Geheimnisse unter Rastatts Erde.

Zum Thema: Journalisten haben immer den Anspruch, unter die Oberfläche zu schauen. Die Rastatter Lokalredaktion nimmt diesen Anspruch nun wortwörtlich: Redakteure und Mitarbeiter haben erkundet, wie interessant der Untergrund in der Barockstadt und ihrer Umgebung ist. Die Serie „Unterirdisch“ läuft in der Printausgabe des Badischen Tagblatts.

Zartes Renaissance-Glas kam bei der Kellererweiterung zutage. Der heile Kelch ist eine Replik. Foto: Sebastian Linkenheil

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Zartes Renaissance-Glas kam bei der Kellererweiterung zutage. Der heile Kelch ist eine Replik. Foto: Sebastian Linkenheil


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